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„Knöllchen-Horst“ zeigt „Treckerfahrer“ Dietmar Wischmeyer an

Wegen „Stinkstiefeligkeit“ „Knöllchen-Horst“ zeigt „Treckerfahrer“ Dietmar Wischmeyer an

Das Perpetuum mobile gibt es doch - in den Medien. Die schreiben und senden über Knöllchen-Horst, der zeigt sie wegen Beleidigung an, darauf schreiben und senden die Medien darüben, worauf der sie wegen Beleidigung anzeigt, die wiederum ... und so weiter.

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Dietmar Wischmeyer

Quelle: dpa

Göttingen/Osterode/Hannover. Jüngstes Beispiel: Beim Frühstyxradio von Radio ffn hat Comedian Dietmar Wischmeyer als „Günther der Treckerfahrer“ den Beleidigungs-Streit um das Wörtchen „geil“ zwischen Falschparker-Jäger Horst Nilges und Ex-Pornostar Dolly Buster thematisiert. Dabei hat der bissige Treckerfahrer den laut Oberverwaltungsgericht „denunziatorisch tätigen“ Nilges als „Stinker“ und „Knöllchen-Nazi“ bezeichnet sowie von dessen „Doofheit“ und „Stinkstiefeligkeit“ gesprochen. Die vier Begriffe finden sich in einer Strafanzeige wegen Beleidigung wieder, die Nilges daraufhin an die Staatsanwaltschaft Göttingen sandte - mit Kopie an die Polizei Osterode. Wischmeyer nimmt die Angelegenheit gelassen: „Solange ich nicht genau weiß, welche Straftat mir vorgeworfen wird, kann ich dazu wenig sagen. Aber ist ‚Knöllchen Horst‘ nicht eine Kunstfigur genau wie ‚Günther, der Treckerfahrer‘? Können Auseinandersetzungen zwischen Witzfiguren Gegenstand juristischer Ermittlungen werden? Ich fühle mich als alter Cineast in der Gesellschaft von Dolly Buster derweil gut aufgehoben.“

Der weitere Weg führt über eine Presseinformation der Unternehmenskommunikation von ffn wieder direkt in die Medien. Der Sender beruft sich auf die Staatsanwaltschaft Hannover, und Nilges schließt daraus, dass es „dort eine undichte Stelle“ geben müsse. Woher sollten Sender und Comedian denn wissen, dass gegen sie ermittelt wird? Das Tageblatt weiß inzwischen: Die „undichte Stelle“ war Pressesprecher Thomas Klinge.

Die Strafanzeige des Osteroders ist nicht die einzige in dem Dolly-Buster-Fall. Auch das Tageblatt ist angezeigt worden, weil es online einen Text der Deutschen Presse Agentur (DPA) verbreitet hat. Darin die falsche Behauptung, Nilges habe die Besatzung des Rettungshubschraubers wegen Falschparken angezeigt. Das hat er tatsächlich nie. Nur als Fußnote hat er in einer Liste mit Ordnungswidrigkeitsanzeigen gegen Falschparker auch erwähnt, dass an jenem Tag der Rettungshubschrauber in Herzberg auf dem Gehweg landete. Eine weitere Falschinformation, die in den Medien immer weiterlebt, ist die Behauptung, das OVG Lüneburg habe Nilges  als „Verleumder“ gebrandmarkt. Es hatte ihm lediglich eine „denunziatorische Tätigkeit“ attestiert, was etwas anderen ist. Die "Bild"-Zeitung hat am 30. Januar das Wort „Verleumder“ wiederholt – worauf der 61-Jährige auch "Bild" mit Anzeige kommt.  Nicht lange warten musste man auf eine weitere Anzeige Nilges‘ gegen diese bewusst provokative Passage des Berliner Tagesspiegel: „Man  (...) muss mit einer Beleidigungsklage rechnen, wenn man seinen Tick noch ausweitet und ihm eine gehörige Macke konstatiert. Was ich hiermit tue: Knöllchen-Horst, du bist reichlich bescheuert.“  Das Tageblatt fragte Nilges am Montag gegen 15.20 Uhr, ob er den Tagesspiegel schon gelesen habe. Um 15.55 Uhr ging die fertige Strafanzeige schon per Kopie hier ein.

Von Jürgen Gückel und Christoph Oppermann

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