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Gratulation: Fit für die Zukunft

Kommentar zur Kreisfusion Gratulation: Fit für die Zukunft

Niedersachsen ist 70 geworden, Göttingen größer. Das war der 1. November. Ein Tag, vor dem einige Betroffene in Südniedersachsen Angst hatten, dem einige Kommunalpolitiker mit Sorge oder Unbehagen entgegengesehen haben, und doch ist morgens ganz einfach die Sonne auf- und abends wieder untergegangen.

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Christoph Oppermann, stellvertretender Chefredakteur des Göttinger Tageblatts.

Quelle: CH

Weder der Landesgeburtstag noch die Fusion der beiden bis dahin selbstständigen Landkreise war emotional besonders aufwühlend. Zumindest den letztgenannten Umstand hat im Wesentlichen Bernhard Reuter zu verantworten.

Der Landrat hat in seiner Ansprache während der Fusionsfeier zu Recht darauf hingewiesen, dass er weniger Vater der Fusion als vielmehr deren Architekt sei. Gelegentlich ist die Frage nach der "Liebesheirat" als Synonym für die Fusion bemüht worden, doch in diese Falle ist Reuter von Anfang an nicht getappt. Es ging und geht nicht um die Verschmelzung von Ortschaften und die Aufgabe regionaler Identitäten. Selbstgestellte Aufgabe war die Vereinigung zweier Kreistage und -verwaltungen. Es ging und geht auch weiterhin darum, Organe der kommunalen Selbstverwaltung veränderten Rahmenbedingungen so anzupassen, dass sie ihre Aufgabe möglichst gut erfüllen können: den Dienst am Bürger zu tun.

Auf allen politischen Ebenen ist solch ein Fusionsprozess aufsehenerregend, im wirtschaftlichen Handeln nicht. Wer ein Unternehmen erfolgreich führen will, muss ständig prüfen, ob Betriebsgröße, Ausrichtung und Schwerpunkte noch stimmen oder angepasst werden müssen. Dass der neue, der große Landkreis Göttingen nun fit für die Zukunft ist, ist vor allem Bernhard Reuter zu verdanken. Selbstverständlich haben Landtag, Ministerpräsident, die Landtagsabgeordneten, die Kreistagsmitglieder und viele andere Anteil, einige sogar großen. Aber Reuter war Initiator und spiritus rector dieses Vorhabens und hat mit einer Mischung aus Ausdauer und Elan die Situation analysiert, einen Plan entworfen und umgesetzt. Und er war der einzige, der zumindest in beruflicher Hinsicht alles riskiert hat.

Die förmliche Fusion vom Vorstellen der Pläne bis zu den Beschlüssen der Kreistage und des Landtages ist ihm erstaunlich konfliktarm und geräuschlos geglückt. Dass aber sogar die Personalratsvorsitzende der Osteroder Kreisverwaltung, Helga Heise, in ihrer Rede nicht Fatalismus und Besiegtenhaltung anklingen ließ, sondern einen aufgeschlossenen Grundton anstimmte, zeigte, dass Reuter offenbar auch der fast wichtigste Teil der Fusion, gleichsam die Haltungsnote, geglückt ist: Die Fusion mit allen Mitarbeitern umzusetzen, vor allem mit denen aus der Osteroder Kreisverwaltung und nicht in Konfrontationshaltung gegen die, die eine erfolgreiche Kommunalverwaltung ausmachen: motivierte Menschen.

Die Kreisfusion war vielleicht nicht alternativ-, aber auf jeden Fall beispiellos. Jetzt geht es darum, mit den Pfunden zu wuchern, die ein solch großer und leistungsstarker Landkreis zu bieten hat. Aber bis zur Konstituierung des neuen Kreistages sollen alle Beteiligten einfach noch in Ruhe das Gefühl genießen, an etwas politisch Historischem mitgewirkt zu haben. Genau das nämlich ist diese Kreisfusion. Gratulation und Glückwunsch.

Christoph Oppermann

c.oppermann@goettinger-tageblatt.de

Twitter: @tooppermann

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Mit etwa 300 geladenen Gästen und nahezu allen Verwaltungsbeschäftigten haben die Landkreise Göttingen und Osterode am Dienstag ihre Fusion zum neuen Kreis Göttingen gefeiert. Der freiwillige Zusammenschluss zeuge von Weitsicht und sei "etwas ganz Besonderes", sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

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Von Redakteur Christoph Oppermann

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