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Kino im Kopf: Welttag des Buches

Thema des Tages Kino im Kopf: Welttag des Buches

Der Unesco-Welttag des Buches und des Urheberrechts wird seit 1996 weltweit am 23. April gefeiert. Rund um dieses Datum soll er auf die Bedeutung des Lesens, der Bücher und die Kultur des geschriebenen Worts aufmerksam machen.

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Versunken in die Lektüre: Schüler im Hainberg-Gymnasium.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Zettel, Ordner, Stifte und Kaffeebecher – was hier auf dem Tisch im Büro des Schuldirektors liegt, weist auf eine ganz normale Konferenz hin. Wären da nicht die Luftballons, die jemand an die Kaffeekanne gebunden hat. „Welttag des Buches“ steht darauf.

Am Hainberg-Gymnasium tagt die Schulleitung und bespricht das aktuelle Schulgeschehen. Doch im Moment spricht niemand. Seit fast einer halben Stunde schweigen die sieben Pädagogen. Sie lesen. Nicht die neusten Entscheidungen aus dem Kultusministerium, keine Verordnungen, Dekrete oder geänderte Verfügungen, sondern Texte, die Spaß machen, spannende Sachbücher, Romane oder eine Autobiografie wie „Wir waren doch Freiwild“ von Bernhard Süskind, die Schulleiter Georg Bartelt heute mitgebracht hat.

„Die ganze Schule liest“ heißt der Aktionstag, den die Schule aus Anlass des Unesco Welttages des Buches veranstaltet. Vom Schüler bis zum Lehrer, vom Schulleiter bis zum Hausmeister unterbricht die ganze Schule für eine halbe Stunde das Tagesgeschehen, um zu lesen.

„Ich lese grundsätzlich viel“, erzählt Schülerin Maren Andresen. Mit „Kein Land für alte Männer“ und „American Psycho“ stand zuletzt eher Blutiges auf dem Leseplan. „Romanik finde ich langweilig“, sagt die Schülerin, die zum Aktionstag Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ mitgebracht hat. „Ich habe das Buch gewählt, weil wir es gerade in Deutsch lesen.“ Keine Schullektüre hat sich dagegen Jona Kienapfel ausgesucht. Der Elftklässler liest „Das Silmarillion“ von J. R. R. Tolkien. „Viele sagen ja, dass sie den ausschweifenden Erzählton nicht gut finden. Ich mag das aber ganz gerne“, erzählt Kienapfel. Auch er lese gerne. Am liebsten Fantasy. „Bei Büchern kann ich mir die Welt gut vorstellen. Bei Filmen fällt mir das schwerer.“

„In der Pause waren viele Schüler hier, die sich noch ganz schnell ein Buch ausleihen mussten. Aber das ist ja auch Sinn der Sache. Das sie öfter kommen“, sagt Karin Steinfeld-Bartelt, die in der Bibliothek der Schule arbeitet. Die Literaturpädagogin erzählt vom Arbeitskreis Leseförderung, der den Aktionstag organisiert hat.

Mit dem Arbeitskreis geht das Gymnasium die Leseförderung aktiv an. Ziel dabei ist es, die Lust auf das Lesen zu wecken. Aber es gibt auch einen anderen Grund für die Maßnahme. „Man denkt ja immer, wenn die Kinder aus der Grundschule kommen, dann können sie lesen. Aber wir haben festgestellt, dass das oft nicht stimmt“, so Steinfeld-Bartelt. Viele Kinder hätten Schwierigkeiten flüssig zu lesen, oder bereifen die Bedeutung von Texten nur schwer. Mangelnde Übung könne ein Grund sein. Gerade wenn im Elternhaus weniger gelesen werde, meint die Pädagogin.

„Mit der Lesekompetenz hängt auch die Lesemotivation zusammen“, sagt Friederike Worthmann. „Mühevolles Lesen heißt ja, es entsteht kein Kino im Kopf“, meint die Leiterin der Fachgruppe Deutsch.

Doch nicht richtig lesen können bringt auch viele andere Nachteile. Komplizierte Texte zu verstehen oder die Aufgabenstellung richtig erfassen zu können sind Kompetenzen, die in allen Fächern wichtig sind. „Auch in Mathe muss man richtig lesen“, meint Schulleiter Bartelt. Leseförderung sei deswegen eine grundsätzliche Maßnahme für den schulischen Bildungserfolg und letztlich auch wichtig für die berufliche Laufbahn nach der Schule, so Worthmann.

Von Daniela Lottmann

„Ein Stück Welt in uns aufnehmen“

Von Christiane Böhm

Bonn/Göttingen. Mit dem diesjährigen Welttag des Buches am 23. April wirbt die Deutsche Unesco-Kommission zum 20. Mal vor allem um junge Leser. Zur bundesweiten Aktion der Kulturorganisation der Vereinten Nationen gehört die Gutschein-Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“. Mehr als 850 000 Kinder der Klassenstufen 4 und 5 werden in den Buchhandlungen erwartet, um ihren Geschenkgutschein für das Buch „Die Krokodilbande auf geheimer Mission“ von Dirk Ahner einzulösen.

Der Welttag des Buches solle daran erinnern, wie wichtig auch in Zeiten des Internets das Buch ist, erklärte Roland Bernecker von der Deutschen Unesco-Kommission. „Mit dem Lesen oder Hören eines Buches trainieren wir unsere kulturelle Fähigkeit, aufmerksam und ausdauernd ein Stück Welt in uns aufzunehmen.“ Diese Fähigkeit sei ein unschätzbares Gut für die persönliche und gesellschaftliche Entwicklung, betonte Bernecker.

Den Welttag des Buches koordinieren der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Stiftung Lesen. Die Idee des Welttages geht auf eine alte Tradition in Katalonien zurück, wo seit den zwanziger Jahren am 23. April, dem Sankt Jordi-Tag, auf den Straßen Buchstände aufgebaut werden und rund um das Buch ein großes Volksfest stattfindet. An diesem Tag werden dort Millionen von Rosen und Büchern verkauft.

Seit 1996 wird der Welttag des Buches auch in Deutschland begangen. Viele Buchhandlungen haben an diesem Tag und den folgenden Wochen Aktionen. In Hann. Münden etwa lädt Hella Winnemuth Schulklassen in ihre Buchhandlung ein. „Es gibt Schüler, die fühlen sich hier wie  Zuhause“, berichtet sie. „Andere waren noch nie in einem Buchladen und verlieren durch so einen Besuch ihre Schwellenangst. Und das wollen wir ja!“ Viele Buchhändler weisen auf die Aktion Herzbuch des Börsenvereins (siehe Kasten) hin. Oder haben wie die Buchhandlung Vaternahm aus Göttingen eine Liste mit Buchempfehlungen zum Welttag des Buches auf ihren Internetseiten.

 
Lieblingsbücher von Prominenten und anderen Menschen

Mein Herzbuch ist eine Aktion des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zum Welttag des Buches. Unter vorsichtbuch.de/herzbuch finden sich jede Menge Selfies von mehr oder weniger oder gar nicht Prominenten, die mit einigen Worten ihr Lieblingsbuch vorstellen. Darunter zum Beispiel die deutsche Rockband Silbermond. Ihr Lieblingsbuch ist „Amerika“ von Franz Kafka, ein mit Wundern gespickter Roman. „Dieses Buch ist, im Gegensatz zu seinen anderen Werken, außerordentlich hell und hoffnungsgebend. Für uns das richtige Buch, um die Welt und jede Faser des Geistes von Franz Kafka erstmals kennenzulernen.“

Ebenfalls dabei die Band Die Happy mit „Supergute Tage oder die sonderbare Welt des Christopher Boone“ von Mark Haddon. „Wir finden dieses Buch sehr menschlich. Das Lesen des Buches hat uns amüsiert und auch zu Tränen gerührt. Die Geschichte handelt von einem Jungen, der an einer leichten Form des Autismus leidet. Jetzt, wo Marta selbst Mutter ist, ging ihr die Geschichte noch mehr unter die Haut, weil sie sich das jetzt alles viel besser vorstellen kann.“ Noch bis zum 31. Mai kann hier jeder sein Selfie und sein Herzbuch einstellen. chb

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