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Jugendtrainer muss sich wegen Vergewaltigung verantworten

Vor Gericht Jugendtrainer muss sich wegen Vergewaltigung verantworten

Aussage steht gegen Aussage. Der 23 Jahre alte Angeklagte, so sagt das Opfer, habe sie vergewaltigt. „Der Vorwurf ist mir gänzlich unerklärlich“, lässt der Angeklagte seinen Verteidiger vortragen. Und tatsächlich wirft die Aussage des 17-jährigen mutmaßlichen Opfers vor dem Landgericht Göttingen mehr Fragen auf, als sie Antworten gibt.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Südharz/Göttingen. Soviel steht nach dem ersten Verhandlungstag fest: Die junge Frau hat sich praktisch nicht gewehrt. Sie hat auch nicht um Hilfe gerufen, obwohl im Nebenraum ihre Freunde saßen. Nicht einmal klar „Nein“ gesagt hat sie. Nur ein verneinendes „nh nh“ will sie mehrfach geäußert haben, als der 23-Jährige im Badezimmer seiner Eltern versucht habe, ihr die Hose herunterzuziehen und sie laut Anklage vergewaltigte.

 
Der Prozess ist auch deshalb spannend, weil die engste Freundin des Opfers, eine 18-Jährige, die am Tatabend im Nebenraum war, den Angeklagten ebenfalls wegen angeblicher Vergewaltigung angezeigt hatte - und zwar zu Unrecht. Während der Ermittlungen musste sie zugeben, dass sie freiwillig mit dem 23-Jährigen geschlafen hatte. Die Vergewaltigungs-Anzeige, sagte sie gestern aus, habe sie nur der Freundin zuliebe gemacht, dann aber wieder zurückgenommen. In Wahrheit habe sie der eigene Freund, mit dem es im Bett nicht recht klappte, dazu aufgefordert, den erfahrenen 23-Jährigen um Rat in sexuellen Dingen zu bitten. Das sei dann ganz praktisch geschehen, damit sie Erfahrung habe sammeln können, sagt sie.

 
Der Angeklagte, Elektrotechniker und Jugendtrainer im Sport, könnte tatsächlich als Mädchenschwarm durchgehen. Sein mutmaßliches Opfer wirkt eher unscheinbar und pummelig. Zudem ist der Angeklagte verlobt. Auch seine Verlobte war an jenem 18. April 2014 mit im Haus seiner Eltern im Südharz. Die fünf jungen Leute sahen Filme, kifften und spielten „Wahrheitspflicht oder Konsum“. Bei dem Spiel muss man auf eine Frage wahr antworten oder eine von drei Aufgaben erfüllen. Die anderen hätten von ihr verlangt, das Oberteil auszuziehen, sagt die 17-Jährige. Sie habe das nicht gewollt, habe auch nicht gekifft. Die anderen seien high gewesen. Dann wollten alle ins Bett. Der Angeklagte habe ihr das Bad gezeigt, habe hinter ihr abgeschlossen, sie auf die Badewanne gedrückt und versucht, die Hose herunterzuziehen. Schließlich habe er sie auf den Boden gelegt, die Hose bis zu den Knien herab gezogen und sie vergewaltigt. Sie sei wie gelähmt gewesen, habe die Augen zugemacht, „damit ich das nicht mit ansehen muss“ und habe „abgewartet, bis er fertig ist“. Keine konkrete Gegenwehr, kein Rufen, kein klares Nein. „Ich war wie gelähmt.“ Und weiter: „Das Nein habe ich nicht rausbekommen, nur die Vorstufe davon, ein nh nh.“ Ob er hinterher gedroht habe? „Er hat gesagt, das bleibt unter uns.“ Das habe sie schon so eingeschüchtert, dass sie kein Wort gesagt habe, als sie aufgelöst zu den Freunden zurückkam. Erst Wochen später vertaute sie sich einer Lehrerin an. Warum sie danach noch freundlichen Facebook-Kontakt mit ihrem Peiniger hatte, kann sie nicht sagen. Gar besuchen wollte sie ihn. Und ein Foto der Freundesgruppe gibt es auch, auf dem Angeklager wie Opfer in die Kamera strahlen, aufgenommen wenige Tage nach der angeklagten Tat.

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