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Neun Flaschen Bacardi zu dritt

Neun Monate Gefängnis Neun Flaschen Bacardi zu dritt

Wegen einer Vielzahl von kleineren Diebstählen stand am Donnerstag ein 37-jähriger Mann vor dem Göttinger Amtsgericht. Trotz des geringen Werts der von ihm gestohlenen Gegenstände schickte ihn das Gericht schließlich ins Gefängnis – es gab keine Bewährung.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Dem Mann wird vorgeworfen, in der Zeit von Januar bis April dieses Jahres Zigaretten, Süßigkeiten, Alkohol, Drogerieartikel und ein Paar Sportschuhe gestohlen zu haben. Schwerer wiegen noch die Vorwürfe, einmal in einem Lebensmittelgeschäft gleich neun Flaschen Bacardi gestohlen und später in einem Geschäft Parfumartikel im Wert von 134 Euro eingesteckt zu haben. In diesen beiden Fällen geht die Staatsanwaltschaft nämlich davon aus, dass der Mann nicht zum Eigenverbrauch stahl, sondern um die Gegenstände zur Finanzierung seiner Sucht zu verkaufen. Damit wird aus dem einfachen Diebstahl ein gewerbsmäßiger Diebstahl.
Das sah auch das Gericht so. Trotz des Hangs des Angeklagten zum Alkohol sei es kaum vorstellbar, dass dessen Angabe, man habe die Flaschen zu dritt im Freundeskreis leeren wollen, der Wahrheit entsprechen kann. Neun Flaschen zu dritt sei „eindeutig zuviel“. Ebensowenig plausibel sei die Angabe des Angeklagten, er habe das Parfum zum Eigenbedarf gestohlen. Schließlich habe er bei seinem Diebeszug noch nicht einmal darauf geachtet, ob es sich um Herren- oder Damendüfte handelt.
Dass das Gericht dem alkohol- und drogenabhängigen Mann die Bewährung versagte, hatte jedoch einen anderen Grund: ein sattes Vorstrafenregister und eine äußerst ungünstige Verhaltensprognose für die Zukunft. 18 Einträge weist der Registerauszug des Mannes bereits auf – überwiegend waren das Diebstähle. Mit dabei waren aber auch noch Drogendelikte sowie Körperverletzung, regelmäßige Schwarzfahrten und schließlich Beleidigung.
Mit einer aus diesen Taten ablesbaren und auch sonst feststellbaren antisozialen Persönlichkeitsstörung sei für die Zukunft nicht allzu viel Gutes zu erwarten, erklärte auch der gutachtende Psychologe. Und selbst der Anwalt des 37-jährigen Angeklagten befand, eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung sei wohl keine richtig gute Idee.
Daher folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft, den 37-Jährigen für neun Monate hinter Gitter zu schicken. Eine Therapie wegen seiner Alkohol- und Drogenabhängigkeit sei unabhängig von dieser Strafe dennoch möglich.

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