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Kommunalverwaltungen befürchten Fachkräftemangel

Kräfte für die Zukunft bündeln Kommunalverwaltungen befürchten Fachkräftemangel

Die Göttinger Landkreisverwaltung befürchtet für die Zukunft einen Mangel an Verwaltungsfachkräften. Ein Grund: die immer komplexeren Aufgaben, erläutert Landkreis-Sprecher Ulrich Lottmann. Ein anderer: In der Regel werden in der freien Wirtschaft höhere Gehälter gezahlt.

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Noch ist die Göttinger Kreisverwaltung personell gut aufgestellt, wie hier in der Zulassungsstelle in Göttingen.

Quelle: Hinzmann

Göttinger. Beispielsweise seien bei Planung und Genehmigung von Biogasanlagen enormes Fachwissen notwendig, erklärt Lottmann. Zwar sei die Lage „noch nicht akut“, der Landkreis bereite sich dennoch auf mögliche Personal-Engpässe vor. So bilde der Landkreis weiterhin Verwaltungsnachwuchs aus.

Zudem sei auch die Fusion der Landkreis Göttingen und Osterode mit Blick auf einen möglichen Mangel an Fachkräften vorangetrieben worden. „Damit bündeln wir Kräfte für die Zukunft“, sagt Lottmann. Die künftige fusionierte Verwaltung könne bei komplexen Aufgaben effizienter arbeiten.

In der Gemeinde Rosdorf gebe es in Sachen Fachkräftemangel „aktuell noch keine Schwierigkeiten“, sagt auch Gemeindebürgermeister Sören Steinberg (SPD). Man bilde über Bedarf aus, für die Ausbildungsstellen gebe es viele gute Bewerbungen. Der Gemeinde Rosdorf komme zudem zugute, dass „wir eine sehr junge Verwaltung haben“. Gerade seien für den Rosdorfer Bauhof zwei neue Mitarbeiter eingestellt worden. Für die Personalsituation in der weiteren Zukunft ist Steinberg allerdings skeptisch.

In der Verwaltung des Fleckens Bovenden gibt ebenfalls keinen Mangel an Fachkräften. Allerdings seien dort auch weniger Stellen zu besetzen als im Landkreis, erklärt ein Verwaltungssprecher. Alle zwei Jahre kämen auf die Ausbildungsstelle zum Verwaltungsfachmann etwa 100 Bewerbungen. Nachwuchs sei also genug vorhanden. Angst vor dem demografischen Wandel habe er nicht, sagt der Sprecher – der Altersschnitt liege bei 40 Jahren.

In Gieboldehausen nicht spürbar

Die Northeimer Kreisverwaltung hingegen würde mehr Fachkräfte einstellen, könne dies allerdings wegen eines Einstellungsstopps nicht umsetzen, sagt eine Sprecherin der Personalverwaltung. Das Interesse an den Ausbildungsstellen des Landkreises sei groß, es gebe immer genug Bewerber.

Bisher sei der Fachkräftemangel in der Verwaltung der Samtgemeinde Gieboldehausen nicht spürbar, berichtet Samtgemeindebürgermeisterin Marlies Dornieden (CDU): „Alle Stellen sind besetzt, und zwar mit entsprechend ausgebildetem Personal.“ Allerdings glaubt sie, dass sich der Zustand in den kommenden Jahren ändern könne. So bereite sie sich schon jetzt darauf vor, einem eventuellen Fachkräftemangel zu begegnen: Es werden Praktikanten genommen und Fachoberschüler, die ein Praktikum ableisten.

Ähnlich vorausschauend plant die Verwaltung der Stadt Duderstadt, berichtet Bettina Steinmetz. Zuletzt seien Fachkräfte für den Bauhof der Stadt Duderstadt gesucht worden, woraufhin es eine Vielzahl von Bewerbungen gegeben habe. Schwieriger sei es, im sozialen Bereich, bei Erziehern und Sozialassistenten beispielsweise, fündig zu werden: „Hier sieht man schon jetzt, dass der Markt nicht mehr so üppig besetzt ist.“ Generell aber sei die Lage in Duderstadt „problemlos“.

„Der demographische Wandel macht auch vor den Toren der Stadt Göttingen nicht halt“

Nach Aussagen von Detlef Johannson, Sprecher der Göttinger Stadtverwaltung, stellt der Fachkräftemangel und der damit einhergehende „war of talents“ für die Stadt eine Herausforderung dar. Besonders betroffen seien die Bereiche, in denen die Stadt nicht selber ausbildet. Den Bedarf in den klassischen Verwaltungsbereichen möchte die Verwaltung vornehmlich mit eigenen Auszubildenden und Anwärtern decken.

Insgesamt beschäftigt die Stadt derzeit 81 Auszubildende. Ab August 2015 sollen 20 Auszubildende für den Verwaltungsbereich eingestellt werden.

Durch flexible Arbeitszeiten, Telearbeit, Belegplätze in einer Kinderkrippe und diverse Fortbildungsmöglichkeiten soll die Attraktivität der Arbeitsplätze gesteigert werden. Um diese gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben kümmert sich die Stadt Göttingen seit 2009 zusammen mit dem Audit „berufundfamilie“ der Hertie-Stiftung.

Johannson geht davon aus, dass sich der Fachkräftemangel in den nächsten Jahren noch verschärft. „Der demographische Wandel macht auch vor den Toren der Stadt Göttingen nicht halt.“

Viele Mitarbeiter würden in den kommenden Jahren die gesetzliche Altersgrenze erreicht haben. Verschärfend kämen die Rente mit 63 und die Fluktuation zu anderen öffentlichen Arbeitgebern hinzu.

Von Matthias Heinzel, Sebastian Wels und Nadine Eckermann

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