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Todesmutig in der Todeskugel

Journalistentraining im Zirkus Flic Flac Todesmutig in der Todeskugel

Der Zirkus Flic Flac gastiert noch bis Sonntag in Göttingen. Am Dienstag durften sich Journalisten in die Rolle der Artisten begeben: ein Adrenalinschub. „Dabei ist noch nie etwas passiert“, verkündet Rudi Bauer, Pressesprecher des Zirkus‘ Flic Flac, vor dem Journalistentraining.

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Gegensätzlich: In der Todeskugel steht es sich äußerst entspannt, auf dem Hochseil (Bild unten) ändert sich die Gefühlslage dagegen in angespannt.

Quelle: HW

Göttingen. Seine Worte in Gottes Ohr, schließlich geht es gleich in die Todeskugel, und sollte der Allmächtige schlecht zugehört haben, stehe ich ihm schon bald gegenüber.

Ein Duo wagemutiger Kolumbianer mit tätowierten Händen wird auf Motorrädern in der Vertikalen und Horizontalen um mich herumfahren. „Bloß nicht bewegen“, erteilt mir ein Crewmitglied einen wertvollen Rat. Wobei es nun ganz so eng auch nicht ist. Zu dritt ist es in der Kugel komfortabler als zwischen zwei Reiner-Calmund-Doubles im Billigflieger. Von zwei Fahrern umkreist zu werden, sozusagen als Mittelpunkt der Gestirne, fühlt sich für selbsternannte Sonnenkönige großartig an. Einzig der Motorenlärm nervt auf Dauer.
    

Was passiert, wenn ich auf dem Hochseil niesen muss?

Unsicherer erscheint mir der Tanz auf dem Hochseil. Genauer gesagt: der Weg herauf. Der führt über einen acht Meter hohen Masten mit im 45-Grad-Winkel angeordneten Leitersprossen. Gesichert wird erst oben. Mit schlotternden Knien dort angekommen, heißt es: Haltung wahren und cool dreinblicken. Die Bemerkung von Bauer, dass in Hildesheim ein Journalist auf dem Seil völlig verkrampft hätte, konterte ich großspurig: „Das passiert mir auf keinen Fall.“ Sekunden später bringe ich Verständnis für den Kollegen auf.

An die Schultern meines kolumbianischen Vordermanns geklammert, vergeht die Zeit auf dem Stahlseil im Schneckentempo. Auf „Uno“ soll ich den rechten Fuß nach vorne setzen, auf „Dos“ den linken. Oder umgekehrt? Das Gedanken-Wirrwarr ist begründet, schließlich muss ich mich hoch oben den wirklich wichtigen Fragen widmen: Was passiert, wenn ich jetzt niesen muss? Wessen Versicherung zahlt, wenn ich den Artisten in den Abgrund stürze? Bevor ich über eine Antwort sinniert habe, ist es vollbracht. So wackelig und traumatisch war es gar nicht. Nur den Blick nach unten habe ich nicht gewagt.

Am spaßigsten ist es zweifelsohne im Todesrad. Die Hamsterrad-ähnliche Konstruktion in Bewegung zu bringen, ist nicht einfach. Dann darf es aber gerne schnell werden. Leider ist mein Widerpart im anderen Rad auf Sicherheit bedacht und drosselt das von mir veranschlagte Tempo. „Spielverderber“, denke ich.

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Flic Flac gastiert bis Sonntag in Göttingen auf dem Schützenplatz. Die Shows sind Mittwoch und Sonnabend um 16 und 20 Uhr, Donnerstag und Freitag um 20 Uhr sowie Sonntag um 15 und 19 Uhr. Karten gibt es in der Tageblatt-Geschäftsstelle, Weender Straße 44.

Wagemutige und gefährliche Klassiker

Die Todeskugel, der sogenannte Globe of Speed, macht ihrem Namen alle Ehre: Die waghalsigen Stunts der hartgesottenen Biker in der 6,50 Meter Durchmesser großen Stahlkugel sind äußerst riskant. Unfälle geschehen dennoch extrem selten, da die Fahrer ihre Motocross-Maschinen hervorragend beherrschen. Mit bis zu 70 Stundenkilometern rasen die Piloten teils kopfüber durch die Kugel. Der Weltrekord liegt bei elf Fahrern, die gleichzeitig den Globe of Speed befahren. Die besten und wagemutigsten Fahrer kommen traditionell aus Südamerika, zumeist Kolumbien.

Ein weiterer Klassiker bei Flic Flac sind die Hochseilartisten. Ungesichert vollführen die Seiltänzer halsbrecherische Kunststücke auf dem in elf Meter Höhe befindlichen Stahlseil. Seilspringen und Salti? Kein Problem. Sicherung? Keinesfalls. Höhepunkt des gefährlichen Acts der Adrenalin-Crew ist eine Sieben-Mann-Pyramide, die weltweit einzigartig ist.Seinen Ursprung in den USA hat das Todesrad, das dort in den 1930er-Jahren erfunden wurde. Es besteht aus einer Stahlkonstruktion, die Rhönrad-große, durch ein Tragwerk verbundene Tretmühlen um eine Achse in der Mitte rotieren lässt. Während der Rotation wirken enorme Fliehkräfte. Besonders spektakulär wird es, wenn die Artisten auf die Außenseiten der mit hoher Geschwindigkeit rotierenden Räder klettern und dort Salti vollführen, blind laufen und irrwitzige Wendemanöver vollführen. Die Sicherungsmöglichkeiten  sind begrenzt.

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Von Redakteur Rupert Fabig

Der Wochenrückblick vom 3. bis 9. Dezember 2016