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Anklage will Haft, Verteidigung Freispruch

Kindstod-Prozess Anklage will Haft, Verteidigung Freispruch

Im Indizienprozess gegen eine 74-jährige Frau aus Göttingen, die vor 42 Jahren ihren acht Jahre alten Sohn umgebracht haben soll, hat die Anklage zehn Jahre Haft wegen heimtückischen Mordes gefordert. Die Verteidigung hingegen verlangte Freispruch.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Neuruppin/Göttingen. „Im Prozess konnte meiner Mandantin kein Motiv und kein plausibler Tathergang nachgewiesen werden“, sagte Rechtsanwalt Uwe Furmanek am Dienstag vor dem Landgericht Neuruppin. Staatsanwältin Anette Bargenda sprach in ihrem Plädoyer hingegen von einem „fast perfekten Verbrechen“ der Mutter. „Die Angeklagte wollte, dass alles wie ein Unfall aussieht. Knapp 40 Jahre hat dies auch funktioniert“, sagte sie. Der Prozessverlauf habe dies widerlegen können. „Alles spricht für ein absolut geplantes Vorgehen“, stellte Bargenda fest.

Die heute in Göttingen lebende Frau habe ihrer Ansicht nach 1974 ihren schlafenden Sohn nachts in die Küche getragen und dann am Gasherd abgelegt. Er soll Kohlenmonoxid eingeatmet haben. Anschließend habe sie ihn zum Sterben in sein Bett gelegt. „Alles völlig aus der Luft gegriffen“, wies Furmanek den Vorwurf zurück.

Bislang hat die Mutter die Tat stets abgestritten. Ein Rechtsmediziner hatte einen Unfall als Todesursache ausgeschlossen. Zu DDR-Zeiten wurde das Todesermittlungsverfahren aus nicht bekannten Gründen eingestellt. Aufgrund einer anonymen Anzeige kam es zu einem neuen Verfahren.

Die Verhandlung vor dem Landgericht Neuruppin zog sich über ein halbes Jahr hin. Als größte Schwierigkeit für die Richter erwies sich der Umstand, dass sich nach vier Jahrzehnten kaum noch lebende Zeugen fanden. Problematisch war auch, dass Todesermittlungsakten aus dem Jahr 1974 nicht mehr auffindbar waren, obwohl eine Oberstaatsanwältin im Zeugenstand erklärte, dass sie diese vor nicht allzu kurzer Zeit in Händen hatte. Das Urteil wird für den 13. Oktober erwartet. dpa

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