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Kiessee Göttingen: Radfahrverbot und Eintritt

Bürger sollen bezahlen Kiessee Göttingen: Radfahrverbot und Eintritt

Die Stadt will den Kiessee als attraktives Naherholungsgebiet weiter aufwerten: Fahrverbot für Radfahrer, kleine Grillhütten mit Ufersteg, ein neuer Spielplatz mit Wasserspeiern, Lichtzauber am Abend und eine Hängebrücke zur Vogelinsel.

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Zugang nur mit bezahlter Karte: Am Sandweg-Zugang hat die Stadt bereits verschiedene Drehkreuz-Modelle getestet.

Quelle: CH/Pohl

Göttingen. Das sind nur fünf von vielen Ideen einer Arbeitsgruppe mit Ratspolitikern und Stadtplanern. Und es soll sauberer werden, vor allem durch deutlich mehr Kontrollen nach sommerlichen Grillabenden.

Die Kosten: etwa 500 000 Euro in der Startphase und 80 000 Euro jährlich für regelmäßige Pflege. Finanziert wird der neue „Kiessee-Park“ durch zusätzliche Einnahmen: Wer die Anlage nutzen will, soll ab Mai Eintritt zahlen. Über die Preise entscheidet der Bauausschuss des Rates am Donnerstag.

Die Pläne sind weit gereift: Bis Ende April wird ein etwa 8,5 Kilometer langer Zaun um das Gelände gezogen – mit vier Eingängen: an der Flüthefurt über den Sandweg, am Weg zum Flüthewehr, am Weg nach Rosdorf und am Ende der Sackgasse hinter den Bootshäusern.

Nur das Nordufer und die Vereinshäuser bleiben frei zugänglich. An den Zugängen sind Drehtüren und Kassenautomaten vorgesehen, ähnlich wie in den städtischen Freibädern.

Ähnliches Modell in Otterndorf

Die geplanten Grillhütten sollen nach Skizzen der Verwaltung in einem „lärmsicheren“ Abstand von 65 Metern am Ostufer stehen.

Der neue Spielplatz mit Matschanlage, Wasserfall und verschiedenen Pumpen wird unmittelbar am neuen Wasserlauf mit Kiesstränden im Süden des Sees angelegt. Radfahrer aus Rosdorf sollen künftig auf dem Weg nach Göttingen den Rosdorfer Weg nutzen. Dort wird schon jetzt ein breiterer Fahrstreifen für sie ausgebaut.

In ihrem Konzept verweist die Arbeitsgruppe auf ein ähnliches Modell in Otterndorf bei Cuxhaven. Dort müssten Besucher der Freizeitseen an der Elbe zwar keinen Eintritt zahlen, aber Kurtaxe. Dies sei in Göttingen ohne ausgewiesenen Heilbadstatus nicht möglich.

„Wir werten die beliebte Naherholungsanlage noch deutlich auf  und machen sie auch über die Region hinaus attraktiv“, kommentiert Stadtbaurat Thomas Dienberg die Pläne auf Nachfrage. Das sei auch eine aktive Tourismus- und Wirtschaftsförderung.

Immer wieder Beschwerden gegen rasende Radfahrer

Aber schon das Müllproblem allein rechtfertige eine Nutzungsgebühr. Aufräumaktionen nach sommerlichen Grillpartys oder Sport- und Kulturveranstaltungen sowie die regelmäßige Pflege der Grünanlagen kosteten die Stadt jährlich rund 60 000 Euro.

„Naherholung mit Freizeitangeboten in intakter Natur gibt es nicht zum Nulltarif“, ergänzt Ratsherr und Arbeitskreis-Mitglied Ulrich Holefleisch in einer Presseerklärung der Grünen.

Zugleich räumt er gegenüber dem Tageblatt ein, dass es immer wieder Beschwerden gegen rasende Radfahrer auf den schmalen Kiessee-Wegen gebe. Ein Verbot für Radfahrer werde dieses Problem nachhaltig lösen.  „Der kleine Umweg über den Rosdorfer Weg ist jedem zuzumuten“, fügt er gegenüber dem Tageblatt an.

Scharfe Kritik hingegen kommt von Patrick Humke – vor allem gegen die Finanzierung durch Eintrittsgeld: „Öffentlicher Raum und städtische Parks müssen für jeden Bürger frei zugänglich bleiben“, fordert der Ratsabgeordnete in einem Facebook-Eintrag und ruft zu Protesten im Bauausschuss auf.

Kostenfrei bleibt die Nutzung des Sees

Neben Einzelkarten für voraussichtlich 1,80 Euro (Erwachsene) und ein Euro (Kinder) an den Eingangsautomaten soll es Jahreskarten für Kiessee-Besucher geben.

Eingetragene Mitglieder des Sport-Angelclubs Göttingen und der Bootssparte im Göttinger Modellbau-Club können eine freie Nutzung beantragen. Kostenfrei bleibt auch die Nutzung des Sees selbst – also für Mieter der Tretboote am Nordwest-Ufer und für die Mitglieder der Wassersport-Vereine am Sandweg.

„Wenn das gesichert ist, haben wir kein Problem damit“, sagt Gerd Bode, Sprecher der Wassersportvereinigung Waspo 08. Der Verein habe das Konzept schon im Arbeitskreis mitgetragen.

Seine Hoffnung: Mit den Einnahmen könne der Kiessee langfristig im Sommer auch noch regelmäßig professionell von wiederholt auftretenden Algen und anderen Pflanzen befreit werden. „Und vielleicht gibt’s dann auch endlich Toilettenanlagen am See“, fügt Bode an. Die jetzige Situation sei unhaltbar.

Der Bauausschuss tagt am Donnerstag, 3. April, ab 16.15 Uhr in Raum 118 im Neuen Rathaus.
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