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Kommt der IS-Selbstmord-Attentäter aus Göttingen?

Tageblatt-Leser wollen ihn erkannt haben Kommt der IS-Selbstmord-Attentäter aus Göttingen?

Er sitzt am Steuer eines nagelneuen Toyota-Geländewagens und reckt den Zeigefinger empor. Das Lächeln wirkt fast verlegen. Dieser Mann mit Kampfnamen Abu Ibrahim al-Almani hat sich bald nach dem Fototermin im Irak in die Luft gesprengt – mitsamt seinem Toyota. Mit ihm ein Brite, ein Serbe und ein Afghane. Elf Tote und 27 Verletzte sollen auf das Konto des Terroristen-Quartetts gehen. Jetzt wird bekannt: Der Deutsche unter ihnen soll ein Göttinger gewesen sein.

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Drohgebärde des IS: Gereckter Zeigefinger vor den Autos, mit denen sich al-Almani (links) und seine Mittäter in die Luft sprengten.

Quelle: EF

Tikrit/Göttingen. Ob das stimmt, das ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft Hannover. Deren Sprecher Thomas Klinge bestätigt auf Anfrage den Eingang einer Anzeige. Danach soll der lächelnde Bärtige im Toyota der Göttinger Jacek S. sein, der Anfang April aus seiner Wohnung in der Göttinger Südstadt verschwand und sich nach Tageblatt-Informationen dem IS anschloss. Gleich mehrere Tageblatt-Leser meldeten sich am Wochenende und verwiesen darauf, dass die von der IS-Propagandaabteilung im Internet verbreitete Fotostrecke ihrer „Märtyrer“ den Göttinger zeige. Polizei und Staatsanwaltschaft konnten das bisher nicht bestätigen. Die Strafverfolger aus Hannover lassen den Verdacht aber nun offiziell klären.

 
Wenn er es wäre, hätte er sich im Terrorcamp des IS körperlich gut erholt. Nachbarn beschreiben den Mann Ende 20 als „hager“ und „schmal im Gesicht“. ansonsten gebe es mit dem vom IS verbreiteten Foto eine große Ähnlichkeit. Ehe er in Göttingen verschwand, habe sich S. auch einen Bart wachsen lassen.

 
S. hatte bis April in der Südstadt nahe der Leine gelebt. Er sei in Polen geboren, heißt es, sei Konvertit, habe aber keineswegs sehr religiös gelebt und auch einen – für Muslime unreinen – Hund gehalten. Zuletzt habe er sich allerdings radikalisiert und sei mit Nachbarn mehrfach deshalb in Streit geraten, wobei er laut und aggressiv geworden sei.

 
Die Selbstmordanschlag-Serie ereignete sich nach IS-Darstellung am Sonnabend an der Straße zwischen Tikrit und Baidschi in dem Ort Hadschadsch. Nacheinander hätten die Terroristen ihre mit Sprengstoff gefüllten Geländewagen in Menschenmengen gefahren und gezündet.

 
Überregionale Medien hatten am Wochenende den Bonner IS-Kämpfer Yassir Chouka als mutmaßlichen Täter genannt. Er trug früher den Namen, den der IS verbreitete. Chouka allerdings ist nach Informationen von Irak-Experten bereits im April bei einem Feuergefecht getötet worden. Gut möglich, dass ein Nachfolger, der wie er Deutscher (al-Almani) ist, dessen Kämpfernamen angenommen hat. Das würde mit dem Zeitpunkt der Einreise des Göttingers in den Irak übereinstimmen. Inzwischen ist die Polizei beauftragt, die in Göttingen lebende Familie von Jacek S. mit den Fotos des IS zu konfrontieren.

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