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Krankenschein für Papierlose

Medizinische Flüchtlingshilfe Krankenschein für Papierlose

Menschen ohne Aufenthaltstatus können künftig zum Arzt gehen, ohne dass dieser ihre Identität offenlegt und damit die Behörden auf den Plan ruft. Möglich macht das der Modellversuch zum anonymen Krankenschein, den die medizinische Flüchtlingshilfe ab Januar in Göttingen ausgibt.

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Thomas Grawe und Helen Wirtz, Mitglieder der medizinischen Flüchtlingshilfe, richten die neue Geschäftsstelle ein.

Quelle: Wenzel

Göttingen. „Illegalisierte können nun in eine normale Praxis gehen und dort behandelt werden“, erklärt Anna Domdey. In der neuen Geschäftsstelle der Flüchtlingshilfe prüft sie künftig, ob eine Mittellosigkeit vorliegt und ob kein legaler Aufenthaltsstatus verfügbar ist. Dann stellen Domdey und ein Kollege den Krankenschein aus. „Ohne dass die Identität von Illegalisierten durch irgendeine Krankenkasse oder Arztpraxis offengelegt wird“, können Ärzte so ihre Leistungen mit den Kostenträgern abrechnen, freut sie sich. Denn bisher meiden viele sogenannte Papierlose das Gesundheitssystem aus Angst vor einer Abschiebung.

In den vergangenen 20 Jahren hat diesen die medizinische Flüchtlingshilfe ehrenamtlich und mit Hilfe „eines stabilen Netzwerks aus Ärzten“ geholfen, beschreibt die Ärztin Lea Herrmann die bisherige Arbeit des Vereins. Nun unterstützt das Land Niedersachsen den dreijährigen Modellversuch in Göttingen und Hannover. 120 000 Euro sind für Legalisierungsberatungen eingeplant, weitere 1,5 Millionen Euro fließen an die Kostenträger. Dem ist ein langer Streit auf Landesebene vorausgegangen: Während die Landes-CDU in der anonymen Krankenversorgung für Papierlose ein „verheerendes Signal“ sah, hat sich die Flüchtlingshilfe eine medizinische Regelversorgung gewünscht. Der Kompromiss, die eingeschränkte Versorgung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, „ist schon was“, findet Herrmann. Allerdings schließt das Gesetz die Behandlung vieler chronischer Erkrankungen aus. Nur akute Probleme zu behandeln, sei aber, „als würde man im Fall von Bluthochdruck erst den Herzinfarkt abwarten“, so Herrmann weiter.

Außerdem habe die letzte Asylreform der Bundesregierung den Spielraum weiter verkleinert. Viele Leistungen seien für Menschen in der Illegalität, aber auch mit Duldung oder unsicherem Aufenthaltsstatus gestrichen worden, erklärt sie die Auswirkungen. Das sei „Medizinisch-ethisch überhaupt nicht zu vertreten“, weshalb die medizinische Flüchtlingshilfe auch ihre ehrenamtliche Arbeit fortsetzen will.

Die Ausgabe der Anonymen Krankenscheine beginnt am 18. Januar. Die Geschäftsstelle der medizinischen Flüchtlingshilfe in der Goethe Allee 12 hat dann montags und mittwochs zwischen 10 und 12 Uhr, donnerstags zwischen 15 und
17 Uhr sowie freitags von 8.30 Uhr bis 10.30 Uhr geöffnet.

Von Christoph Höland

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