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Kobanes Außenminister in Göttingen: „Der IS bedroht die ganze Welt“

Besuch Kobanes Außenminister in Göttingen: „Der IS bedroht die ganze Welt“

Unter grausamen Opfern ist die nordsyrische Stadt Kobane Ende Januar dieses Jahres von den Truppen des Islamischen Staates (IS) befreit worden. Seitdem liegt die Stadt zu 70 bis 80 Prozent in Trümmern. Am Donnerstagabend war der Außenminister der dortigen kurdischen demokratischen Selbstverwaltung, Idris Nassan, auf Einladung des Verbands der Studierenden aus Kurdistan in Göttingen zu Gast.

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Der Außenminister für die Region um die nordsyrische Stadt Kobane, Idris Nassan, bei seinem Besuch im Literarischen Zentrum Göttingen.

Quelle: Heller

Göttingen. Der IS, der in Teilen Nordsyriens und des Nordiraks einen islamischen Gottesstaat errichtet hat, hatte Kobane am 15. September 2014 mit schweren Waffen angegriffen und bis zu 80 Prozent des Stadtgebiets erobert. Auch in dieser Zeit, sagte Idris Nassan, sei er in der Stadt geblieben – auch, „um unseren Kämpfern Mut zu machen“. Er selbst habe eine Waffe getragen, „um mich selbst verteidigen zu können“. Er habe allerdings nicht schießen müssen.

Immerhin habe ihre Tapferkeit die kurdischen Kämpfer befähigt, allein einen Monat gegen den waffentechnisch überlegenen IS durchzuhalten. Erst dann habe die internationale Gemeinschaft Luftangriffe geflogen und Kobane zusammen mit den kurdischen Truppen befreit.

Jetzt ist Idris Nassans Aufgabe eine andere: Unterstützung für den Wiederaufbau zu gewinnen, die Wasserversorgung instandzusetzen, Krankenhäuser wieder aufzubauen. 100 000 geflüchtete Menschen wollten in die Stadt und Umgebung zurück. Dazu reist der Außenminister, der nicht nur für den Kanton Kobane, sondern für die gesamte Provinz Rojava mit zwei weiteren Kantonen zuständig ist, durch Europa – nach Brüssel, Österreich, Holland, Frankreich und zum Abschluss nach Deutschland. Europa habe ein ureigenstes Anliegen, den Kurden zu helfen und die Region zu befrieden, sagt Idris Nassan: „Der IS bedroht nicht nur uns oder unsere Region, sondern die gesamte Welt.“

Schon 2012 hatte die Region Rojave ihre Unabhängigkeit vom syrischen Assad-Regime erfochten. Die kurdische Selbstverwaltung sucht Prinzipien wie Demokratie, Gleichberechtigung der Geschlechter und soziale Gerechtigkeit durchzusetzen – für diese Weltgegend weitgehend unüblich. Auch mit religiöser Feindschaft wolle man nichts zu tun haben, versichert Idris Nassan. Man werde niemanden angreifen, aber: „Wenn man uns angreift, werden wir uns verteidigen bis zum allerletzten Tropfen Blut.“

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