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Juristische Aufarbeitung der Pleite der Göttinger Gruppe dauert jetzt schon acht Jahre an

3,8 Gigabyte Securenta-Klagen verjährt? Juristische Aufarbeitung der Pleite der Göttinger Gruppe dauert jetzt schon acht Jahre an

Acht Jahre nach der Pleite der Göttinger Gruppe ist ein Ende der juristischen Aufarbeitung noch immer in weiter Ferne. Am Montag werden zwar 20 weitere Klagen von Opfern des insolventen Finanzdienstleisters verhandelt, und Ende des Jahres soll auch die Anklage gegen zwei Vorstandsmitglieder vor Gericht kommen. Knapp 10 000 Klagen aber sind nach wie vor offen.

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Göttingen. Der Stand der Dinge rund um Göttinger Gruppe und Secu-Rente ist der: Das offene Strafverfahren wird wohl in den nächsten Monaten verhandelt. 4400 Zivilklagen vor der 2. und 14. Zivilkammer des Landgerichts warten auf das Gutachten eines Sachverständigen, der prüft, ob das Modell der Göttinger Gruppe tragfähig oder von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Weitere 4500 Klagen gegen zwei Wirtschaftsprüfer und eine Beratungsgesellschaft sind noch offen, könnten aber wegen Verjährung bald beendet werden. Am Montag, 5. Oktober, sowie am 21. Oktober werden 20 Fälle vor der 16. Zivilkammer verhandelt. Dabei wird es um die Frage gehen, ob Verjährung eingetreten ist.

Das Strafverfahren: Vor genau vier Jahren waren die Vorstandsmitglieder Jürgen Rinnewitz und Marina Götz wegen Untreue und vorsätzlichen Bankrotts bei der Wirtschaftsstrafkmmer des Landgerichts Göttingen angeklagt worden. Diese 8. Kammer allerdings war unter anderem wegen aus Hannover übernommener Strafverfahren derart überlastet, dass der Fall im März dieses Jahres an eine andere, die 5. Wirtschaftsstrafkammer, ging. Diese musste seither riesige Aktenberge studieren - allein die digitalisierten Akten füllen 3,8 Gigabyte Speicherplatz, das sind mehr als 400 Meter Regalböden voller Akten. Die Hauptverhandlung steht offenbar kurz vor der Terminirung.

Zivilklagen gegen den Vorstand: Hier war die Anfertigung eines Gutachtens zur Tragfähigkeit des Systems binnen eines Jahres angekündigt. Der Sachverständige, so Elke Adams, Sprecherin des Landgerichts, brauchte aber länger. Ende Oktober soll das Gutachten nun vorliegen. Es hat den Betrieb der Gruppe von 1989 bis zur Pleite 2007 zu bewerten, als von mehr als 200 000 Anlegern rund eine Milliarde Euro eingenommen worden waren. Da die Prozessbeteiligten sich danach zum Gutachten äußern können, werde nicht vor 2016 mit weiteren Verhandlungsterminen gerechnet.

Zivilklagen gegen die zweite Führungsebene: Bei den 700 Klagen gegen Mitarbeiter der Gruppe wurde angestrebt, ein Musterverfahren zu führen, wie es neuerdings das Gesetz bei Kapitalanlage-Klagen ermöglicht. Aktuell läuft eine Vorklärung beim Oberlandesgericht (OLG). Ende des Jahres werde in der Sache wohl entschieden, so Adams.

Zivilklagen gegen Wirtschaftsprüfer: Gegen die 4500 angestrengten Klagschriften mit jeweils 525 Seiten liegen inzwischen ebenso viele Klageerwiderungen mit je 80 bis 360 Seiten vor. Im März und Mai waren erste Verhandlungstermine, in denen die 16. Zivilkammer Probleme möglicher Verjährung aufzeigte. Weil die Kläger, eine Kanzlei aus Jena, einfach nicht zur Verhandlung kamen, gab es Versäumisurteile, die sofort angegiffen wurden. Außerdem gab es Befangenheitsanträge gegen die Richter, die vom Landgericht jedoch zurückgewiesen wurden. Jetzt muss sich das OLG damit befassen. Am Montag sollen nun weitere 20 Klagen verhandelt werden.

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