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Jugendliche Räuberbande vom Südharz vor Gericht

Opfer immer Frauen Jugendliche Räuberbande vom Südharz vor Gericht

Sie sind 22, 16 und 16, ein Libanese, ein Deutscher und ein Serbe. Und sie sind eine Räuberbande. Gemeinsam, teils in unterschiedlicher Besetzung, haben sie im Südharz mindestens sieben Raubüberfälle oder räuberische Diebstähle begangen. Seit gestern stehen sie in Göttingen vor der Jugendkammer des Landgerichts.

Göttingen/Osterode. Zwei von ihnen sind fast noch Kinder. Am 13. März dieses Jahres stürmten sie wie die Profi-Kriminellen, vermummt, mit Sturmhauben und bewaffnet mit einer Soft-air-Pistole, das Geschäft einer Goldschmiedin in Osterode. Sie hatten genau abgesprochen, wer was übernimmt: der eine die Kasse, der andere den Schmuck, der Dritte die Inhaberin, die allein an ihrem Werktisch saß und arbeitete.

Der 22-Jährige stieß die Frau, die sich angesichts der drei Vermummten erhoben hatte, zurück auf ihren Stuhl, so dass dieser umkippte, bedrohte sie mit der einer Pistole der Marke Walther täuschend ähnelnden Waffe und forderte Geld. Andernfalls werde er sie erschießen, drohte er. Doch die Frau erkannte, dass die Waffe aus Plastik ist, rief um Hilfe und wurde deshalb von dem 22-Jährigen zu Boden gedrückt. Der Lauf der Waffe wurde ihr ins Auge gestoßen, so dass sie eine bis heute nicht ausgeheilte Augenverletzung erlitt. Dann raubte das Trio 350 Euro aus der Kasse und 24 Gold- und Silberketten aus einer Vitrine. Wert der Beute insgesamt: rund 4000 Euro.

So beschreibt die Anklage die Tat – die erste Anklage von sieben. Da waren noch ein Überfall auf eine Tankstelle in Osterode, zwei weitere auf Aral und Esso in Herzberg, Überfälle auf Spielhallen in beiden Südharz-Städten sowie auf eine Spielhallen-Mitarbeiterin und eine Frau auf einem Supermarkt-Parkplatz, die einfach nur eingekauft hatte.
Stets waren Frauen die Opfer, stets war Gewalt im Spiel, wenngleich der Älteste bei einem der Überfälle „Entschuldigung!“ sagte, ehe er die Handtasche des Opfers an sich riss. In einem Fall gab es einen Mittäter, gegen den gesondert ermittelt wird. Alle anderen Taten sollen gemeinsam verhandelt werden, wenngleich die meisten Anklagen erst in dieser Woche fertig wurden. Der 22-Jährige hatte bei der Polizei ausgepackt, hatte gestanden, und auch seine jungen Mittäter kündigten für den nächsten Verhandlungstag bereits Geständnisse an.

Bis dahin bleibt der Erwachsene in Haft, die Jugendlichen müssen sich regelmäßig melden. Einer ist derweil in Diemelstadt im bekannten Box-Trainingscamp Lothar Kannenbergs für junge Straftäter. Dort zeigt man ihm klare Grenzen – wohl das erste Mal in seinen 16 Lebensjahren.

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Beute zu Geld gemacht

Sie haben ihre Beute in Göttingen zu Geld gemacht, und sie haben dieses in Göttingen ausgegeben. Jetzt müssen sie sich in Göttingen verantworten. Die jugendliche Räuberbande aus dem Südharz packte gestern aus – rückhaltlos geständig und treuherzig naiv.

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