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Konsequente Naturwaldwirtschaft erhöht die Erträge aus dem Göttinger Stadtwald

„Die Dicken zu uns“ Konsequente Naturwaldwirtschaft erhöht die Erträge aus dem Göttinger Stadtwald

Der Göttinger Stadtwald: „Ein Sparbuch für die Stadt mit Top-Verzinsung“ nennt Martin Levin, Leiter des Fachdienstes Stadtwald, sein Revier. Er beziffert das Anlagevermögen im Wald mit rund 19 Millionen Euro. Mit der jährlichen Erhöhung des Holzvorrates um rund 9200 Festmetern und einem derzeitigen durchschnittlichen Verkaufspreis von 80 Euro pro Festmeter liege der Wertzuwachs im Stadtwald bei knapp 740 000 Euro im Jahr, rechnet Levin vor.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Zwischen 325 000 und 400 000 Euro erwirtschaften Levin und sein Team Jahr für Jahr aus dem Göttinger Stadtwald. Levin geht davon aus, dass sich bei konsequenter Anwendung der eingeschlagenen Naturwaldwirtschaft in 30 Jahren rund 870 000 Euro aus dem Holzverkauf erzielen lassen. „Mit diesem Betrag kann der Waldbetrieb der Stadt alle Ausgaben inklusive der Kosten für soziale Dienstleistungen bezahlen“, sagt Levin.

Das Ziel der Naturwaldwirtschaft lautet für Levin: „Die Dicken zu uns.“ Der Holzwert steige mit zunehmenden Durchmesser der Bäume stark an, die Erntekosten im Gegenzug aber nur gering. Während etwa bei Bäumen mit einen Stammdurchmesser von bis 25 Zentimetern rund 30 Euro Erntekosten rund 40 Euro Verkaufserlösen pro Festmeter gegenüber stehen, liegen die Erntekosten bei mehr als 60 Zentimeter durchmessenden Bäumen bei rund 20 Euro pro Festmeter, die Erlöse aber bei rund 150 Euro. Die logische Konsequenz daraus: „Der Anteil der alten Bäume mit entsprechenden Durchmessern soll im Stadtwald kontinuierlich angehoben werden“, sagt Levin. So hätten diese mit vier zehn Kubikmeter Holz pro Stamm ein sehr großes Holzvolumen. Pro Hektar ergäben sich so bis zu 800 Kubikmeter Holzvorräte.

Gleichzeitig sucht Levin nach der „bestmöglichen Vermarktung“ des Göttinger Holzes. „Intensive“ Marktbeobachtung, Verkauf an den Kunden mit der „jeweils höchsten Wertschöpfung“, „optimal“ auf Kunden eingehen und eine „Just-in-Time-Lieferung“ gehörten dazu.

Neben der wirtschaftlichen Nutzung des Waldes sollen im Stadtwald wie in einem unbewirtschafteten Naturwald flächendeckend Lebensraum für seltene und gefährdete Wildarten erhalten oder geschaffen werden. „Der Luchs ist da“, sagt Levin. Etwa zehn Wildkatzen und „Wildschweine ohne Ende“ auch. Gleichzeitig seien im Stadtwald auch viele bedrohte Käferarten ebenso heimisch wie seltene Pilze: wie etwa der Hypocrea Parmastoi, der in Niedersachsen bislang nur in Göttingen gefunden wurde. mib

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