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Kleingärtner in Göttingen haben Angst um die Parzelle

Grüne wollen die Diskussion um Flächen Kleingärtner in Göttingen haben Angst um die Parzelle

In Göttingens Kleingärten geht die Angst um. Angst vor einer Umwandlung der Gärten in Bauland. Seitdem die grünen Ratspolitiker Rolf Becker und Ulrich Holefleisch das Thema Anfang Dezember erneut aufgebracht haben, fürchten viele Pächter um ihre Parzelle.

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Helmut Papke, Vorsitzender des Bezirksverbandes der Kleingärtner, ist skeptisch.

Quelle: Wenzel

Göttingen. „Die meisten Pächter haben Angst um ihren Garten“, beschreiben Helmut Papke und Marco Prohl aus dem Vorstand des Bezirksverbandes der Kleingärtner (BV) die Situation in den Gärten seit die Diskussion wieder entbrannt ist. Der BV vertritt als Generalpächter der Stadt rund 1900 Mitglieder und 21 Kleingartenvereine in Göttingen. Derzeit seien alle Gärten in den Vereinen verpachtet, und inzwischen gebe es sogar wieder Wartelisten. Vor allem junge Familien aus allen sozialen Schichten würden vermehrt Kleingärten suchen. Der BV, so Papke, sei derzeit über eine Arbeitsgruppe in die geplante Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes (FNP) eingebunden. Er geht derzeit davon aus, dass es in der Stadt genügend andere Flächen gibt, um den Bedarf an Bauland zu decken. Papke gibt zu bedenken, dass eine Gartenumsiedlung mit allen Ablösezahlungen „richtig Geld“ kosten werde. Dennoch: „Der Bezirksverband ist zu Gesprächen bereit“, sagt Papke. Ohne Zustimmung der Vereinsmitglieder werde er aber nichts unternehmen. Aktuell hätte keine Partei mit dem BV Kontakt aufgenommen, ärgert sich Prohl.

Es gehe nicht darum, betonen Becker und Holefleisch, überstürzt Kleingärten in Bauland umzuwandeln. Ihre Forderung ist es, dass „die Verwaltung entsprechend des städtebaulichen Leitbildes innerstädtische Reserven für Wohnflächen, die bisher zum Teil als Kleingärten oder Grabeland verpachtet sind, in die Bewertung und in die öffentliche Debatte zum Flächennutzungsplan einbezieht“, heißt in einem Positionspapier. Vordringlichste Aufgabe müsse die Ausweisung innenstadtnaher Wohnungsbauflächen sein. Der Vorentwurf zum FNP lasse dies vermissen. Becker und Holefleisch glauben nicht, dass Baulücken, Flächenumnutzungen und Nachverdichtungen ausreichen, den sich verschärfenden Wohnungsmangel zu beheben.

Die Grünen gehen von 217 000 Quadratmeter Grabeland und 530 000 Quadratmeter in Kleingärten aus. Bei der Aufstellung des Flächennutzungsplanes, so Becker, müssten alle Flächen bewertet und diskutiert werden. „Wir wollen die Debatte haben“, sagt Holefleisch. Ein einfaches „Finger weg von den Kleingärten“ sei „töricht“. Es ist Beckers und Holefleisch Anliegen, Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) und die SPD zu überzeugen, die Flächen zu prüfen. „Wer nicht diskutieren will, soll sagen, wo die nötigen Wohnungen stattdessen entstehen sollen“, sagt Holefleisch. Ihre Idee ist eine Verlagerung der Kleingärten in einen um das Stadtgebiet verlaufenden Grüngürtel. Ein Tausch einzelner innenstadtnaher Gartenflächen „Zug um Zug“ sei zumutbar, heißt es in dem Positionspapier. „Selbstverständlich zahlt die Stadt eine Ablöse und bietet ein zeitgemäßes Vereinsgebäude“, heißt es weiter.

Wohnungsgenossenschaft fordert „Tabubruch“

Göttingen. Rückenwind bekommen die Grünen von der Göttinger Wohnungsgenossenschaft. In der Mitgliederzeitung „WG aktuell“ spricht sich der Vorstand der Genossenschaft auch für die Umnutzung von Kleingärten zu Bauland aus. Es müsse zum „Tabubruch“ kommen.

Was Göttingen brauche, sei die Ausweisung neuer Bauflächen – mög­lichst im Innenbereich. Hier böten sich sowohl brachliegende Gewerbeflächen als auch Schrebergärten in besten Lagen an. „Es muss hier zum Tabubruch kommen, um für unsere Einwohner möglichst in der Nähe ihrer Arbeitsplätze ausreichenden Wohnraum schaffen zu können“, fordert das Vorstandstrio Henning Schreiber, Michael Przibilla und Carlo Scherrer. Alles andere sei „Augenwischerei“. Es helfe nicht, „in Baulücken zu denken, da diese sowieso nicht verfügbar gemacht werden können“.

Die Bauverwaltung arbeite an der Entwicklung eines neuen Flächennutzungsplanes. Doch bis dieser feststehe und daraus  rechtskräftige Bebauungspläne abgeleitet werden, vergingen Jahre. „Haben wir diese Zeit noch oder verschärfen sich unsere Probleme der Schaf­fung von Wohnraum ins Unerträgliche?“, fragen Schreiber, Przibilla und Scherrer. Und weiter: „Muss beispielsweise der Schrebergärtner gemütlich im Sommer seinen Grill auf seiner Parzelle aufstellen kön­nen und dabei über seinen Gartenzaun auf Sammelunterkünfte blicken? Wollen wir dies wirklich?“

Mehr Studierende, mehr Flüchtlinge, aber auch mehr junge Arbeitnehmer auf der Suche nach Wohnraum: Jahrelang habe die Wohnungsgenossenschaft darauf hingewiesen, dass die Baulandausweisungen in Göttingen unzureichend sind. „Heute erhal­ten wir die Quittung.“

Schreiber, Przibilla und Scherrer appellieren: „Lurche und Laubenpieper dieser Stadt, gebt uns eine Chance, hier etwas zu ändern.“ Damit Göttingen wachsen kann, fordern sie dass die Stadtverwaltung endlich anfan­gen müsse, „Personal für Stadtplanung und Stadtordnung einzustellen“.

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