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Kritik und Lob für Notdienst

Kinder- und Jugendärztlicher Bereitschaftsdienst Kritik und Lob für Notdienst

Der Kinder- und Jugendärztliche Bereitschaftsdienst im Uni-Klinikum Göttingen hat seinen Betrieb aufgenommen. Am Sonnabend, dem ersten Tag, wurden bis mittags bereits neun kleine Patienten versorgt - einige Eltern mussten eine etwas weitere Anreise als sonst in Kauf nehmen.

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Der Kinder- und Jugendärztliche Bereitschaftsdienst im Uni-Klinikum Göttingen hat seinen Betrieb aufgenommen.

Quelle: Warda

Göttingen. Am Sonnabendmittag wirkt es, als habe die Kinderärztin Ute Leib noch nie woanders gearbeitet: Routiniert bewegt sie sich in den Behandlungsräumen in der ersten Etage des Uni-Klinikums, auf den Lippen stets ein flotter Spruch.

Öffnungszeiten

Der Bereitschaftsdienst (Uni-Klinikum, Osteingang, Aufzug B4) ist mittwochs von 18 bis 22 Uhr, freitags von 16 bis 22 Uhr und sonnabends, sonntags sowie feiertags von 10 bis 20 Uhr geöffnet, ebenso Heiligabend und Silvester. Nachts übernimmt das Klinikum. Eine Anmeldung ist nicht nötig, die Telefonnummer 05 51 / 70 70 93 45 (wird dieser Tage freigeschaltet) sollte nur bei Nachfragen gewählt werden.

Leib gehört zu 35 Kinderärzten, die sich seit Sonnabend im Bereitschaftsdienst für Göttingen und die Region abwechseln. Nötig geworden ist der zentralisierte Dienst unter anderem durch die strikte Vorgabe der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Niedersachsen, die bis Ende 2017 eine Frist gesetzt hatte. Ziel ist es unter anderem, die Zahl der kinderärztlichen Bereitschaftsdienste zu reduzieren.

„Ich hatte bis jetzt nicht so viel Freiraum“, berichtet Leib, die in Bad Lauterberg praktiziert. Oftmals habe sie von Sonnabendmorgen mit Montagmorgen Dienst gehabt, unterstreicht die Ärztin.

Die neue Vorgabe hat keinen Interpretationsspielraum gelassen: Nur noch maximal zwölf Dienste sollen zukünftig pro Jahr geleistet werden. Durch den Pool von 35 Kinderärzten kann diese Auflage erfüllt werden.

Wellen der Empörung

Der Nachteil: Eltern und ihre Kinder müssen durch die Kreisfusion zum Teil eine weite Anreise bis aus dem Harz in Kauf nehmen, so wie Leib selbst auch. Erschwerende komme hinzu, berichtet die Kinderärztin, dass ausgerechnet jetzt die Bundesstraße 27 bei Ebergötzen gesperrt ist. „Das ist natürlich eine mittelschwere Katastrophe.“ Die Wellen der Empörung schlagen bereits seit einigen Wochen hoch: Eine Bürgerinitiative hat sich mit dem Ziel gebildet, den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst im Altkreis Osterode zu halten, und auch in Kommentaren auf der Tageblatt-Facebookseite wird Kritik laut: Von „Sauerei“ ist da die Rede, die Maßnahme sei „kinderunfreundlich“.

Es habe keine Möglichkeit gegeben, den Kindernotdienst „so weiterzubetreiben“, kontert Matthias Feindt, Sprecher der südniedersächsischen Kinderärzte. Nicht nur, dass die KV Notdienste in der bisherigen Form als nicht tolerabel erachtet habe, die Alternative sei auch lediglich gewesen, mit dem Kind zukünftig am Wochenende oder abends zum Allgemeinmediziner zu gehen. „Dann hätte es keine spezielle Versorgung mehr gegeben.“ In Goslar werde das praktiziert, der Dienst im Uni-Klinikum sei im Vergleich „Luxus“.

Feindt weist darauf hin, dass es sich um eine freiwillige Leistung der Kinderärzte handelt - und sieht die Anspruchshaltung mancher Eltern kritisch. Im Klartext: die Fachliteratur im Regal, aber bei Ohrenschmerzen sofort zum Notdienst. „Wir betreiben in erster Linie Elternberuhigung“, sagt Feindt. Das sieht auch Leib so. In Notfällen, etwa bei Bewusstlosigkeit, müsse sowieso der Notruf 112 gewählt werden.

Selbstverständlich bereite ein fieberndes Kind Sorge, und es sei auch ein Nachteil, viele Kilometer zum Notdienst zu fahren, räumt Clemens Freiberg, Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Uni-Klinikum, ein. Jedoch habe man nun ein unter den Voraussetzungen „ideal zugeschnittenes Angebot“.

Versorgung sicherstellen

Harald Jeschonnek, Geschäftsführer der KV-Bezirksstelle Göttingen, führt die allgemeine kinderärztliche Versorgung als ein Argument für die Fristsetzung an: Eine hohe Zahl an Bereitschaftsdiensten habe regelmäßig dazu geführt, dass sich interessierte Mediziner woanders umgeschaut haben. „Wir müssen alles, was abschreckt, abstellen“, so der KV-Vertreter.

In der Zwischenzeit ist der zehnte Patient eingetroffen: die elfjährige Mona Nolting, die von Mutter Sonja begleitet wird. Sie seien „schnell drangekommen“, die Befürchtung, lange warten zu müssen, habe sich nicht bewahrheitet. Die Noltings sind angetan vom Bereitschaftsdienst im Uni-Klinikum. Aber sie kommen halt auch aus Geismar...

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