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Kirchenvorstand Stendal mit Pornofilm geschockt

Musiker-Karriere ruiniert Kirchenvorstand Stendal mit Pornofilm geschockt

Pornografie ist Privatsache, Onanie erst recht. Dennoch kann sie auch Kunst sein. Und sie kann Gerichte beschäftigen. Ein Kirchenmusiker klagt aktuell auf Schadensersatz, weil er irrtümlich einen Film aufgeführt hat, der Musikalisches dokumentieren sollte, dann aber Masturbation zeigte.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen/Stendal. Es sollte um Erbauliches gehen: Ein eigens von der Kirchengemeinde in Auftrag gegebenes neues Musikstück, komponiert von einem Kirchenmusiker aus der Altmark. Der Kirchenvorstand war vollständig versammelt, um der Musik zu lauschen.

Eine Blockflöte in der Hauptrolle

Nebenbei sollte das "Making-of" laufen, ein Film, der zeigt, wie das neue Musikstück in einer Art Tonstudio in Südniedersachsen für das spezielle Musikinstrument digitalisiert wird. Ein Helfer des Komponisten klickte die erste Computerdatei an. Es flimmerte über den Großbildschirm - ein Porno.

Keine Massenware. Das Video zeigte Masturbationsszenen mit dem Inhaber des Tonstudios und einer Blockflöte in den Hauptrollen. Aufgenommen in jenen Räumen im Landkreis Göttingen, in denen der Komponist jüngst sein Werk hatte digitalisieren lassen. 

Mit der Komponisten-Karriere war es schlagartig vorbei. Die Kirchengemeinde nahm das derart diskreditierte Musikwerk nicht ab. Der Fall sprach sich herum unter den Kunden des Komponisten. Aktuell wird er seine Werke nicht los. Auch deshalb hat er vor einem südniedersächsischen Amtsgericht geklagt.

Ein folgenschwerer Irrtum

Jetzt war Verhandlung. Er will zum einen, dass die bei der Digitalisierung seines Werkes entstandenen Fehler nachgebessert werden, will aber außerdem für den ihm entstandenen Schaden finanziellen Ersatz. 

Passiert war das Malheur, weil der Studioinhaber seine Privatkamera zur Verfügung gestellt hatte, um die Aufnahme der Komposition und deren Übertragung ins Digitale zu filmen. Am Ende gab er dem Komponisten den Speicherchip mit und soll, so der Kläger, noch gesagt haben, nichts anderes sei darauf. Ein Irrtum. Es waren außer dem Making-of auch private Masturbationsszenen zu sehen sowie zahlreiche Schnappschüsse aus dem Musikunterricht.

Im Amtsgericht können sich Kläger und Anwältin des Studioinhabers zwar einigen, dass die Musik nachgebessert wird. Vorausgesetzt, dass der Kläger den Speicherchip herausrückt. Den aber hat längst die Staatsanwaltschaft. Die wiederum hatte angekündigt, die Speicherkarte dem Eigentümer zurückzuschicken, was aber nicht geschehen ist.

Keine Einsicht

Gar keine Einigung gibt es über Schadensersatz. Die Rechtsanwältin ist gar der Meinung: "In erster Linie ist mein Mandant geschädigt." Der hatte gar seinerseits Strafanzeige erstattet gegen den Komponisten, weil der den Masturbationsfilm  - also sein urheberrechtlich geschütztes Werk - unberechtigt öffentlich vorgeführt habe.

"Verstoß gegen das Kunsturhebergesetz und üble Nachrede" lautet der Vorwurf. Die Staatsanwaltschaft Stendal musste sich damit beschäftigen, hat das Strafverfahren aber längst eingestellt. Wie die Staatsanwälte, will jetzt auch der Richter wissen, warum er den Film überhaupt vorgeführt habe. "Weil ich doch dachte, unsere Musikaufnahmen sind drauf." 

Einzelheiten in öffentlicher Verhandlung zu erörtern, müht sich die Anwältin noch zu vermeiden. Dem Kläger hat sie ohnehin untersagen lassen, sich über den Film zu äußern - was natürlich nicht im Gericht gelten kann. Der Streit wäre längst vom Tisch, wäre der Masturbator nur minimal einsichtig. Gerade einmal 300 Euro gibt der Komponist als Schadenssumme an. Der Pornodarsteller will aber gar nichts zahlen. Folglich gibt es am 18. Mai ein Urteil.

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