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Klingebiel-Zelle bleibt voraussichtlich in Göttingen

Nicht nach Hannover? Klingebiel-Zelle bleibt voraussichtlich in Göttingen

Überraschende Wende im Poker um die Klingebiel-Zelle: Nachdem sie am Montag die Zukunft der Zelle noch ungeklärt gelassen hatte, hat sich Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) am Dienstag plötzlich für einen Verbleib in Göttingen ausgesprochen.

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Die Klingebiel-Zelle kann aller Voraussicht nach in Göttingen bleiben.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. „Es gibt keine Zusage der Landesregierung an das Sprengel-Museum in Hannover. Eine Umsetzung der Zelle wäre mit enorm hohem Aufwand und entsprechenden Kosten verbunden. Die beste Lösung wäre folglich ein Verbleib am jetzigen Ort“, teilte sie in einer Presseerklärung mit. Dieser müsse dann aber einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Zu dem Sinneswandel dürfte wohl auch ein Gespräch zwischen Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler und seinem SPD-Parteifreund, Minsterpräsident Stephan Weil, beigetragen haben. Auf Anfrage teilte Köhler am Dienstagnachmittag jedenfalls mit: „Was die Ministerin erklärt hat, entspricht voll meiner Auffassung und genau dem, was ich heute Morgen in der Sache mit dem Ministerpräsidenten besprochen habe.“

Köhler hatte sich in den vergangenen Tagen mehrfach gegen eine Verlagerung der von Justus Klingebiel (1904-1965) bemalten Zelle im alten Festen Haus des Landeskrankenhauses auf dem Leineberg ins Sprengel-Museum Hannover ausgesprochen. Das hatte er auch in einem Brief an Weil deutlich gemacht.

Ernst Böhme, Chef des Städtischen Museums Göttingen, begrüßte die Mitteilung der Kulturministerin. „Bei allen historischen Zeugnissen ist es das Beste, wenn sie dort verbleiben, wo sie entstanden sind.“ Wenn man die Klingebiel-Zelle aus dem Festen Haus herausnehme, „verliert sie ihren Denkmalcharakter“.

Reinhard Spieler, Leiter des Sprengel-Museums, reagierte am Dienstag überrascht – vor allem darüber, dass Heinen-Kljajic einer Umsetzung der Zelle nach Hannover auch wegen zu hoher Kosten eine Absage erteilte. „Das Denkmalamt hat bei seinen Berechnungen wohl zugrunde gelegt, was es kosten würde, die Zelle im Ganzen umzusetzen. Das ist wissenschaftlich völlig absurd.“ Man wolle im Sprengel-Museum kein Architekturdenkmal aufstellen, sondern ein Kunstwerk.

Dafür genüge es, die Wandmalereien des ehemaligen Psychiatriepatienten Klingebiel abzunehmen und auf Bildtafeln aufzubringen. Das sei mit unterschiedlichen Techniken möglich, erklärte Spieler, und finanziell „absolut machbar“.

Daher habe er die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Es seien aber weitere Gespräche notwendig, erklärte der Sprengelchef. Man müsse jetzt gemeinsam darüber nachdenken, welcher der sinnvollste Ort für das Kunstwerk sei, wie man es am besten erhalten könne – „und wo es das beste Publikum gibt“.

Outsider Art

Die von Julius Klingebiel (1904–1965) bemalte Zelle im alten Festen Haus des Landeskrankenhauses auf dem Leineberg ist heute als Klingebiel-Zelle bekannt und gilt als herausragendes Beispiel der sogenannten Outsider Art.

Klingebiel war Psychiatriepatient und von 1940 an in Göttingen  untergebracht. Er überlebte die Tötungsprogramme der Nationalsozialisten und wurde in den 1950er-Jahren unter dem Einfluss einer „wahnhaften Schizophrenie“ zum Künstler.

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