Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Katja Urbatsch stellt in Göttingen ihr Buch „Ausgebremst“ vor

Was Arbeiterkinder am Studium hindert Katja Urbatsch stellt in Göttingen ihr Buch „Ausgebremst“ vor

In Deutschland nehmen Akademikerkinder selbstverständlicher ein Studium auf als Nicht-Akademikerkinder. Das will Katja Urbatsch, Gründerin der Initiative Arbeiterkind.de, ändern. In der katholischen Hochschulgemeinde stellt sie ihr Buch „Ausgebremst. Warum das Recht auf Bildung nicht für alle gilt“ vor.

Voriger Artikel
Siedlungsentwicklungskonzept 2025 für Holtensen vorgestellt
Nächster Artikel
Neubauten der Uniklinik Göttingen: Baubeginn 2016

Katja Urbatsch

Quelle: EF

Göttingen. Laut der 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks nehmen von 100 Akademikerkindern 77 ein Studium auf, von 100 Nicht-Akademikerkindern lediglich 23. Selbst bei einer hervorragenden Abiturnote sei es für Nicht-Akademikerkinder nicht selbstverständlich, ein Studium aufzunehmen, so Urbatsch.

 
In ihrem Buch schildert die Autorin, selbst Akademikerin der ersten Generation, die Schwierigkeiten derjenigen, die sich als erste in ihrer Familie an ein Studium wagen: „Sie trauen es sich nicht zu, sie zweifeln, sie können es sich nicht vorstellen.“ Arbeiterkinder, so Urbatsch, könnten schließlich im Studium nicht auf die Expertise ihrer Eltern zurückgreifen, weder bei Hausarbeiten noch bei der Bewerbung um Stipendien. Dazu kämen die kritischen Fragen der nicht-akademischen Verwandtschaft: Kann man damit Geld verdienen? Wie lange dauert das denn noch? Fährt man hinterher nicht sowieso nur Taxi? Zugleich werde die Studienfinanzierung für Arbeiterkinder bisweilen zu einem regelrechten Kampf, Absturzängste inklusive. Akademikerkinder könnten dagegen auf die emotionale und finanzielle Unterstützung ihrer Eltern zählen.

 
Schon in der Grundschule erhielten Akademikerkinder leichter eine Gymnasialempfehlung, so Urbatsch. Die Probleme, vor denen junge Menschen aus Nichtakademiker-Familien in ihrer Bildungsbiographie stehen, schildert die Autorin in ihrem Buch an einigen Beispielen. Und die diejenigen, die es dann doch auf die Uni schaffen, machen möglicherweise die gleiche Erfahrung wie Urbatsch: sich von der Familie entfremdet und der akademischen Welt nicht wirklich zugehörig zu fühlen – ein Spagat zwischen den Welten.

 
Um etwas gegen die Hürden zu unternehmen, vor denen Nicht-Akademikerkinder stehen, hat Urbatsch die Initiative Arbeiterkind.de gegründet, mit der sie viel Aufmerksamkeit erregt hat. Die Initiative unterstützt Schülerinnen und Schüler, die als erste aus ihrer Familie studieren wollen, durch Informationen, Veranstaltungen und nach eigenen Angaben bundesweit rund 6000 Mentoren. Auch in Göttingen existiert eine Lokalgruppe, die unter anderem regelmäßig einen Stammtisch und eine Sprechstunde anbietet.
 
Die Lesung beginnt am Donnerstag, 21. Mai, um 20.15 Uhr in der katholischen Hochschulgemeinde, Kurze Straße 13. Katja Urbatsch: Ausgebremst. Heyne Verlag, 223 Seiten, 11,99 Euro.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016