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Knöllchen-Horst resigniert

Nach 42 723 Anzeigen Knöllchen-Horst resigniert

Rentner Horst-Werner Nilges, bundesweit wegen seiner Unmengen an Ordnungswidrigkeits-Anzeigen gegen Falschparker als „Knöllchen-Horst“ bekannt geworden, resigniert. Es „zeichne sich ab“, schreibt er dem Tageblatt, „mein ehrenamtliches Engagement“ in „absehbarer Zeit“ einzustellen. Genau festlegen lässt sich der 61-Jährige nicht. Er habe sich „bewusst nicht festgelegt“, aber, so sagt er: „Es wird ein Ende geben, ich weiß aber noch nicht genau wann.“

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Eine von vielen Beleidigungen gegen Knöllchen-Horst: Nilges Nachbarn wurden 2009 für dieses Benehmen verurteilt.

Quelle: EF

Osterode. Nilges hat in elf Jahren bis Montag 42 723 Verkehrsordnungswidrigkeits-Anzeigen erstattet. Damit hat er sich nicht nur unter den Wiederholungstätern viele Feinde geschaffen, sondern auch bei Behörden wie dem Landkreis Osterode und gelegentlich bei Polizeibehörden Unmut erregt. Vorübergehend verweigerte der Landkreis Osterode es gar, Nilges‘ Anzeigen noch zu bearbeiten.

Der Grund, warum er nun seine Aktivitäten als Falschparker-Jäger einstellen wolle, seien aber nicht die vielen Unannehmlichkeiten, die er deshalb gehabt habe, betont Nilges auf Anfrage. Nach elf Jahren müsse er vielmehr akzeptieren, dass „der Rechtsstaat seinen gesetzlichen Ansprüchen nicht gerecht“ werde. Und dass auch die Bürger nicht bereit seien, sich an das zu halten, was demokratisch in den Gesetzen festgelegt worden sei.

Das zeige sich in der weiter hohen Zahl an Falschparkern und auch darin, dass der Staat seiner Verpflichtung, diese Gesetzeswidrigkeiten zu verfolgen, nicht nachkomme. Vielfach sei ihm, wenn er immer wiederkehrende Verstöße angezeigt habe, versprochen worden, dass künftig genauer kontrolliert werde. Das Gegenteil sei geschehen, und er sei auch noch angefeindet worden, weil er auf die Einhaltung des Rechts gedrungen habe.

Nilges, dem gar ein eigener Wikipedia-Beitrag gewidmet ist, zieht eine bittere Bilanz: Sachbeschädigungen an Auto und Haus, Stein- und Eierwürfe, zahllose Beleidigungen, Morddrohungen auf dem Anrufbeantworter, eine Pistolenpatrone und anonyme Bombendrohungen im Briefkasten sowie in den Medien Betitelungen wie „Hassfigur“, „Denunziant“, „Verleumder“ oder „Deutschlands renitentester Rentner“ seien nur einige der Ärgernisse. Vielfach seinen ihm unter falschen Bestellernamen Waren ins Haus geschickt worden. Sechs unbegründete Anklagen habe es gegen ihn gegeben.

Und auch durch Behörden oder einzelne Beamte habe er „Schikane“ erlebt. Dazu listet Nilges sieben Auseinandersetzungen mit Behörden auf. Nur in einem einzigen Fall behielt der 61-Jährige nicht Recht. Damals war er in einer Tempo-50-Zone mit 63 km/h gemessen und verurteilt worden – wegen Falschaussage der Messbeamtin, sagt Nilges dazu.

Ob für ihn bald Ruhe einkehrt, ist zumindest fraglich. Zahlreiche Verfahren laufen noch. Gerade hat er Strafanzeige gegen die Bild-Zeitung beziehungsweise t-online erstattet, das einen sachlich falschen Bericht der Bild verbreitet hat. In dem Text quirlt Bild mehrere von Nilges ausgelöste Verfahren zu einer Falschmeldung zusammen. Der Autor hatte offensichtlich im Wust der Anzeigen, Dienstaufsichts- und Verfassungsbeschwerden die Übersicht verloren.

Dienstaufsichtsbeschwerde abgewiesen
Osterode. Die jüngst von Horst -Werner Nilges gegen Polizeibeamte in Osterode vorgetragene Dienstaufsichtsbeschwerde ist vom Leiter des Polizeikommissariats, Hans-Werner Ingold, zurückgewiesen worden. Nilges hatte sich über einen Beamten beklagt, der gegen ein abgestelltes Fahrzeug ohne Kennzeichen und Zulassung nicht sofort einschreiten wollte. In der Antwort auf die Beschwerde erklärt Ingold, dass es sich bei dem Fahrzeug um ein nicht zugelassenes Auto eines benachbarten Autohändlers handelte. Die rechtliche Prüfung habe ergeben, dass ein Verdacht auf eine Straftat nicht vorgelegen und eine Gefahr nicht ersichtlich gewesen sei. Die Entscheidung des Beamten sei folglich „absolut nachvollziehbar“ gewesen. Ingold weiter zu Nilges: „Ihrer ständigen Belehrungen bedürfen wir nicht.“ Nilges postwendend zu Ingold: „Als Maßstab für meine (von Ingold vorgeworfene) „oberaufsichtliche Aufgabenkritik und Beanstandungssucht“ dient übrigens das Grundgesetz.“      ck
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