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Jugendschutzkammer verurteilt Stiefvater wegen Vergewaltigung der Tochter

Milde Strafe Jugendschutzkammer verurteilt Stiefvater wegen Vergewaltigung der Tochter

Das Landgericht hat einen 37 Jahre alten Kraftfahrer aus dem Raum Kassel wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs eines Kindes in zwei Fällen zu zwei Jahren und zehn Monaten Freiheitsentzug verurteilt. Der Familienvater hatte zugegeben, sich an seiner damals elf Jahre alten Stieftochter vergangen zu haben.

Er hatte in Abwesenheit seiner Ehefrau das Kind gefesselt und geknebelt und das Mädchen derart misshandelt, dass es rechtlich als Vergewaltigung zu werten ist. Es war der erste Fall, in dem die Jugendschutzkammer das neu geschaffene Instrument der Verfahrensabsprache anwendete. Dem Angeklagten war zum Verhandlungsbeginn für den Fall, dass er ein rückhaltloses Geständnis ablegt, eine Strafe von höchstens drei Jahren zugesichert worden.

Ohne Geständnis, so Richter Rolf Traupe in der Urteilsbegründung, hätte das Strafmaß bei mehr als dem Doppelten liegen können. Mit seinem Geständnis hatte der Angeklagte dem Kind, das sich noch immer in einer psychiatrischen Therapie befindet, eine Aussage vor Gericht mit all ihren neuerlichen Belastungen erspart. Lediglich die Videoaufnahme der Aussagen des Mädchens bei der Polizei waren im Prozess abgespielt worden. Darin hatte es, unterbrochen von Tränen, das Martyrium geschildert. Etliche Male habe sie den Missbrauch erdulden müssen, doch weil sich nur zwei Taten individualisieren ließen, lautete die Anklage auf Missbrauch in zwei Fällen.

Das Kind hatte aber auch bestätigt, dass der Angeklagte jeweils angekleidet geblieben war. Er selbst hatte behauptet, die Taten hätten keinen sexuellen Hintergrund. In der Urteilsbegründung heißt es indes, das Vorgehen sei „Teil einer eingeübten Sexualpraxis“ des 37-Jährigen. Dieser pflegte bereits zur Tatzeit eine sexuelle Beziehung zu einer anderen Frau. Nachdem sich die Stieftochter einer Tante offenbart hatte, damit es ihrer jüngeren Schwester nicht genau so ergehe, und die Ermittlungen begannen, verließ der Täter die Familie.

Weil das Paar noch ein gemeinsames Kind hat und bis heute nicht geschieden ist, wird der Familie weiterer Kontakt nicht erspart bleiben. Immerhin hatte der Angeklagte in seinen letzten Worten erklärt, es tue ihm leid.

Von Jürgen Gückel

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