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Wenn Rentner reisen

Kolumne von Christoph Oppermann Wenn Rentner reisen

Kennen Sie ein Kind, dass in einer Minute 60 Mal "Maaamaaa" krakeelen kann? Ich schon. Seit Freitagmorgen. Ist in Hannover in den ICE gestiegen, in Göttingen wieder raus. Selbstverständlich nicht unbegleitet.

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Stellvertretender Tageblatt-Chefredakteur Christoph Oppermann.

Quelle: r

War ja erst etwa vier Jahre alt, aber die begleitende "Maaamaaa" hat nicht eben viel Geschick bewiesen im Umgang mit dem Reproduktionsgebinde auf Hochfrequenzniveau.

Eine startende Aeroflot-Illjuschin ist dagegen die reinste Kuranwendung. Übrigens: Hannover - Göttingen dauert derzeit 60 statt der üblichen 32 Minuten. Es gibt sie noch, die richtigen Herausforderungen.

Als ultimative Prüfung aber hat sich nicht das phonstarke Tochter-"Maaamaaa"-Gespann herausgestellt, sondern das Quartett eine Reihe weiter. Vier Rentner. Und ich weiß sicher, dass es Rentner waren, denn sie trugen den amtlichen deutschen Rentnerausweis. Schlichte Weste, khakifarben. Gibt's in Deutschland bei jeder Verabschiedung in den Ruhestand. Vier eindeutig zu früh und wenig Beschäftigte. Unbeaufsichtigt. Ein Alltagsdrama.

Deren erste, schnelle Order aus dem Bord-Restaurant: 2 Weizen, 2 Weißwein. 9 Uhr. Und waren dabei soooo lustig. "Das bisschen, was wir essen, können wir auch trinken." Und der verhängnisvolle Klassiker: "Auf einem Bein steht man nicht." In Windeseile haben die Pegel von Alkohol und Intellekt sich in entgegengesetzte Richtungen bewegt. Leistungsbereit haben sich die vier beim Bestellen und Bechern jedenfalls gezeigt, deren Bestellgeschwindigkeit rechtfertigte den Begriff "fluten".

Von mir aus, wäre dabei nicht das entsetzlich dämliche Gelaber. "Rente mit 75" ist mir als Gedankensplitter mehrfach durch den Kopf geschossen - und mein fester Entschluss: Jedes Kind darf mir in jeder Lautstärke ins Ohr schalmeien - wenn ich nur das Gegröhle von reisenden Rentnern, die durch die Getränkekarten marodieren, nicht ertragen muss.

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