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Klassenfahrtenboykott bleibt vorerst bestehen

Gymnasialleiter bezweifeln Gesprächsbereitschaft Klassenfahrtenboykott bleibt vorerst bestehen

Fahren Gymnasiasten aus Niedersachsen bald wieder auf Klassenfahrt? Gibt es bald einen Kompromiss im Streit zwischen dem Land und seinen Gymnasiallehrern um verordnete Mehrarbeit und immer neue Aufgaben?

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Immer wieder protestieren Gymnasiasten für ihre Lehrer, aber inzwischen fordern sie auch eine Abkehr vom Klassenfahrtenboykott.

Quelle: Thomas

Göttingen. Die Schulleiter an den südniedersächsischen Gymnasien bezweifeln das. Am Montag hatten Vertreter der Eltern, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und des Philologenverbandes zwar auf Landesebene erklärt, es gebe nach langem Stillstand endlich Gespräche. An der Basis sei davon allerdings nichts bekannt, erklärten unisono die Vertreter der Gymnasien im Raum Göttingen zweifelnd. Zweifelnd auch, weil Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) mitteilen ließ, es gebe keinen Grund, Klassenfahrten zu boykottieren. Damit sei eine Kompromissbereitschaft des Ministeriums nahezu ausgeschlossen, so die Schulleiter.

Das Land hat zum Schuljahresbeginn die Arbeitszeit der Gymnasiallehrer erhöht und eine bereits zugesagte Altersentlastungen zurückgezogen. Darauf haben die Lehrer an den meisten Gymnasien vorerst alle Klassen vorerst ausgesetzt - eine freiwillige Leistung, für die sie auch kaum finanzielle Erstattung bekommen. „Ich wäre über jeden Kompromiss froh“, sagte am Dienstag der stellvertretende Schulleiter des Mündener Grotefend-Gymnasiums, Olaf Böhme.

„Bisher haben wir davon aber noch nichts gehört“, ergänzt Michael Brüggemann, Leiter des Felix-Klein-Gymnasiums. Und die Aussagen aus Hannover „enthalten ja nichts substanzielles“, wundert sich Ulrike Koller, Leiterin des Theodor-Heuss-Gymnasiums im Einklang mit Kollegen. Eigentlich sei es „unmöglich“, dass die Akteure in diesem Streit seit 2013 nicht wirklich miteinander reden und die Lehrer trotzten weiter arbeiten, stellt Georg Bartelt, Leiter des Hainberg-Gymnasiums fest – „das geht auch nur mit Beamten“.

„Viel heiße Luft“

Er könne sich aber vorstellen, dass jetzt Bewegung in die Verhandlungen kommt und dann vielleicht in einem neuen Klassenfahrtenerlass zumindest der Lehrereinsatz Anerkennung bekommt. Um die verfahrene Situation aufzulösen, „müsste man aber die entscheidenden Leute an einen Tisch bringen“, sagt Thomas Nebenführ, Leiter des Eichsfeldgymnasiums: nämlich Vertreter des Kultusministeriums, des Philologenverbandes und der Direktorenvereinigung. Der Vorsitzende der Gymnasialdirektoren und Leiter des Max-Planck-Gymnasiums, Wolfgang Schimpf, sieht in den Gesprächsankündigungen von Elternschaft und GEW vorerst nur „viel heiße Luft“.

Nach wie vor gebe es keine konkreten Vorschläge vom Land, wie die stetige Mehrarbeit der Lehrer durch ständig neue und zusätzliche Aufgaben und Belastungen kompensiert werden sollen. Ähnlich wie Schimpf fordert die Leiterin des Otto-Hahn-Gymnasiums, Rita Engels, Gespräche über Arbeitszeiten, entschlackte Unterrichtsinhalte und Entlastungen für Lehrer, damit die zusätzlichen Arbeitsstunden tatsächlich zu einer besseren Unterrichts- und Schulqualität führen. Der Klassenfahrtenboykott sei das einzige mögliche Druckmittel der Lehrer, aber nicht das Problem, ergänzt die Göttinger Kreisvorsitzende der GEW, Elke Moeken. „Ich glaube aber schon, dass in der eigentlichen Sache jetzt Bewegung rein kommt“, sagt sie. Die Gesprächsankündigung aber seien nur ein erster Schritt von vielen.  

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