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Kita-Streik: Ab Freitag droht der Ausstand

Thema des Tages Kita-Streik: Ab Freitag droht der Ausstand

Es dürfte einer der heftigsten Streiks der vergangenen Jahre werden: Ab Freitag droht der unbefristete Ausstand in den kommunalen Kitas. Das sagen die Betroffenen:

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Kita-Streik: Ab Freitag droht der Ausstand

Quelle: dpa

Göttingen. Die Zeichen stehen auf Streik: Am Montag, 4. Mai, endet die Urabstimmung der Erzieher und Sozialarbeiter über einen unbefristeten Streik.

Es wird erwartet, dass es eine klare Mehrheit für längere unbefristete Arbeitsniederlegungen geben wird. Wenn mindestens 75 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder dafür stimmen, beginnt am Freitag, 8. Mai, der Ausstand in den kommunalen Kindertagesstätten. Auch kommunale Sozialarbeiter werden sich daran beteiligen.

„Die Streikbereitschaft ist sehr hoch. Wir gehen daher davon aus, dass die Urabstimmung auf einen Streik hinausläuft“, sagen die Verdi-Gewerkschaftssekretärinnen für die Region Süd-Ost-Niedersachsen, Frederike Güler und Julia Niekamp. Dann werde deutschlandweit ab dem 8. Mai zu unbefristeten Streiks aufgerufen – auch in der Stadt Göttingen sowie in den Landkreisen Göttingen, Northeim und Osterode. Kitas könnten dann Tage, wenn nicht Wochen geschlossen bleiben. „Das heißt aber nicht, dass alle direkt am 8. Mai in den Streik treten“, erklärt Güler.

Daher könne Verdi auch noch nicht sagen, welche kommunalen Kitas betroffen sein werden. „Aber in den Kitas werden die Eltern frühzeitig informiert“, betont Niekamp. Neben den kommunalen Kindertagesstätten sei dann vor allem auch der allgemeine Sozialdienst wie die Familienhilfe im Landkreis Göttingen stark betroffen. Das sei ein Novum, sagt Niekamp, weil von der Familienhilfe viele Menschen abhängig seien. „Aber es reicht. Wir brauchen eine Aufwertung, jetzt oder nie.“ Es werde jedoch Notdienstvereinbarungen geben.

Verdi verlangt, die bundesweit 240 000 Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst in höhere Tarifgruppen einzustufen, was im Schnitt ein Gehaltsplus von rund zehn Prozent bedeuten würde. Die Kommunen lehnen dies als überzogen ab.

Allein in der Stadt Göttingen gibt es 13 kommunale Kitas. Ob es Notgruppen geben wird, müsse man sich im Einzelfall anschauen, sagt Verwaltungssprecher Detlef Johannson, der sich ansonsten nicht weiter zu dem Streik äußern will. Erst wolle man das Ergebnis der Urabstimmung abwarten.

Klar sei aber, dass Eltern ab dem vierten Streiktag Teile des gezahlten Elternbeitrags zurückbekämen. So sei es in der vom Rat beschlossenen Entgeltordnung für Kindertagesstätten der Stadt Göttingen geregelt. Dort steht: „Fällt die Betreuung ganz aus, so entfällt die Pflicht zur Zahlung des monatlichen Elternbeitrags tageweise anteilig für die Zeit ab dem 4. ausgefallenen Betreuungstag“. Bislang wurde schon an drei Tagen gestreikt.

Unterdessen haben einige Eltern in Göttingen angekündigt, den Elternbeitrag selbst einbehalten zu wollen, um den Druck auf die Verwaltung zu erhöhen.

„Für uns Eltern wäre der Streik ein Alptraum“

Der ab Freitag drohende unbefristete Streik in kommunalen Kindertagesstätten und anderen sozialen Einrichtungen wird auf dem Facebook-Auftritt des Göttinger Tageblatts kontrovers diskutiert. Im Folgenden beispielhaft einige Kommentare, die Nutzer in den vergangenen Tagen gepostet haben (alle Zitate sprachlich nicht geglättet).

 „Wenn es sich jemand erlauben darf dann wohl fast alle Mitarbeiter im sozialen Dienst. Das sind die die hart arbeiten, immer neue Auflagen aufgedrückt bekommen und das höchste Gut betreuen (Kinder, Alte und Kranke).“
 „Die sollten ihr Forderungen mal ein wenig runterschrauben... 10% ... is doch klar das das so nix wird ... so schlecht verdienen die Erzieher jawohl auch nicht .. sehr gutes Einstigsgehalt im gegensatz zu vielen anderen Berufen... die Dummen sind die Eltern die die Kinder im Hort, Kita , Krippe .... haben .... bezahlen den Platz , und wenn die jetzt ein paar Tage nacheinander Streiken wird das für viele Eltern ein riesen Problem!!!“
 
„IG Metal, Lokführer, Piloten etc. da kräht kein Hahn mehr nach wenn die wieder und wieder streiken, aber sobald die Kita mal mehr Geld einfordert wird gemeckert. 10%, meiner Meinung nach viel zu wenig.“
 
„Seltsam, dass Menschen den Verdienst von Erziehern tatsächlich als üppig ansehen. Wenn ich mir die Zugangsvoraussetzung ansehe, die hohe Verantwortung und die Arbeitsbedingungen (Lärm!), finde ich die Gehälter beschämend niedrig. Und das bleiben sie noch, wenn es zehn Prozent mehr geben sollte.“
 
 „Absolut berechtigt der Streik und wir Eltern sollten uns solidarisieren statt zu motzen! Wir wollen unsere Kinder gut betreut wissen und das sollte angemessen entlohnt werden!“
 
 „Es geht ja nicht nur um das Geld, sondern auch um kleinere Gruppen. Zwei Erzieher auf (wenn es hoch kommt manchmal 25 Kinder) ist kein guter Schlüssel. Jedes Kind braucht und verlangt eine vernünftige pädagogische Arbeit, die bei 25 Kindern nicht immer gegeben ist und nicht gegeben werden kann. Teilweise müssen wir Erzieher nicht nur Pädagogen sein sondern auch Psychologen und da finde ich mehr Geld natürlich auch nicht schlecht.“
 
 „Vom Prinzip her ist der Streik angebracht wenn es was bringen würde, dennoch für uns Eltern ein Alptraum wenn man keine andere Betreuung hat.“
 „Ich gehe davon aus, dass ab Freitag für einige Tage gestreikt wird. Ich werde Montag, 11.5. (sofern streik) den Tag mit meinen Sohn und einer extra dafür gekauften Trillerpfeife im neuen Rathaus verbringen...soll er dort Spaß haben. Damit möchte ich meine Solidarität zu den Streikenden deutlich machen, aber auch meinerseits Druck machen.“
 
 „Und jetzt denken wir mal darüber nach, ob die Menschen, denen wir unser höchstes Gut anvertrauen, wirklich gerecht entlohnt werden.“
 „10% werden es wohl nicht werden, wenn man sich wenigstens bei 5% Einigen würde wäre das ein gutes Ergebnis obwohl das eigentlich immer noch zu wenig ist. Den Erziehern bleibt ja gar nichts anderes übrig als zu Streiken da die Arbeitgeber ja nicht mal ein vernünftiges Angebot machen. Bei 2 Wochen Streik am Stück werden die vieleicht endlich mal Wachgerüttelt.“

Elternvertreter wollen Druck machen

Ab Freitag drohen tagelange Streiks in den kommunalen Kitas. Was tun? Das haben sich die gewählten Elternbeiratsmitglieder der Kita Lönsweg in Göttingen gefragt – und das Heft selbst in die Hand genommen. Kerstin Hassenklöver, Gundula Scholz, Sonja Welskopf und Tim Kissling haben sich Gedanken gemacht, mit anderen Eltern und den Erzieherinnen gesprochen, und sie haben ein Konzept erarbeitet, „um das Voranschreiten der Einigung im Tarifstreik nach vorne zu bringen“, wie Hassenklöver stellvertretend für ihre Mitstreiter berichtet. Demnach sind folgende Maßnahmen geplant:

  • Unterschriften an Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) schicken.
  •  Briefvordrucke für die Eltern erstellen, ebenfalls an den Oberbürgermeister gerichtet.
  • Infozettel für die Eltern earbeiten. Inhalt unter anderem: Was muss ich im Job beachten, wenn ich im Streikfall nicht zur Arbeit kann?
  • Listen aufhängen, um den Betreuungsbedarf abzufragen und zu ermitteln, wer zusätzlich Kinder bei sich betreuen kann während der Streiktage.

„Außerdem haben wir einen E-Mail-Verteiler der Eltern aus unserer Kita zusammengestellt, um während eines möglichen unbefristeten Streiks dennoch alle Eltern erreichen zu können, um diese auf weitere geplante Aktionen hinzuweisen“, erklärt Hassenklöver.

Sie und Scholz hätten zudem alle städtischen Kitas angeschrieben, „um auf E-Mail-Basis auch Kita-übergreifend alle Elternvertreter in Göttingen miteinander zu vernetzen, falls weitere Aktionen notwendig werden“. Zudem werde überlegt, auch die Elternvertreter der nicht-städtischen Einrichtungen in den Verteiler aufzunehmen, um möglichst viele zu erreichen.

„Ich würde es gut finden, wenn man auch die Arbeitgeber der Eltern mit ins Boot holen könnte, zum Beispiel über den Betriebsrat oder den Chef“, sagt Hassenklöver. Beispielweise könnte ein Unternehmer einen Beschwerdebrief an den Oberbürgermeister schreiben – „mit dem Inhalt, dass es nicht sein kann, dass 20, 50 oder 100 seiner Beschäftigten ihrer Arbeit nicht nachkommen können, weil sie wegen des Streiks ihre Kinder selbst betreuen müssen“.

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