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Junges Theater gastiert in Jugendanstalt

Gastspiel Junges Theater gastiert in Jugendanstalt

Theater an einem ungewöhnlichen Ort gab es Montagabend: Das Junge Theater Göttingen gab ein Gastspiel in der Jugendanstalt Hameln, Abteilung Göttingen. Für rund 60 junge Gefangene, Angehörige und Gefängnismitarbeiter gab es Auszüge aus dem Stück „Money, Money, Money“.

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Gastspiel des Jungen Theaters Göttingen in der Abteilung Göttingen der Jugendanstalt Hameln.

Quelle: Wenzel

Göttingen. Nico Dietrich ist vor der Aufführung etwas nervös. Der Intendant des Jungen Theaters weiß nicht, wie das Stück bei den jungen Leuten ankommen wird. So geht es auch Jan Reinhartz aus dem Theaterensemble: Wie das Publikum reagieren wird, habe er sich vorher gefragt. Ins Theater kämen die Gäste bewusst, an diesem Abend sei es umgekehrt.

Gemischt, aber mit Struktur

Die Musik durfte an diesem Abend im Offenen Vollzug richtig laut sein. Sonst ist nur Zimmerlautstärke erlaubt. Die Band und vier Sänger vom Jungen Theater spielten einen Streifzug durch die Musikgeschichte. Es wurde getanzt, gerockt und gerappt. Alles gemischt, auch innerhalb der Stücke, und trotzdem mit Struktur. Besungen wurde das Thema Geld: Wie es auf das Leben der Menschen wirkt, wie es verändert. Der Inhalt der Songs war mal scherzhaft, mal ernst.

„Theater an Orte zu bringen, an denen es eher ungewöhnlich ist.“ Nico Dietrich, Intendant Junges Theater Göttingen

Das Theater war zum ersten Mal in der Jugendanstalt. Für die Einrichtung gehört Bildung und Kultur zum Erziehungsauftrag: „Damit wollen wir die Neugierde wecken und Offenheit fördern“, erklärte Melanie Hacker, Abteilungsleiterin der Jugendanstalt für den Bereich Göttingen.

Jugendanstalt Hameln

Männliche Jugendliche und Heranwachsende, die erstmals eine Haftstrafe von maximal dreieinhalb Jahren verbüßen müssen, werden im Offenen Jugendvollzug Göttingen aufgenommen. Die Einrichtung auf dem Leineberg gehört seit 2010 als Abteilung Göttingen zur Jugendanstalt Hameln.

Es gibt dort keine Mauern, vergitterte Fenster oder technische Sicherungen. Die jungen Männer leben in Wohngruppen und werden durch unterschiedliche Maßnahmen auf ein zukünftig straffreies Leben in Freiheit vorbereitet.

Das passt zur Absicht des Jungen Theaters, „Theater an Orte zu bringen, an denen es eher ungewöhnlich ist“, erklärte Dietrich. Finanziert wurde diese Zusammenführung vom Verein Kunst und der Milden Stiftung Göttingen.

Die Bewohner der Jugendanstalt sind zwischen 17 und 24 Jahre alt. Dietrich will sie für das Theater begeistern, eine Brücke schlagen, einen Einstieg ermöglichen. Das Projekt habe für ihn gesellschaftliche und politische Bedeutung.

Zufrieden mit dem Brückenschlag

Für das Feedback blieb das Ensemble des Jungen Theaters in der Einrichtung. Auch wenn nicht jedermanns Musikgeschmack getroffen wurde, war der Auftritt für alle eine Abwechslung. „Das war nicht so ganz mein Geschmack“, sagte Serkan.

Der 21-Jährige steht eher auf Hip Hop, fand den Abend jedoch gut. Dem 24-jährigen Sven hat der Auftritt gefallen: „Das hat einen irgendwie getoucht“, sagte der 25-Jährige. Er will sich demnächst unbedingt das Ballett Schwanensee ansehen. Nico Dietrich ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden und sich sicher, eine kleine Brücke zum Theater geschlagen zu haben.

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