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Joachim Posanz und Alexander Meyer starten bei Feuerwehr-WM

„Ich will Weltmeister bleiben“ Joachim Posanz und Alexander Meyer starten bei Feuerwehr-WM

Der Göttinger Berufsfeuerwehrmann Joachim Posanz (42) ist Weltmeister und härtester Feuerwehrmann der Welt. Im Juni will er seinen Titel bei der Feuerwehr-WM in Hannover verteidigen. Das geht nur mit bretthartem Training

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16. Stockwerk, Neues Rathaus: Meyer (rechts) und Posanz beim Endspurt in voller Montur.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Es klingt, als ob sich Filmbösewicht Darth Vader die Stufen hinauf schnauft: Das Treppenhaus des Neuen Rathauses ist heute Trainingsstrecke für Joachim Posanz (42) und Alexander Meyer (39).

Die beiden sind von Beruf und aus Leidenschaft Feuerwehrmann. Und sie rennen gerade das 16. Stockwerk in voller Montur hinauf. Und wer in gut zwei Minuten 16 Stockwerke mit einer 20 Kilo schweren Ausrüstung hinauf rennt und durch eine Gummimaske atmet, der klingt dann wie Lord Vader – die dunkle Seite der Macht im Star-Wars-Film. Wer nicht trainiert ist, schafft den Spurt nicht.

Posanz ist amtierender Weltmeister und härtester Feuerwehrmann der Welt. Diesen Titel verteidigt er im Juni in Hannover. Der Wettbewerb Toughest Firefighter alive (TFA) wird erstmals dort ausgetragen. „Ich will natürlich Weltmeister bleiben“, sagt Posanz. Dafür trainiert er hart. Seit Jahren.

„Ich bin jetzt fitter als vor zehn Jahren“, sagt der 42-Jährige. Und weiter: „Ich bin bereit für die Titelverteidigung.“ Posanz und Meyer steigen vor dem Rathaus in ihre Trainingskleidung. Manch hochglänzendes Männermodell würde vermutlich vor Neid erblassen angesichts dieser trainierten Körper.

„Ich muss jetzt in der harten Trainingsphase 4000 bis 5000 Kalorien täglich zu mir nehmen, sonst baue ich Muskulatur ab“, sagt Posanz. Fett zum Abbauen gibt es an seinem Körper nicht. Nur Muskeln. Zwei, dreimal rennen die beiden Sportler, die zugeben, ziemlich verrückt zu sein, heute das Treppenhaus hoch. Später dann steigt Posanz noch auf den Crosstrainer, „eine Stunde nur so zur Lockerung.“

Um sich in dem eisenharten Wettbewerb an die Spitze zu kämpfen, trainiert er täglich. „Nein, kürzlich, als mein Sohn konfirmiert wurde, habe ich einen Tag ausgesetzt“, sagt er lachend. „Da habe ich nur Tische gerückt.“
Das Programm: Ausdauer, Krafttraining und spezielles Techniktraining.

„Das Schlimmste am Wettkampf sind die Schläuche gleich zu Beginn“

Denn im Wettbewerb müssen die Athleten vier Stationen durchlaufen. Die erste Prüfung: Schläuche ziehen und aufrollen. Das trainieren die beiden auf dem Hof der Göttinger Berufsfeuerwehr. Das sieht doch ganz lässig aus, wenn die Sportler mit den Schläuchen hantieren.

Der Selbstversuch zeigt: Schläuche mit einem 50-Kilo-Gewicht daran über den Hof zu zerren, ist selbst für einigermaßen trainierte Durchschnittsmenschen kaum zu machen. Mit der Hälfte an Gewicht gelingt es ein paar Meter – und ist immer noch anstrengend genug.

Was so leicht aussieht, ist auch für die Profis eine Herausforderung: „Das Schlimmste am Wettkampf sind die Schläuche gleich zu Beginn“, sagt Posanz. „Wenn man da einen Fehler macht, dann war es das“, so Meyer. Und es geht noch schlimmer für den Laien: Einen 90-Kilo-Dummy schleppen. Wenn im Fernsehen jemand gerettet wird, sieht auch das so leicht aus. 90 Kilo vom Boden heben, das ist schon richtig schwer.

90 Kilo schleppen: Dafür braucht es sehr viel Kraft.  Dazu kommen im Wettkampf  Disziplinen wie Hammerschlag, Gewichte tragen, Wand erklettern. Am Ende dann geht es den Hermesturm auf dem Gelände der Messe hinauf. „Man muss schon einen kleinen Knall haben“, sagt Posanz.

Bei Meyer ist das harte Training zurzeit nicht selbstverständlich. Der Feuerwehrmann hatte einen Achillessehnen-Riss, trainiert erst wieder seit kurzem. „Es wird noch dauern, bis es wieder ist, wie zuvor. Entweder es hält, oder es hält nicht“, sagt er. Der Wettkampf heißt wohl nicht umsonst „härtester Feuerwehrmann der Welt“.

Workout mit dem Feuerwehrmann

 Fünf Übungen, drei Serien, jeweils 30 Sekunden lang, damit hat man viel für sich und seinen Körper getan: Joachim Posanz weiß, wie effektives Training geht. „Mit diesen fünf Übungen hat man fast alle Muskelpartien trainiert“, sagt er. Und: „Sie sind für jeden geeignet, egal ob Anfänger oder trainierter Sportler.“ Denn die Intensität kann jeder selbst steuern, über die Geschwindigkeit.

Hier das Workout:

  •  Kaspersprünge: Beim Sprung die Beine zur Seite grätschen, zeitgleich die Arme über dem Kopf zusammenführen (mit Wasserflasche in der Hand effektiver). Gut zum Aufwärmen.
  • Liegestütze: Der Klassiker für Trizeps und Körperspannung. Wer keine 30 Sekunden schafft, darf die Knie aufsetzen.
  •  Käfer-Crunches: Für einen weltmeisterlichen Waschbrettbauch legt man sich auf den Rücken, Hände an die Ohren, Bauch anspannen und Kopf leicht heben. Beine abwechselnd ausstrecken, auf der  diagonalen Seite den Ellenbogen mit leichter Rumpfrotation zum Knie führen. Spannung halten, Schultern nicht ablegen.
  •  Boden-Schwimmen: Auf den Bauch legen, Oberkörper leicht anheben, Arme nach vorn strecken und Wasserflasche in einer Hand im Boden auf den Rücken führen. Dort in die andere Hand geben – kreisen.
  • Ausfallschritt: Abwechselnd links und rechts in den weiten Ausfallschritt gehen, Knie dicht über den Boden führen. Arme seitwärts mit der Bewegung in die Höhe strecken, im Takt über dem Kopf zusammen führen. Mit Wasserflaschen effektiver.

Eisenhartes Training für die Titeljagd: Joachim Posanz und Alexander Meyer starten bei Feuerwehr-WM. © Theodoro da Silva

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Der Wettkampf „Toughest Firefighter Alive“ (TFA) – also härtester Feuerwehrmann der Welt – wird in diesem Jahr in Deutschland ausgetragen. Die Veranstaltung läuft vom 8. bis 13. Juni während der Messe Interschutz in Hannover. Vier Stationen umfasst der Wettkampf, alle müssen in Einsatzkleidung absolviert werden.

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