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Krieg? „Es ist nichts anderes als Fußball“

Paintball Krieg? „Es ist nichts anderes als Fußball“

Die Paintball-Szene kocht – auch in der Region. Grund ist die aktuelle Debatte über das Spiel der Freizeit-Rambos, das manch ein Politiker als „sittenwidrig“ bezeichnet. Der Paintball-Sportverein Göttingen indes sieht sich in der Rolle des „Bauernopfers“. Die Betreiber der Paintball-Halle in Volkmarshausen bei Hann. Münden fürchten gar um ihre Existenz.

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In Deckung: Gino Fiume nimmt in der Paintball-Arena im Schutz eines Pylons seinen Gegner ins Visier.

Quelle: Pförtner

Nebelschwaden wabern durch die ehemalige Lagerhalle. Tausende kleiner Kugeln sind auf dem Filzboden verstreut. Aufgeplatzt liegen sie da. Überall klebt Farbe. Auch die mit Luft gefüllten Pylone, die aussehen wie riesige Rettungsbojen, sind gelb, grün oder orange bespritzt. Allein Rot fehlt. „Das würde zu sehr Blut ähneln“, erklärt Gino Fiume, einer der Betreiber der Paintball-Halle in Volkmarshausen. 

Paintball, bei dem zwei Teams mit Luftdruckwaffen und Farbmunition aufeinander losgehen, steht am Pranger. Einen Verbotsplan zog die Große Koalition zwar jüngst zurück. Doch die Mannschaftssportler, wie sie sich selbst nennen, sind gewarnt. Waffen? „Nein, wir nennen das Markierer“, sagt Fiume, der die Halle vor drei Jahren mit Thomas Otto eröffnet hat.

Ohnehin sei alles halb so schlimm, beschwichtigen die beiden. Das Spiel habe viel mehr mit Taktik und Teamgeist zu tun denn mit wilder Ballerei. Aggressionen würden nicht geschürt, sondern abgebaut. Und den Vorwurf, die Freizeit-Rambos würden Krieg spielen, kann Otto nicht mehr hören. „Es ist nichts anderes als Fußball.“

Genauso harmlos sei im Übrigen die Klientel. „Bei uns spielen auch Ärzte und Anwälte“, sagt Fiume. Und 20 Prozent der Akteure seien sogar Frauen. Zudem müssten Paintball-Spieler mindestens 18 Jahre alt sein. Ein weiterer Beleg für Otto, wie sehr die Debatte an der Realität vorbeigeht. „Keiner der Amokläufer kann Paintballer gewesen sein, denn das waren alles Schüler“, sagt er. Die hätten auch in ihrer Halle keinen Zutritt, das werde kontrolliert – wenn auch nur stichprobenartig.

Rund 40000 Euro haben die Betreiber in ihre „Paintball-Battle-Arena“ (battle: englisch für Kampf) investiert, die sie „nur nebenbei“ betreiben. Zwar läuft die Halle gut, doch ein Paintball-Verbot hätte durchaus Konsequenzen. „Das Geld wäre natürlich futsch“, sagt Otto. Die Möglichkeit, Paintball zu spielen, freilich auch.

Adrenalin in den Adern

Denn das war einst der Grund, warum Otto die Halle in Südniedersachsen aufzog. So sparte er sich lange Wege (die nächste Halle steht in Braunschweig) und konnte trainieren, wann immer er wollte. Er liebt „den Ehrgeiz, es zu schaffen, nicht getroffen zu werden“. Das Adrenalin, das ihm durch die Adern schießt, wenn er rennt, sich duckt, weiterrennt und schießt. „Das ist einfach cool“, meint Otto, der mit den „Cassel Gentlemen“ in der Deutschen Paintball-Liga spielt.

Für das Training der Gentlemen gibt es in der Halle ein eigenes Feld. Es ist ganz sauber. Hier wird mit Weichgummi geschossen. Die Farbkugeln sind einfach zu teuer. Sie enthalten Lebensmittelfarbe. „Die kann man sogar essen“, sagt Otto. „Schmeckt aber nicht.“

Von Andreas Fuhrmann

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