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Der ewige Landrat

Kommentar zur Stichwahl Der ewige Landrat

Bernhard Reuter wird der erste Landrat im neuen Großkreis Göttingen. Glückwunsch. Es war letztlich eine klare Sache - 56,2 zu 43,8 Prozent. Und es ist fast eine folgerichtige Entscheidung, die die Wähler getroffen haben. Reuter ist der Motor der Kreisfusion von Göttingen und Osterode. Er war Landrat am Harzrand, dann in der Universitätsstadt und nun Chef der nach der Region Hannover vielleicht wichtigsten Verwaltungseinheit im Land.

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Bernhard Reuter

Quelle: PH

Wie in einem politischen Lehrbuch hat es Reuter geschafft, in den vergangenen Jahren den schwierigen Weg einer freiwilligen Fusion vorzubereiten und die Politik gegen viele Widerstände unter einen Hut zu bringen. Chapeau. Zudem hat er den traditionellen Zwist um Finanzen zwischen der Stadt Göttingen und dem alten Landkreis befriedet. Diese Leistung klingt sehr theoretisch und ist für den Wähler nur schwer zu fassen. Aber Reuter hat Recht, wenn er sagt, dass mit dem neuen Landkreis eine von ihrer Größe und Struktur her zukunftsfähige Einheit entstanden ist. Mit seiner Wahl kommt nun der fast noch schwierigere Teil seines Werkes. Er muss liefern. Bürgernahe Dienstleistungen, Erfolge in der Wirtschaftsförderung, für fünf Euro mit dem öffentlichen Nahverkehr durch den neuen Landkreis –das waren seine wichtigsten Themen. Und all das muss Reuter mit einer schwierigen Konstellation im neuen Kreistag mit zehn(!) Parteien erreichen. Rot-Grün hat keine Mehrheit, da wird der Landrat vor allem auch als Moderator gefragt sein. Sein CDU-Kontrahent Ludwig Theuvsen hat ihn immerhin die Stichwahl gezwungen. Mehr war nicht drin. Aber warum nur hat er nicht härter zugebissen? Der Herausforderer blieb bei der Kritik an Reuter stets im Ungefähren. Und wenn der einzige Coup der vergangenen zwei Wochen darin bestand, dass die Piraten den CDU-Mann zur Wahl empfohlen haben, weil er gegen das Badeverbot am Rosdorfer Baggersee eintritt, dann spricht das Bände. Theuvsen hat Reuter nicht wirklich stellen können, und es hat zudem keine „Anti-Reuter-Stimmung“ in der Bevölkerung gegeben, wie es gestern Abend im Kreishaus ein Unionsmann aus der ersten Reihe trefflich formulierte. Aber Theuvsen hat sich warmgelaufen. Es wird sicherlich noch weitere Wahlen geben, bei denen er als Kandidat denkbar ist. Seine fast 2.000 Stimmen für den Stadtrat und der Vorsitz in der Stadt-CDU machen klar: ohne Theuvsen geht nicht viel bei der Union. Vielleicht wird er ja ein Aspirant für die Wahl des nächsten Oberbürgermeisters? Einziger Makel des gestrigen Wahltages: Gerade einmal 30,8 Prozent aller Wahlberechtigten haben ihre Stimme abgegeben. So haben nur rund 46.000 Göttinger Bernhard Reuter zum ewigen Landrat gemacht. Ein Makel, mit dem er leben kann.

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Von Redakteur Dr. Uwe Graells

Der Wochenrückblick vom 3. bis 9. Dezember 2016