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Kindergarten-Einbrecher in Göttingen zu Haftstrafen verurteilt

Online-Wache des LKA hilft Kindergarten-Einbrecher in Göttingen zu Haftstrafen verurteilt

Das Modellauto, geklaut in einem Balkangrill, hat die Diebe verraten: Die anonyme Meldung in der Online-Wache des Landeskriminalamtes führte zur Aufklärung einer großen Einbruchserie in Kindergärten Südniedersachsens. Am Dienstag wurden die Täter dafür in Göttingen zu Haftstrafen verurteilt.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Alles fing mit einer kleinen Serie an: Fünf Einbrüche auf nur 100 Meter Verlauf der Hannoverschen Straße in Göttingen. Die Polizei ermittelte, hatte die beiden 25 und 29 Jahre alten Göttinger auch schon im Visier. Da ging beim LKA die anonyme Mail ein: „Sven S. (Name geändert) fährt mit seinem Komplizen jeden Abend….“ Und dann der Hinweis auf ein im Balkangrill geklautes Modellauto und ein TV-Gerät, das in einem Weender Sporthaus gestohlen wurde. Beides stehe in S.s Wohnung.

 
Es folgte ein Durchsuchungsbeschluss für die Wohnungen beider. Außerdem wurde ausgewertet, in welchen Funkzellen sich ihre Handys zu den Tatzeiten verschiedener Kindergarten-Einbrüche aufgehalten hatten. Mehrfach genau dort, wo in jener Nacht gerade ein Kindergarten ausgeräumt wurde. Denn die Diebstahlserie weitete sich immer mehr zu einer Serie von Kita-Einbrüchen aus. 80 Taten von Nordhessen bis Bad Harzburg wurden untersucht. In vielen Fällen waren Fenster und Türen mit immer demselben blauen Kuhfuß aufgehebelt worden. Blaue Spuren sowie mehrfach identische Schuhabdrücke blieben an den Tatorten zurück.

 
In Alfeld gerieten die Verdächtigen sogar in eine Polizeikontrolle, bei der eben dieser Kuhfuß gefunden wurde. Die Hausdurchsuchungen erbrachten zudem Laptops und eine Digitalkamera, auf dem Fotoapparat noch Fotos vom Kindergarten-Ausflug in den Zoo.

 
Die beiden Göttinger wurden angeklagt. Trotzdem ließen sie sich dazu hinreißen, nach Zustellung der Anklage erneut loszuziehen und in die Kita Scheden einzubrechen. Weil es mächtig krachte, als die Glasscheibe barst, flohen sie in diesem Fall ohne Beute. Danach wanderten beide in Untersuchungshaft.

 
Längst nicht alle Taten wurden angeklagt. Dienstag wurden beide wegen zehn Einbrüchen, davon vier im Versuch steckengeblieben, zu Haftstrafen verurteilt. Beide gaben alle angeklagten Taten zu, wollten sich aber nicht einmal an Einzelheiten erinnern. Demnach sind sie zwischen Februar und Dezember 2014 in Kitas in Bovenden, Northeim, Hann. Münden, Einbeck, Duderstadt, Bad Harzburg, in eine Grundschule in Bovenden und ein Lokal in Göttingen eingebrochen. Sie stahlen Kameras, Beamer, Laptops und Kleingeld und richteten einen Schaden von mehr als 10 000 Euro an.

 
Wegen der Geständnisse fielen die Strafen milde aus. Der Ältere muss zwei Jahre, drei Monate in Haft. Er ist Bewährungsversager und einschlägig vorbestraft. Die 19 Monate des Komplizen werden gegen 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit zur Bewährung ausgesetzt, falls er eine Lehre anfängt, nur 100 Stunden. Ein Rätsel blieb dem Gericht, wie man mit so viel krimineller Energie bei so wenig Beute Kinder und Erzieher so erschrecken kann. Mutmaßung des Verteidigers: Weil Kitas so schlecht gesichert sind.

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