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Kinder im Keller: Streit bedroht Ganztagsschule

Mensa soll in Untergeschoss Kinder im Keller: Streit bedroht Ganztagsschule

Die Heinrich-Grupe-Schule (HGS) soll eine offene Ganztagsschule werden – darin sind sich alle einig. Jetzt aber bedroht ein Streit über zusätzliche Räume und die Unterbringung der Mensa das gesamte Projekt.

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Kurze Entfernung: Zur Bank (im Hintergrund) sind es von der Schule aus nur ein paar Meter.

Quelle: Hinzmann

Die Fronten zwischen Schulleitung und Elternvertretern auf der einen sowie der Politik auf der anderen Seite sind verhärtet.
Stein des Anstoßes ist das Vorhaben der Ratsparteien, die für die Ganztagsschule benötigte Mensa im Keller der Raiffeisenbank direkt neben der HGS unterzubringen. Diesen Wunsch bekräftigten sie zuletzt in der Ratssitzung am vergangenen Montag einstimmig. Möglich wäre dies, weil in der Bank wegen eines Fusionsvorhabens Räume frei werden. Pläne für einen rund 250 000 Euro teuren Anbau an die Schule, der ursprünglich geplant war, sind damit vom Tisch.

Schule und Eltern hätten zwar grundsätzlich nichts gegen eine Mensa im Keller der Bank einzuwenden, sagte HGS-Leiterin Lilo Ziegler-Mehrtens gestern gegenüber dem Tageblatt. Es bestehe aber die Befürchtung, dass nach Vorstellung der Politiker auch Teile des Ganztagsangebots im Untergeschoss des Geldinstituts untergebracht werden sollen. Wenn dieser Fall eintrete, „können wir den Antrag nicht aufrecht erhalten“. Der Keller sei „stickig und feucht“ und daher nicht für einen längeren Aufenthalt der Kinder geeignet, so die Schulleiterin. Man benötige also zusätzliche Räume, zum Beispiel in den beiden Obergeschossen der Bank.

Über diese ebenfalls frei werdenden Obergeschosse hatte auch der Rat diskutiert. Die Parteien überlegen, dort ein Familienzentrum unterzubringen, wie es die CDU vorschlug. Das wäre jedoch mit weiteren Kosten (Miete) verbunden, deren Finanzierung nicht gesichert ist. Daher beauftragte der Rat einstimmig die Verwaltung, folgende Dinge zu prüfen: Unter welchen Konditionen neben dem Keller auch die beiden anderen Geschosse angemietet werden können; ob die Räume die rechtlichen und sachlichen Voraussetzungen für die genannten Nutzungsmöglichkeiten erfüllen und was man gegebenenfalls investieren müsste; ob es potenzielle Sponsoren für das Familienzentrum gibt; ob es alternativ Raumkapazitäten zum Beispiel in der Gemeindeverwaltung gibt.

Die Idee eines Familienzentrums bewertet Ziegler-Mehrtens positiv, wenn die Schule die Räume mitbenutzen dürfte. Das sei natürlich möglich, sagte SPD-Fraktionschef Jörg Kunkel. Allerdings müsse erst geprüft werden, ob ein Zentrum finanzierbar sei. Daher könne er „nichts versprechen“. Klar sei indes, dass die Schule den Kellerraum nicht nur für die Mensa, sondern auch für weitere Angebote nutzen könne, wenn dies rechtlich möglich sei. Er finde das Untergeschoss grundsätzlich „attraktiv“. Jörg Winter, Fraktionsvorsitzender der CDU, erinnerte daran, dass es bisher lediglich einen Prüfauftrag gebe. Alles weitere werde man entscheiden, „wenn die Fakten auf dem Tisch liegen“.

Wenn die Ganztagsschule zum kommenden Schuljahr eingerichtet werden soll, wovon alle Fraktionen ausgehen, muss sich die Verwaltung indes sputen. Denn bis spätestens zum 1. Dezember muss es eine Entscheidung geben, um den Zeitplan einzuhalten.

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Kommentar

Dass Rektorin Lilo Ziegler-Mehrtens nur das Beste für ihre Schule will, ist verständlich. Und dass Eltern beim Wort Keller, in dem ihre Kinder einen kleinen Teil des Schultages verbringen sollen, aufschreien, ebenso.

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