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Kita-Streiks: 120 Menschen gehen auf die Straße

Demonstration Kita-Streiks: 120 Menschen gehen auf die Straße

Rund 120 Erzieherinnen und andere Sozialarbeiter haben gestern in Göttingen für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen demonstriert. Zu dem Streik hatte die Gewerkschaft Verdi aufgerufen. Vier städtische Kitas blieben geschlossen. Die betroffenen Kinder wurden entweder zu Hause versorgt oder auf andere Einrichtungen verteilt.

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Für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld: Demonstrationszug in Göttingen.

Quelle: Theodoro da Silva

Die kleine Milena weint bitterlich, als sich ihre Mutter im Kindergarten an der Pfalz-Grona-Breite von ihr verabschiedet. Es ist kurz nach acht. Eigentlich würde Milena jetzt wie jeden Tag in der städtischen Kindertagesstätte Grone mit ihren Freunden spielen. Doch die ist heute geschlossen. Das Personal streikt.

„Ich bin allein erziehend und daher auf die Betreuung angewiesen“, sagt Milenas Mutter Godana Krstic, während sie ihre Tochter zu trösten versucht. Krstic ist eine der Eltern, die ihr Kind wegen des Streiks in eine andere Kita geben müssen, weil sie selbst keine Zeit haben. „Das ist schon stressig“, sagt sie. Verständnis für die Streikenden habe sie aber dennoch.

Auch der Selbstständige Christian Hren muss seine Tochter Elena an diesem Tag in eine für sie fremde Kita geben. Er bewertet den Streik durchaus kritischer als Krstic, doch zum Glück fällt seiner Tochter der Abschied nicht allzu schwer.

Von alldem bekommen die Streikenden nichts mit. Sie ziehen am Morgen in einem Protestmarsch durch die Stadt, machen unter anderem vor dem Neuen und Alten Rathaus Station. Transparente mit Aufschriften wie „So fährt die Zukunft unserer Kinder an die Wand“ werden gezeigt. Eine Sprecherin formuliert per Megaphon die Forderungen der rund 120 Demonstranten: bessere Arbeitsbedingungen, mehr Gesundheitsschutz, bessere Bezahlung. Eine Hand voll Polizisten beobachtet aus einiger Entfernung die Szenerie.

Lautes Pfeifen und Beifall

Zu eskalieren droht die Demo ohnehin nicht. Lautes Pfeifen und Beifall sind die einzigen Aufreger. Am Ende der Kundgebung vor dem Neuen Rathaus wird noch eine „Belastungsmauer“ aufgebaut, bestehend aus Blöcken aus Kartonage, auf welchen die Missstände geschrieben stehen, die aus Sicht der Erzieherinnen und Sozialarbeiter behoben werden müssen. „Zu große Gruppen“ etwa oder „zunehmende Aufgaben“, „keine Aufstiegsmöglichkeiten“, „Personalmangel“, „schlechte Bezahlung“.

Die kleine Milena hat sich derweil sicherlich wieder beruhigt. „Siehst du, war doch alles halb so schlimm“, wird die Mama nachher sagen.

Von Andreas Fuhrmann

Stadt droht Streikenden mit Rechtsmitteln

Die Streikenden aus Göttinger Kindergärten müssen nach ihrem Aktionstag mit arbeits- oder disziplinarrechtlichen Folgen rechnen. Das sagte gestern der Personaldezernent der Stadt, Hans-Peter Suermann. Zuvor könnten sie allerdings „in einer Anhörung sagen, was sie sich dabei gedacht haben“. „Wir setzen natürlich niemanden gleich auf die Straße“, fügte Suermann auf Nachfrage zu möglichen Rechtsmitteln an.Die Stadtverwaltung gehe davon aus, dass der gestrige ganztägige Streik oder darüber hinausgehende geplante Aktionen unrechtmäßig seien – „und für uns auch nicht nachvollziehbar“, so Suermann. Weil es zurzeit noch einen gültigen Tarifvertrag gebe und schon Termine für die nächste Verhandlung um die Streitpunkte vereinbart seien, herrsche nach Streikrecht Friedenspflicht. Zudem könnten die strittigen Kernforderungen zum Gesundheitsschutz gar nicht separat vom Gesamttarif verhandelt werden. Bestätigt sieht sich die Stadtverwaltung durch eine Entscheidung des Kieler Arbeitsgerichtes vom Dienstag. Darin seien genau diese Argumente aufgeführt und ein Streik untersagt worden. Von Ulrich Schubert

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