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Krebspatientinnen bekommen im Gesundheitsamt Make-Up-Tipps

Kosmetik statt Krankheit Krebspatientinnen bekommen im Gesundheitsamt Make-Up-Tipps

„Was wirklich angenehm ist: Man muss sich nicht mehr die Beine rasieren.“ Wer nicht selbst an Krebs erkrankt ist und keine Chemotherapie durchmachen musste, würde sich nicht trauen, diesen Satz in der Öffentlichkeit mit mehr als einem Lächeln zu quittieren.

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Gut beraten: Helga Micklich (links) berät eine Teilnehmerin. Auch sie war vor einigen Jahren an Krebs erkrankt.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Die gute Stimmung unter den zehn Frauen aber, die sich nicht kennen und doch so vieles gemeinsam haben, ist ansteckend. Sie sind im Gesundheitsamt zusammengekommen, um zu lernen, wie sie die äußerlichen Folgen der Therapie kaschieren können.

„Look good, feel better“ ist der Leitsatz des Angebots von DKMS Life, das in Göttingen vom Verein Horizonte und dem Gesundheitsamt organisiert wird.  Bis zu diesem ersten trockenen Scherz einer Teilnehmerin  vergehen ein paar stille Minuten. Die ersten Frauen haben ihre Perücken abgenommen: „Stört das wen?“, fragt jemand. Natürlich stört es keinen.

Danach sind die Teilnehmerinnen damit beschäftigt, die weißen Taschen auszupacken, die vor ihnen auf den Tischen stehen. „Kosmetikprodukte im Wert von 300 Euro“, sagt die Berliner Kosmetikerin Helga Micklich. Das erstaunte Raunen scheint sie nicht zu überraschen. Für die DKMS führt sie in ganz Deutschland schon lange kostenlose Seminare durch, seitdem es sie selbst mal erwischt hat. Die von Kosmetikfirmen gesponserten Produkte ändern vielleicht nichts am Gesundheitszustand, helfen aber auf andere Weise: „Wenn man sich gut fühlt, geht auch das Immunsystem nach oben“, sagt Micklich. Ihr selbst habe das Angebot damals neue Kraft verliehen.

"Von 1928 bis 1988 alles dabei“

Vielleicht auch, weil es Betroffene zusammenführt ohne deren Austausch auf die Krankheit zu beschränken, die sie ursprünglich hergeführt hat. Hier, das wird schnell klar, geht es nicht ums Kranksein, sondern um Kosmetik. Nach der Gesichtsreinigung und -massage tragen die Teilnehmerinnen Abdeckpuder auf. „Eindrücken, nicht verstreichen“, rät Micklich.

Den Übergang von Gesicht zu Hals und Dekolleté verwischt sie mit einem Papiertuch, sodass der Übergang weicher und das Make-Up fast unsichtbar wird. Sabine Völker vom Verein Horizonte bietet das Seminar in Göttingen zum fünften Mal an. „Besonders ist die Bandbreite an Teilnehmerinnen. Von Jahrgang 1928 bis 1988 hatten wir schon alles dabei“, erzählt die Pflegeexpertin für Brusterkrankungen. Die Seminare seien aber auch für Betroffene anderer Krebsarten gedacht. Bundesweit organisiert DKMS Life jährlich in über 250 Einrichtungen rund 1200 Kosmetikseminare für Krebspatientinnen in Therapie – immer mit Unterstützung von Partnern vor Ort.

Unterdessen beantwortet Micklich weitere Fragen. Nur eine davon richtet sich nicht an sie, sondern an die anderen Teilnehmerinnen: „Was machen wir eigentlich nach dem Seminar, jetzt, wo wir alle so gut aussehen?“       

Von Jonas Rohde

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