Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Kakerlakenbefall im Hagenweg 20 in Göttingen

Schädlinge in der Windel Kakerlakenbefall im Hagenweg 20 in Göttingen

Eine Flut von Kakerlaken plagt seit gut zwei Monaten die Bewohner des Apartmenthauses Hagenweg 20 in der Weststadt. Bislang, klagen zwei Dutzend Mieter, habe es keine ernsthaften Versuche zur Bekämpfung gegeben. In dem Apartmenthaus leben seit Jahrzehnten Menschen, die anderswo keine Wohnung bekommen.

Voriger Artikel
Tag der offenen Tür des Heimatvereins Groß Schneen
Nächster Artikel
IGS-Kurse Darstellendes Spiel präsentieren ihre Ergebnisse

Immer wieder erneuern die Mieter den Boden vor den Eingangstüren mit Klebeband. Die Kakerlaken bleiben kleben.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Viele erhalten die Miete vom Sozialamt. Mit Mühe versuchen Bewohner, in dem Großbau ein menschenwürdiges Leben zu führen.

Nicht wenige tun das mit doppelseitigem Klebeband. Beispielsweise Lars Stanze: Jedesmal, wenn er seine Mini-Wohnung verlässt, klebt der Ein-Euro-Jobber den Türrahmen der Wohnungstür sorgfältig ab. Jedesmal, wenn er zurückkommt, klebt er die Tür von innen zu. Bislang, sagt Stanze, habe er es einigermaßen geschafft, sein Apartment einigermaßen schabenfrei zu halten.

In jedem Flur liegen vor einigen Apartmenttüren tote Kakerlaken – Tausende. Und an kaum einer Stelle in dem weitläufigen Haus muss der Beobachter lange warten, bis eine lebende angekrabbelt kommt. Die Mieter erzählen wahre Schauergeschichten – beispielsweise davon, dass nicht wenige Mieter nachts kaum mehr schlafen können, weil ihnen nachts eine Kakerlake übers Gesicht gelaufen ist. Oder die vom vier Wochen alten Säugling, in dessen Windeln sich Kakerlaken fanden – lebende. Das gesamte Gebäude sei verseucht, die Insekten kämen aus Schächten, Fugen und Installationsleitungen, meint Mieterin Carmen Winterstein.

Schuld an den Zuständen, meinen die Mieter, ist die Hausverwaltung Meyer, die sich um die Vermietung kümmert. Eine professionelle Bekämpfung habe nie stattgefunden, sagt Stanze. Ab und zu komme jemand „und spritzt ein bisschen Gift in ein paar Ecken der Flure“. Die Kakerlaken würden davon nur resistenter, sagt Winterstein, die im zweiten Stock wohnt. Als sie weitererzählen will, kommt Besuch – die nächste Kakerlake aus dem Apartment darüber.

Massiver Schädlingsbefall im Problemhaus Hagenweg 20. © Pförtner

Zur Bildergalerie

Bislang, sagen diejenigen Mieter, die sich jetzt wehren, habe die Stadt nichts unternommen – weder das Gesundheits- noch das Ordnungsamt. Die Stadtverwaltung erklärt hingegen, sie habe nach einem Hinweis auf eine total vermüllte Wohnung am 17. Juni bereits einen Tag später den Sozialpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamtes losgeschickt, der jedoch niemand angetroffen habe.

Nach einem von 23 Mietern unterzeichneten Schreiben zum Kakerlaken-Befall gebe es voraussichtlich am Dienstag „einen neuen Vor-Ort-Termin von Ordnungsverwaltung und Gesundheitsamt, nämlich Gesundheitsaufsicht und Sozialpsychiatrischer Dienst“, kündigt Stadt-Sprecher Detlef Johannson an.

Und: „Sollte sich bestätigen, dass nämlich dort auch ein Kleinkind lebt, dann würde eine Schädlingsbekämpfungsmaßnahme sofort verfügt. Kakerlakenbefall sei „schrecklich, ekelig und unhygienisch, aber per se nicht gesundheitsgefährdend.“ Darüber, dass Bewohner des Hagenwegs 20 durch Übertragung von Kakerlaken erkrankt sei nichts bekannt.

Für die Hausverwaltung Meyer erklärte ein Sprecher, man „werde sofort alles unternehmen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Wir sind auch bestürzt.“ Allerdings sei die Kakerlakenbekämpfung „ein sehr großer Aufwand“.   

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016