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Kamal Sido berichtet über das syrische Kurdengebiet

Tiefe Gräben und Wälle sichern die Grenzen Kamal Sido berichtet über das syrische Kurdengebiet

Kurdische Kämpfer haben den Islamischen Staat (IS) in die Defensive gedrängt. Das berichtet Kamal Sido (53), der Nahost-Referent der Göttinger Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). Gut zwei Wochen lang hielt er sich in Afrin, einem der drei kurdischen Kantone im Norden Syriens, auf.

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Kamal Sido (rechts) mit jesidischem Tankwart.

Quelle: EF

Göttingen. 600 000 Kurden leben in der Region Afrin, im gesamten Kurdengebiet sind es mehr als 1,5 Millionen Menschen. Hinzu kommen etwa 500 000 bis eine Million Flüchtlinge. „Die Sicherheitslage in Afrin ist gut, nicht zuletzt aufgrund strenger Kontrollen an den Grenzen“, sagt Sido, der aus der Stadt stammt. Die Grenzen des Kantons würden derzeit durch drei Meter tiefe Gräben und drei Meter hohe Wälle gesichert. Bagger seien pausenlos im Einsatz. Angriffe des IS, aber auch sogenannter gemäßigter Islamisten seien jederzeit möglich.

„Lebensmittel sind ausreichend vorhanden, aber teuer“, sagt Sido. Wasser gebe es nur zweimal in der Woche. Die Menschen füllten dann ihre großen Vorratstanks auf. Die öffentliche Stromversorgung sei zusammengebrochen. Diesel-Generatoren erzeugten bis Mitternacht Strom. Die Menschen fürchteten ein Öl-Embargo der Islamisten. Die Nutzung von Wasser-, Wind- oder Sonnenenergie verlange hohe Investitionen, die die Kurden aus eigener Kraft nicht tätigen könnten.

„Die Wirtschaftslage ließe sich durch die Öffnung eines direkten Grenzübergangs in die Türkei verbessern“, meint Sido. Die türkische Regierung unterhalte aber aus politischen Gründen nur Grenzübergänge in benachbarte arabische Gebiete. Das verteuere alle Warenimporte.

„Regiert werden die kurdischen Kantone von der PKK-nahen PYD“, sagt Sido. Andere kurdische Parteien seien über einen Nationalrat an der politischen Willensbildung beteiligt. Von demokratischen Verhältnissen könne aber nicht gesprochen werden. Die PYD gewähre in der sunnitisch geprägten Region „auf vorbildliche Weise“ Religionsfreiheit. Arabische Flüchtlinge würden fair behandelt.

Von Michael Caspar

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