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Klaus Wettig über Pegida: „Helfen kann nur unbeirrbare Aufklärung“

Bündnis in Kassel weiterhin aktiv Klaus Wettig über Pegida: „Helfen kann nur unbeirrbare Aufklärung“

Die Pegida-Bewegung ist gespalten: Von den „Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes“ hat sich Bündnis „Direkte Demokratie für Europa“ abgespalten. Die erste Kundgebung ist für Sonntag, 8. Februar, auf dem Dresdner Neumarkt geplant. Einen Tag später, Montag, 9. Februar, folgt Pegida mit einer eigenen Kundgebung in Dresden.

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Montag in Kassel: 2000 Menschen zeigen Flagge gegen Kagida.

Quelle: dpa

Göttingen. In der Region ist in Kassel das Bündnis Kagida weiterhin aktiv. Auf Facebook hat es inzwischen 6388 Unterstützer. Für den kommenden Montag, 9. Februar, plant das Kasseler Bündnis seinen inzwischen elften Abendspaziergang.
Unterdessen ist es um das bislang nur auf Facebook vertretene Bündnis Nogida aus Northeim ruhig geworden. Die Facebook-Likes liegen bei 300. Der bisher letzte Post stammt vom 22. Januar. Öffentlich in Erscheinung getreten ist die Gruppe noch nicht. Ihre Gründung hatte am 19. Januar zu einer Gegenkundgebung geführt.

Der ehemalige Göttinger SPD-Europaabgeordnete Klaus Wettig hat das Phänomen Pegida für das Tageblatt analysiert: „Es war zu erwarten, dass nach Lega Nord, Front national, Wahren Finnen, Schwedendemokraten, die niederländische Partei für die Freiheit, usw. auch in der Bundesrepublik eine EU-kritische Stimmung entstehen könnte. Nicht nur Stammtisch-Gerede, sondern organisierte Auftritte. Dass auch in dem Land, das von der europäischen Integration am stärksten profitiert hat, die Skeptiker lautstärker werden würden. Das Häuflein, dem die ganze Richtung nicht passt, zu einem Haufen werden würde. Nun ist es soweit. Spannungen in der islamischen Welt, das Auseinanderbrechen Jugoslawiens und der Sowjetunion produzierte Gewalt zwischen nichtislamischer Mehrheit und islamischen Minderheiten, und der Zerfall islamischer Staaten ließ eine weitere Welle der Gewalt entstehen, die in unsere wohl geschützte Welt überschwappt.
Dabei hatten wir doch Jahrzehnte die islamisch geprägte Zuwanderung akzeptiert. Wir brauchten die Menschen für unsere Wirtschaftsweise. Und es gelang uns sogar das Miteinanderleben. In der Bundesrepublik sogar besser, als in unseren Nachbarländern. Jetzt begegnen uns die Probleme des Zusammenlebens, die mit einfachen Formeln nicht überdeckt werden können. Gelöst werden können sie auch nicht mit Demonstrationen. Pegida schafft die Probleme nicht aus der Welt, provoziert vielleicht sogar ein Klima der Gewalt, wo sie bisher vereinzelt blieb.

Gegendemonstrationen grenzen allenfalls den Raum von Pegida ein, zum Verschwinden bringen sie diesen Irrweg nicht. Helfen kann nur unbeirrbare Aufklärung, das Sprechen mit uninformierten, mit irregeleiteten Mitläufern dieser Bewegung. Schließlich muss die Politik schneller handeln. Straftaten gegen Ausländer müssen genauso schnell verfolgt und bestraft werden wie Straftaten von Ausländern. Soziale Brennpunkte, wie die höhere Jugendarbeitslosigkeit müssen aktiv bearbeitet werden. Und schließlich muss der Dialog mit den islamischen Gemeinschaften in großer Breite beginnen, damit die Gläubigen den Anschluss an unsere Kultur finden. Nur der Dialog zwischen den Kulturen wird die Spannungen entschärfen. Diesen Dialog verweigert Pegida.“

Von Michael Brakemeier und Klaus Wettig

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