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Kalaschnikow unterm Bett – „Man weiß ja nie“

Aus dem Göttinger Amtsgericht Kalaschnikow unterm Bett – „Man weiß ja nie“

Weil er sich eine Kalaschnikow-Attrappe von einem Büchsenbauer aus Thüringen in eine scharfe Maschinenpistole hat umbauen lassen, ist ein 28 Jahre alter Student aus Göttingen zu einem Jahr, zwei Monaten und einer Woche Haft verurteilt worden. Die Strafe wird gegen 100 gemeinnützige Arbeitsstunden zur Bewährung ausgesetzt.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Damit ist der geständige Angeklagte für seine „Doofheit“, wie er sein Verhalten selber betitelt,  glimpflich davon gekommen. Mit Waffen ist der 28-Jährige vertraut. Er war im Schützenverein, besaß einen Jagdschein, durfte mehrere Gewehre mit Genehmigung besitzen. Dann kaufte er sich eine ganz besondere Deko-Waffe: ein Modell des automatischen Sturmgewehrs Kalaschnikow, in der DDR als Maschinenpistole betitelt, also eine verbotene Kriegswaffe. Ein Mitstudent, gelernter Büchsenbauer, habe ihm vorgeschlagen, die Waffe scharf zu machen, indem Spezialteile dafür wieder eingebaut werden.

Die diversen konspirativen Treffen in Schwarza – mal auf dem Friedhof, mal im Park – wurden im Gericht nicht vertieft. Das letzte aber, zur Übergabe der scharfen Waffe, fand im Februar 2014 unter polizeilicher Beobachtung statt. Die Berliner Polizei war schon auf  den Kalaschnikow-Scharfmacher aufmerksam geworden und überführte ihn durch die Festnahme des Göttinger Kunden. Gleichzeitig durchsuchten Polizisten im Auftrag des Amtsgerichts Tiergarten die Göttinger Wohnung des Volkswirtschafts-Studenten. Sie beschlagnahmte diverse Munition, die er nicht hätte besitzen dürfen. Der selbst wanderte für zwei Wochen in Untersuchungshaft.

„Was macht man mit einer scharfen Kalaschnikow?“, will der Richter wissen. „Das war einfach ein Spleen“, sagt der Angeklagte. Die sollte „zum Spaß“ unter dem Bett liegen, „man weiß ja nie“.

Das wird sich auch die Schöffin gedacht haben, als sie den Angeklagten nach einer Viertelstunde Verhandlung schließlich erkennt und das vorsorglich allen mitteilt. Sie kennt ihn nämlich – aus der Sauna. Allein zufällige Bekanntschaft, so finden alle, sei kein Grund für die Befürchtung der Befangenheit.

Der Angeklagte kommt aus anderen Gründen mit Milde davon: Zum einen hat er schon im Ermittlungsverfahren gestanden und damit zur Aufklärung der Kalaschnikow-Umbau-Serie beigetragen. Zum anderen ist das Geständnis rückhaltlos. Er hat gar alle seine Jagdwaffen für einen Euro verkauft und seine Hobbys Jagen und Schießen ganz aufgegeben. Auf die Rückgabe des Sturmgewehrs verzichtet er auch. Der Jagdschein ist ohnehin weg. Er konzentriere sich nun ganz aufs Studium.

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