Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Kanalbau am Uni-Klinikum Göttingen: Bohrkopf unter Grünem Weg

70 Tonnen fressen sich durch den Untergrund Kanalbau am Uni-Klinikum Göttingen: Bohrkopf unter Grünem Weg

Die technisch und logistisch anspruchsvollste Baustelle Göttingens, das Projekt neuer Regenwasserkanal für das Universitätsklinikum, macht große Fortschritte: Der 643 Meter lange Hauptkanal ist fast fertig, der Bohrkopf bereits unter dem Grünen Weg angelangt.

Voriger Artikel
Kinderkarneval der Szültenbürger Göttingen in der Weender Festhalle
Nächster Artikel
Dreifach-Konzert im Göttinger Keller-Club Nörgelbuff

Hier geht‘s noch 600 Meter weiter – bis zum Grünen Weg. Carsten Spiegel von ICOP prüft die Technik.

Quelle: CH

Göttingen. Dort stehen die Häuser von Bürgern, die vor Beginn der Bauarbeiten Bedenken wegen möglicher Gefährdungen ihrer Häuser aufgrund von Erschütterungen geäußert hatten. Beschwerden gebe es jedoch nicht, erklärt Detlef Benezé, Bauprojektleiter des Uni-Klinikums.

Das liegt an der Technik, die für den Kanalbau benutzt wird. In einer Tiefe von elf bis 15 Metern frisst sich eine 70 Tonnen und 1,5 Megawatt starke schwere Bohrmaschine ferngesteuert durch den Untergund. Der 38 Tonnen schwere Bohrkopf rotiert mit nur etwa fünf Umdrehungen pro Minute – zu langsam, um Vibrationen oder gar Erschütterungen an der Oberfläche zu verursachen, sagt Benezé. Zurzeit kommt der Bohrkopf zehn bis 40 Millimeter in der Minute voran. Die Bäckerei im Grünen Weg hat die knapp acht Meter lange Bohrmaschine am Donnerstag passiert.

Foto: Hinzmann

Zur Bildergalerie

Eine Reise in den Untergrund verdeutlicht, wie komplex die Baustelle und die darin eingesetzte Technik sind. Je weiter man in dem derzeit etwa 600 Meter langen Kanal mit einem Innendurchmesser von zwei Metern vorankommt, desto wärmer und feuchter wird es. Am Ende der mit Röhren und Leitungen gespickten Röhre zertrümmert die Bohrmaschine die Steine des Aushubs auf maximal 50 Millimeter Größe, damit sie mit der Erde und Bohrflüssigkeit zurück zur Einstiegsstelle am Klinikum gepumpt werden können. Der Vortrieb des Bohrers wird elektronisch gesteuert, damit der Verlauf des Kanals einschließlich Kurven millimetergenau eingehalten wird.

Dazu müssen die Dichtungen zwischen den einzelnen Rohrsegmenten nicht nur fest, sondern auch ein bisschen elastisch sein. Zusammengehalten werden die Elemente durch ein Muffensystem, erklärt Benezé. Mit dem unterirdischen Microtunneling falle nur knapp ein Zehntel der Aushubmasse an, die bei einem Ausschachten von oben bewegt werden muss, erläutert Ralph Küsters, Projektleiter der ausführenden italienischen Spezialfirma ICOP SPA. In der kommenden Woche steht ein Durchbruch an – zu der Grube am Grünen Weg. Dort wird dann die gesamte Bohrmaschine aus dem Untergrund gehoben.

Fakten und Zahlen

  • Kosten des Gesamtprojekts: gut 14 Millionen Euro.
  • Gesamtlänge des Regenwasserkanals: 1222 Meter in drei Abschnitten von 643 Meter (Innendurchmesser zwei Meter), 373 Meter (Innendurchmesser 1,6 Meter), 206 Meter (Innendurchmesser 1,4 Meter).
  • Tunnel: etwa 400 Tunnelsegmente, jedes davon drei Meter lang.
  • Gewicht pro Segment: sechs bis 15 Tonnen
  • Vortrieb: 13 Meter pro Tag, etwa 50 Zentimeter pro Stunde, pro Tag werden etwa vier Tunnelelemente neu eingelassen und automatisch vorangetrieben.
  • Abraum: im Mittel etwa 55 Kubikmeter pro Tag, entspricht etwa vier bis fünf Lkw-Ladungen. hein
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016