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Kriegsende in Göttingen

Stadtführung Kriegsende in Göttingen

Der 8. Mai 1945, der Tag der Kapitulation der Wehrmacht, ging spätestens seit der berühmt gewordenen Rede von Bundespräsident Richard von Weizsäcker als Tag der Befreiung in die Geschichte ein. Für die Göttinger Bürger wurde diese Befreiung vom faschistischen Regime bereits einen Monat vorher, am 8. April, Realität, als Kampfverbände der US-Armee ohne nennenswerte Gegenwehr in die Stadt einrückten.

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Klaus Magnus erklärt vor dem Alten Rathaus, das hier Bürgermeister Albert Gnade die Stadt dem US-Kommandeur übergab.

Quelle: Heller

Göttingen. Über die Ereignisse des 8. April, aber auch über die Nachkriegszeit in der Universitätsstadt, informierten sich am Mittwoch die Teilnehmer einer Stadtführung.

Der ehemalige Geschichtslehrer und heutige Gästeführer Klaus Magnus führte die rund 20 Gäste an historische Orte, an denen die Alliierten präsent waren.

Die Führung startete am Alten Rathaus, an dessen Treppe der damalige Bürgermeister Albert Gnade die Stadt dem US-Kommandeur übergab. In einem „formalen und völlig überflüssigen Akt“, wie die Amerikaner später ironisch notierten. Göttingen wurde kampflos übergeben. Bereits am 6. April hatte das Oberkommando des Heeres den Verteidigungsbefehl der Stadt aufgehoben und die noch kampffähigen Einheiten verlegt.

Zum Kriegsende hin war die Stadt von Flüchtlinge nüberfüllt, die Bevölkerungszahl hatte sich zeitweilig verdoppelt. Eine Verteidigung hätte zwangsläufig viele zivile Opfer bedeutet. NSDAP-Kreisleiter Thomas Gengler versuchte zwar noch die Hitlerjugend aufzustacheln, begab sich am Morgen des 8. April aber schließlich selbst auf die Flucht vor den anrückenden US-Soldaten.

In Göttingen prägten daraufhin bald britische Soldaten, die die Kampfverbände der US-Armee ablösten, das Stadtbild. Häuser wurden für die Zwecke der Alliierten beschlagnahmt, auf den Straßen sah man Militärfahrzeuge und uniformierte Soldaten.

So wurde zum Beispiel im Eckhaus der Weender Straße/Barfüßerstraße das British Informations Centre, bekannt geworden unter dem Namen „Die Brücke“, untergebracht. Dort wurden Filme gezeigt, es konnten Bücher gelesen und Nachrichten gehört werden. Die Brücke sollte sinnbildlich die Deutschen wieder mit dem Rest der Welt verbinden.

Von Benjamin Köster

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