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Karussellfahrt auf dem alten Flakgeschütz

Ehemaligentreffen Karussellfahrt auf dem alten Flakgeschütz

60 Jahre ist es her, da wurden in der Groner Volksschule 70 Kinder eingeschult. Am Wochenende, 4. und 5. April, kamen 32 von ihnen aus allen Teilen Deutschlands für ein Treffen im Zentrum für ältere Menschen zusammen. Mit dabei war auch ihr früherer Schulrektor, Werner von Gierke (92).

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Haben sich viel zu erzählen: Ehemalige Groner Grundschüler trafen sich am Wochenende.

Quelle: SPF

Grone. „Eingeschult worden sind wir 1949 in einem mittlerweile abgerissenen Gebäude in der Kirchstraße Ecke Heinrich-Warnecke-Straße“, erzählt Hella Renneberg. Ab 1951 hätten sie in der Martin-Luther-Straße Unterricht gehabt. Das Gebäude dient mittlerweile als Bürgerhaus. 

Keine schönen Erinnerungen an jene Jahre hat Bernd Jäger. Er hätte sich mit der Sütterlin- und Frakturschrift schwer getan, berichtet er. Fehler seien damals noch mit dem Rohrstock geahndet worden. Nur einen Lichtblick hätte es damals gegeben: einen schulfreien Tag. „Da hatte unser Klassenlehrer Selbstmord begangen. Als Kinder konnten wir uns darüber freuen“, sagt Jäger.

Lebhaft erinnern sich die ehemaligen Schüler an die Sport- und Handarbeitslehrerin, die alle nur mit dem Spitznamen „Eule“ nannten. In hohen Ehren halten sie ihren Heimatkundelehrer August Kage, der ihnen die Geschichte des südlichen Niedersachsens nahe brachte. Das größte Lob aber bekommt Rektor von Gierke. Bei ihm brauchten die Kinder nicht stur auswendig zu lernen. Er vermittelte den Unterrichtsstoff praxisnah, damals ein neuer Ansatz. 

Filmstars drehen nebenan

Nach der Schule wurde gespielt. Im Tal zwischen Hetjershausen und Elliehausen stand ein altes Flak-Geschütz, das die Kinder als Karussell nutzten. Begeisterung löste die Eröffnung des Groner Freibads aus. Zuvor hatten die Kinder bis in den Brauweg laufen müssen. Aufregend war es, den Filmstars zuzusehen. Nach dem Krieg befanden sich auf dem ehemaligen Flughafengelände Filmstudios. Die Stars jener Zeit, darunter Heinz Ehrhardt und Maria Schell, kamen im Gästehaus in der Industriestraße unter. Heute nutzt das Technische Hilfswerk das Gebäude. Schells Filmpartner Otto Wilhelm Fischer lief einmal seine Katze weg. „Alle mussten suchen helfen“, erzählt Eberhard Tummescheit.

Er gehörte zu den Flüchtlingskindern. Sie machten 50 Prozent des Jahrgans 1949 aus. Tummescheits Familie stammt aus Ostpreußen, genauso wie die von Irnfried Rabe, dem späteren Northeimer Bürgermeister. Auch Rabe war am Wochenende wieder in Grone. „Wir Kinder hielten zusammen“, betont Jäger. Reibereien gab es dagegen zwischen den Eltern. Die Groner mussten Flüchtlinge in ihren Wohnungen aufnehmen. Da war Streit programmiert. Auch das ist keine schöne Erinnerung. 

                                                                                                                                         Von Michael Caspar

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