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Kinderporno in Psychiatrie: erste Haftstrafe für Sexualstraftäter

Amtsgericht Northeim Kinderporno in Psychiatrie: erste Haftstrafe für Sexualstraftäter

Das Amtsgericht Northeim hat einen psychisch kranken Sexualstraftäter zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, weil er fast 1000 Bilddateien mit Kinder- und Jugendpornografie besessen und konsumiert hat - im Maßregelvollzug.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Moringen/Northeim. Der 47-Jährige und mindestens vier andere Psychiatriepatienten des Landeskrankenhauses Moringen hatten hinter Anstaltsmauern Zugriff auf Abbildungen mit schwersten Verbrechen an Kindern.

Der Fall hatte im September vergangenen Jahres auch für politischen Wirbel gesorgt. Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) war nach einem Bericht des Tageblattes vorgeworfen worden, schon vorher um die Kinderpornografie-Fälle gewusst, aber geschwiegen zu haben. Tatsächlich hatte die Leitung des Landeskrankenhauses das Problem bei einem Besuch der Ministerin theoretisch angeschnitten, die konkreten Fälle aber nicht benannt.

Danach hatte das Maßregelvollzugszentrum im November 2014 einen eigenen IT-Spezialisten zur Überwachung der Patienten-Computer erhalten. Die Zahl der IT-Stellen für Moringen war verdoppelt worden. Das hatte im Frühjahr dieses Jahres auch Erfolg: Ein weiterer Patient war bei einer Durchsuchung mit hunderten verbotener Kinderporno-Dateien auf dem Rechner erwischt worden. Derzeit läuft noch die Auswertung des neuen Fundes. Der Computer wurde beschlagnahmt.

Von den vier Verdachtsfällen aus dem Vorjahr ist nach Auskunft der Klinik und der Staatsanwaltschaft Hannover einer eingestellt worden. Dieser Patient habe nur ganz wenige Dateien besessen. Ein anderer Patient wurde vor einem Monat zu einer Geldstrafe verurteilt. Gegen jenen Mann, der die Dateien aus dem Internet beschafft und hinter den Anstaltsmauern an seine Freunde weitergegeben haben soll, ist das Verfahren noch anhängig. Der Patient lebt inzwischen in  einer Klinik in Hildesheim. Im aktuellen Fall gestand der 47-Jährige, 803 Kinder- und 189 Jugendporno-Dateien besessen zu haben.

Sie seien auf einem Datenstick gewesen, den ihm der Mitpatient A. gegeben habe, „um ihn vor der Durchsuchung seiner Zelle zu verstecken“. Er habe sich die Bilder auch angeschaut und der Versuchung nicht widerstanden, sie auf seinen Rechner zu laden. Damit nimmt er die anfängliche Behauptung, er wisse nicht, wie sie auf seinen Rechner gekommen seien, zurück. Die Dateien überhaupt für den Mitpatienten aufzubewahren, bezeichnete Verteidiger Dietrich Homann als „falsch verstandene Freundschaftsgeste“.

Der 47-Jährige  ist wegen eines schweren Vergewaltigungsdelikts mit Raub und Körperverletzung vom Landgericht Osnabrück zu neun Jahren Haft verurteilt und untergebracht. Wegen der Kinderpornos, sagt er, habe er alle Vollzugslockerungen verloren, sei freiwillig ins Feste Haus nach Göttingen gezogen und habe seine Therapie neu beginnen müssen. Seine letzte Anhörung habe ergeben, „dass ich das nicht verdränge, sondern ernst nehme“.

Richter Arno Cardinal bezeichnete den Besitz von Kinderpornos als „zutiefst verabscheuungswürdig“, denn „man zerstört Existenzen“ wenn man sich verschafft, wofür schwerste Verbrechen an Kindern begangen werden müssen. Der Angeklagte sei nicht einmal pädophil, sondern habe „offensichtlich eine in jeder Hinsicht gestörte Sexualität“.

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