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Keine Einigung bei Mündener Windrad-Diskussion

Radio-Debatte um Reinhardswald Keine Einigung bei Mündener Windrad-Diskussion

Mit Buh-Rufen und höhnischem Gelächter haben Bürger ihren Unmut über den geplanten Windpark im Reinhardswald zum Ausdruck gebracht. Der Radiosender NDR 1 Niedersachsen zeichnete am Dienstagabend im Rittersaal des Welfenschlosses Hann. Münden eine „Jetzt reicht's“-Sendung mit Moderator Hans-Jürgen Otte auf.

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Gegner der Windräder im Reinhardswald sehen unter anderem die Beliebtheit der Tillyschanze als Ausflugsziel gefährdet.

Quelle: Archiv

Hann. Münden. Flächen für bis zu 30 Windräder will die Regionalversammlung Nordhessen im Reinhardswald ausweisen. Bis an die Tillyschanze oberhalb der Innenstadt rücken die Kraftwerke an die Drei-Flüsse-Stadt heran. Vor einer „massiven Veränderung des Landschaftsbilds“ warnte Mündens Bürgermeister Harald Wegener (BFMÜ). Der Stadt drohe ein Einbruch beim Tourismus.

 

„Sie werden die Windräder wegen der dichten Bebauung nicht sehen“, hielt Thomas Ackermann (Grüne) von der Regionalversammlung dagegen. Das ließ die Empörung bei den Gegnern, die unter den 90 Teilnehmern die Mehrheit stellten, hochkochen. „Wenn ich mich hinter einen dicken Baum stelle, sehe ich die Anlagen auch nicht“, meinte Wegener sarkastisch.

 

Vor einer Zerstörung des Naturraums warnte Gabriele Niehaus-Uebel, die Sprecherin des „Kantigen Tischs“, eines Zusammenschlusses von 14 Bürgerinitiativen. Der Windpark gefährde seltene Vogelarten wie Schwarzstorch oder Roter Milan. „Der Reinhardswald ist jahrhundertelang industriell genutzt worden“, erwiderte Ackermann. Auch das Argument, wonach für die Anfahrt der großen Anlagen-Bauteile breite Schneisen in den Wald geschlagen werden müssen, ließ er nicht gelten. In einem forstwirtschaftlich genutzten Wald sei das Fällen von Bäumen normal. Der Grüne: „Das wächst nach.“

 

Ackermann machte auf die „guten Windverhältnisse“ in Mittelgebirgen wie dem Reinhardswald aufmerksam. Wer die Energiewende wolle, müsse diese Potenziale nutzen. Niehaus-Uebel bezweifelte den Beitrag der Windenergie. Der Strom, der nicht gespeichert werden könne, falle oft zu Zeiten an, wenn er nicht gebraucht werde. Sinnvoller sei das Streichen von Ausnahmeregelungen für Unternehmen, die viel Kohlendioxid produzierten.

 

„Die Windräder lassen sich nicht verhindern“, erklärte Jörg-Otto Quentin (parteilos), Bürgermeister der Gemeinde Wahlsburg. Im Namen der betroffenen hessischen Kommunen machte er sich für eine Genossenschaft stark, die auf allen ausgewiesenen Flächen im Reinhardswald selbst Windräder errichtet. So könnten die Betroffenen den Prozess gestalten. Die Gegner im Publikum überzeugte das nicht. Sie warfen den beteiligten Kommunen vor, sich bereichern zu wollen.

 

Von Michael Caspar

Eine Aufzeichnung der Debatte ist am kommenden Donnerstag, 11. Juni, ab 19.05 Uhr bei NDR1 Niedersachsen zu hören.

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