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Junge Straftäter aus Göttingen werden auf Ausbildung vorbereitet

Haftzeit als Chance Junge Straftäter aus Göttingen werden auf Ausbildung vorbereitet

Jeder dritte Jugendhäftling macht mit, jeder zweite von ihnen schafft es. Am Ende wird einer von sechs jungen Männern, die am Göttinger Leineberg eine Jugendstrafe verbüßen, dank dieser Haftzeit eine Berufsausbildung beginnen oder in Arbeit sein. Das ist die Bilanz, die die Initiatoren nach zehn Jahren Berufsvorbereitender Bildungsmaßnahmen (BvB) jetzt ziehen.

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Jugendanstalt Leineberg: Ausbildung zum Gärtner und Landschaftsbauer in der Haftanstalt, aber nicht hinter Gittern.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Zum Beispiel Sally (Namen geändert): Der junge Mann verbüßt neun Monate Jugendhaft wegen einer Dummheit in Braunschweig. Mit 19 hat er seine Schulpflicht erfüllt. Was er werden will, wusste er nicht, als er in die Haft kam. Die Arbeitsagentur finanziert ihm zehn Monate Berufsvorbereitung, die er absolvieren kann, während er im offenen Vollzug einsitzt. Die Ländliche Erwachsenenbildung  (LEB) als dritter Kooperationspartner wickelt die Maßnahmen ab. So etwa das Praktikum, das Sally in einem Göttinger Modegeschäft machen durfte. Danach stand fest: Sally hat Talent, er beginnt am 2. September eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann in dem Shop.

Sven ist ein anderes Beispiel. Er hat dank BVB und mehrerer Praktika wieder zum Lernen gefunden. Demnächst geht er zur Berufsschule. Saim hat seine BVB-Zeit in der Gärtnerei zugebracht. Jetzt beginnt er ein freiwilliges ökologisches Jahr.
Berufseinstiege oder zurückgewonnene Perspektiven wie diese sind es, die das in der Bundesrepublik beinahe einmalige Netzwerk aus Jugendvollzug, Arbeitsagentur und Bildungsträger ermöglicht.

Dank BVB bekommen junge, meist orientierungslose Straftäter Perspektiven und Chancen auf einen Berufseinstieg. In den Bereichen Gastronomie (Koch/Service), Schlosser/Industriemechaniker, Holz/Tischlerei, Farbe/Raumausstattung, Bau und Gärtnerei gibt es Angebote. Denn was passiert, so LEB-Projektkoordinatorin Petra Rotter, sei ganz individuell auf den einzelnen Teilnehmer zugeschnitten und laufe über drei Stufen, so dass einzelne Abschnitte auch dann weitergehen können, wenn die jungen Häftlinge schon entlassen sind.

Eine Schwierigkeit aber gibt es: Am Leineberg im offenen Vollzug leben junge Männer aus ganz Niedersachsen. Und es ist schwierig, auch in den Herkunftsregionen Ausbildungsbetriebe zu finden, die mitmachen. In Göttingen hingegen gebe es Partner genug in der Wirtschaft. Hans-Jörg Murken, Abteilungsleiter der Jugendanstalt Hameln, sagt es so: „In Göttingen steht die Jugendpolitik, nicht die Kriminalpolitik im Vordergrund.“

Die jugendlichen Häftlinge dankten das mit guten Leistungen in der Ausbildung. Die Kontrolle der Haftanstgalt und deren Sanktionsmöglichkeiten, das verschweigt Murken nicht, täten ein übriges dazu, die jungen Leute in der Berufsausbildung bei der Stange zu halten.

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