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Das Internet ist schnell. Und es vergisst nichts. Gut, das sind jetzt keine revolutionären Erkenntnisse, aber ab und zu sollte man sich darauf besinnen, vor dem schnellen Klicken auch nachzudenken. Denn einmal auf „Absenden“ – neudeutsch „Posten“ – gedrückt, und schon lässt sich das Gesendete nicht mehr zurückholen. Dumm wird es vor allem dann, wenn man nicht an alle Tücken denkt.

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Quelle: Hinzmann (Symbolbild)

Göttingen. So hat ein Behördenleiter reichlich Ärger bekommen, als er einen Screenshot, das sind Bildschirmfotos, von seinem Bürorechner in den Orbit sendete, um auf einen Missstand hinzuweisen. Schlecht für den guten Mann war allerdings die Sichtbarkeit aller von ihm benutzten Online-Seiten in der Menüleiste. Warum muss ein Behördenchef auf seinem Arbeits-PC Pornoseiten lesen? Eine schlüssige Antwort hatte der Beamte nicht – dafür aber jede Menge Ärger, Hohn und Spott.

Auf Facebook gibt es in diesen Tagen die Aufforderung, mit einem „Post“ den veränderten AGBs des Internetriesen zu widersprechen. Die Leute posten und teilen den Hinweis ohne Unterlass munter vor sich hin. Rechtlich allerdings ist das vergebene Mühe und völlig ohne Belang. Die virale Protestwelle ist nur heiße Luft – aber dafür schnell geklickt.

Schnell geklickt. Das hat auch der Chef einer Göttinger Anwaltskanzlei getan. Er wollte wohl die Kollegen in seiner eigenen Sozietät darauf hinweisen, dass ein Wettbewerber über die Wupper gegangen ist. „VSM haben sich zerlegt. Steht überall bei Facebook. Schneehain, John und Suchfort machen jetzt als SJS Rechtsanwälte weiter“, lautete der für den internen Kanzlei-Gebrauch bestimmte Post. Dazu noch ein Emoji mit Mundschutz. Nur blöd, dass der vertraulich gemeinte Hinweis komplett öffentlich geteilt wurde.

Was wiederum den vermeintlich gescholtenen Anwaltskollegen Alexander Schneehain auf den Plan rief: „Herr Kollege, wir regen an, dass Sie die Facebook-Bedienungsanleitung ausdrucken und dann den Unterschied zwischen „Pinnwand-Eintrag“ und „Persönlicher Nachricht“ nachlesen.“ Ein höflich formulierter Satz, der, etwas drastischer ausgedrückt, auch lauten könnte: Sie sind zu doof für Facebook. Hinzu kam noch die Einladung auf eine Tasse Kaffee in die neue Kanzlei.

Ein Facebook-Freund von mir hat auch einen Fauxpas auf seiner Seite. Manfred ist Ende 60, arbeitete Zeit seines Lebens in einer Behörde und ist seit ein paar Jahren Pensionär. In seinem Profil steht allerdings: seit 1970 Beamter im Ruhestand. Ich habe lange überlegt, ob ich ihn darauf hinweisen soll. Aber vielleicht hat er das ja ernst gemeint. Ich spare mir jetzt den Hinweis auf Beamtenwitze.

Haben Sie ähnliche Fälle parat? Dann bitte einfach melden unter u.graells@goettinger-tageblatt.de

Ihnen ein schönes Wochenende. Und immer daran denken - erst nachdenken, dann klicken.

Ihr

Uwe Graells

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