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Abfallbecher „to go“

Kaffee-Einwegbecher verschmutzen Göttingen Abfallbecher „to go“

7 647 300 Coffee to go-Becher landeten im vergangenen Jahr in Göttingen im Müll. Durchschnittlich 60 Einwegbecher verbrauchen die Göttinger durch Kaffee zum Mitnehmen jährlich pro Kopf. „Das ist schon eine Hausnummer“, betont Maja Heindorf von den Göttinger Entsorgungsbetrieben (GEB) - und hat eine Idee, wie das Problem gelöst werden könnte.

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Viele Kaffeehausbetreiber finden, dass die Einwegbecher eine "riesige Müllverschwendung" sind.

Quelle: CH

Göttingen. Damit die Göttinger City nicht durch den Becherabfall vermüllt wird, sollten Händler und Gastronomen auf wiederbefüllbare Becher setzen, sagt Heindorf. Alternativ könnten Kunden auch ihre eigenen Becher mitbringen und befüllen lassen.

Die Lebensmittelkontrolleure des Landkreises Göttingen halten dies für einen schwierigen Grenzfall. Grundsätzlich trage der Gewerbebetrieb die Verantwortung für die Lebensmittel, die er rausgibt, erklärt ein Sprecher. Inwiefern jemand seine mitgebrachte Tasse befüllen lassen kann, obliegt somit dem Inhaber des jeweiligen Geschäftes.

Von vielen Göttinger Cafés wird die Befüllung eigener Behälter bereits angeboten. „Das machen meine Gäste von selbst“, erzählt Birds-Inhaberin Sophie Klein. Mehrwegbecher biete sie jedoch nicht an, gesteht Klein, dafür sei Kaffee zum Mitnehmen im Birds zu wenig gefragt.

Auf den Verkauf von Mehrwegbechern aus Porzellan, mit eigenem Logo versehen, setzt das Kaffeehus an der Weender Straße. Wer mit einer Kaffeehus-Tasse bestellt, der erhält einen großen Kaffee zum Preis eines kleinen. „Wir würden es absolut begrüßen, wenn es eine Veränderung gäbe“, sagt Inhaber Jan Knichalla. Die Einwegbecher seien „eine riesige Müllverschwendung“, findet Knichalla, der als Alternative Coffee to go in biologisch abbaubaren Bechern verkauft.

Der Vertrieb von eigenen Bechern ist unterdessen bei vielen Unternehmen ein beliebtes Konzept. Die Balzac Coffee Company verkauft bereits gezielt Thermobecher mit eigenem Logo. Kunden, die mit eigenem Balzac-Becher in die Filiale kommen, erhalten pro Kaffee 25 Cent Rabatt. Eine ähnliche Strategie fahren auch die Bäckereien und Backstuben von Kamps. „Wir halten es für richtig und wichtig, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen“, sagt Teresa Reichmann von Kamps. Im Oktober will das Unternehmen Mehrwegbecher einführen. Aber: „Hygiene ist oberstes Gebot. Es werden nur saubere Becher befüllt“, merkt Reichmann an.

„Die Überlegung gibt es bei uns seit drei Jahren“, schließt sich Silvio Dreier, Geschäftsführer der Backerei-Kette Hermann an. „Die Ideen sind auf dem Tisch. Es wird sich in Zukunft sicher etwas verändern“, bestätigt Dreier. Eine Umstellung auf Mehrwegbecher könnte bereits im August laufen, jedoch sei „intern noch nicht besprochen, wie wir damit umgehen“. Man müsse es vor allem „den Kunden beibringen“, erklärt Dreier.

Grundsätzlich sei es auch für die Vertriebe „sinnvoll“, auf Mehrwegbecher umzusatteln, meint Mario Serra, Inhaber des Cafés Barista. „Das sind für uns auch weniger Kosten.“ Und für die GEB wären es rund sieben Millionen Becher weniger Müll.

Göttinger über Mehrweg

Die Göttinger Entsorgungsbetriebe beschweren sich über den vielen Kaffeebecher-Abfall. Was denken die Göttinger über Coffee to go in Mehrwegbechern? Eine Umfrage: „Ich denke, dass es total wichtig ist, das umzusetzen“, sagt Lehramtsstudentin Louisa Gödeke. „Das einfachste wäre, wenn sich jeder selbst einen Becher mitbringt“, findet Gödeke.

Louisa Gödecke.

Quelle: CH

Das sieht ihre Freundin Klara Hasse anders: „Ich würde nicht mit meinem eigenen Becher kommen. Das hat auch nicht so einen ‚Cool‘-Faktor.“

Bereit, einen Pfand zu bezahlen, wären hingegen beide. „Wenn der Becher schön ist, dann würde ich den behalten“, sagt Gödeke.

Roswitha Heise aus Einbeck „würde es gut finden, wenn jeder so einen Becher in der Tasche hätte“. Schließlich „trägt jeder heute eine Tasche oder einen Rucksack mit sich rum“, stellt Heise fest. Die Mengen an Müll durch die Einwegbecher findet sie „furchtbar“, wie sie sagt.

Roswitha Heise.

Quelle: CH

Eine Eindämmung des Müllerzeugnisses fände auch Mohamed Ahmad „sehr gut, aber immer einen Becher von zu Hause mitzunehmen, ist unpraktisch“. Ann-Christin Grafe sieht das genauso. Eine große Veränderung durch die Erhebung eines Pfandes auf die Becher sieht sie nicht: „Es schmeißen ja auch alle ihre Pfandflaschen weg.“ Ihre Kommilitonin Katharina Blaschkowski sagt, sie „fände es gut, wenn der Kaffee dann günstiger ist“.

In der Universität würden Mehrwegbecher „leider noch nicht angeboten, sonst hätten wir das gemacht“, sagt Lennart Backes. Er habe bereits eine Zeit lang immer einen eigenen Becher dabei gehabt. „Das war kein Problem“, sagt Backes, der „prinzipiell auf jeden Fall dafür“ ist, wenn es in Zukunft keinen Coffee to go mehr in Einwegbechern gebe. yah

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