Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Göttinger Archäologen erwarten neue Funde

Kuqua-Baustelle Göttinger Archäologen erwarten neue Funde

Die Göttinger Stadtarchäologie hofft auf weitere wichtige Funde im Kunstquartier. Es sei wahrscheinlich, dass bei den Arbeiten für das Kunsthaus an der Düsteren Straße ähnliche Funde zutage treten wie bei den Grabungen auf dem Gelände des Grass-Hauses, sagt Verwaltungssprecher Detlef Johannson.

Voriger Artikel
Bringdienst in Göttingen überfallen
Nächster Artikel
Entspannen mit Blick auf die Weser
Quelle: CH

Göttingen. Das Haus an der Düsteren Straße 6, dessen Baujahr um 1310 liegt, ist das älteste Gebäude Göttingens und zählt zu den 30 ältesten deutschen Fachwerkhäusern. Seit 2015 beherbergt es das Grass-Archiv. Zuvor hatte der Göttinger Verleger Gerhard Steidl das Gebäude über mehrere Jahre aufwendig sanieren lassen.

Holz, Leder, Textil

„Die Ausgrabungen anlässlich der Bauarbeiten für das Grass-Haus haben gezeigt, dass es im Untergrund sehr feuchte Schichten gibt, die eine gute Erhaltung von organischen Materialien wie Holz, Leder, Textil  erlauben“, erklärt Verwaltungssprecher Johannson. Es sei „wahrscheinlich“, dass die Stadtarchäologie bei den Bauarbeiten für das neue Kunsthaus auf ähnliche Funde stoße wie bei den Grabungen auf dem Gelände des benachbarten Grass-Hauses. „Seit denen wissen wir, dass das gesamte Areal des Nikolaiviertels bereits vor dem Jahr 1500 systematisch aufgehöht worden ist“, sagt Johannson. „Die Aufhöhung scheint aufgrund von Überschwemmungen im späten Mittelalter notwendig geworden zu sein. Hierzu weitere Informationen zu bekommen, darauf hofft die Stadtarchäologie.“

Bis es so weit ist, müssen sich die Archäologen aber noch etwas gedulden. Derzeit laufen die vorbereitenden Arbeiten für das geplante Galeriehaus. Mit einem Spezial-Bohrer wird eine Bohrpfahlwand gesetzt. Diese Wand sichert sowohl die Baugrube für weitere Arbeiten, die an die Baugrube angrenzenden Nachbargebäude als auch die Düstere Straße. Die Arbeiten lägen im Plan, sagt Johannson: „Derzeit sind 43 von 112 Pfählen hergestellt.“

600 Tonnen Beton

Fast die Hälfte von insgesamt 600 Tonnen Beton seien bereits verarbeitet worden, so Johannson. In der Regel seien drei  Mitarbeiter der Fachfirma Berger Grundbautechnik vor Ort. Der laute Spezial-Bohrer kommt wochentags bis spätestens 19 Uhr zum Einsatz. Beschwerden habe es bislang nicht gegeben, weder bei der Hochbauverwaltung noch beim Beschwerdemanagement noch vor Ort auf der Baustelle, sagt der Verwaltungssprecher. „Es bewährt sich, dass wir rechtzeitig über mögliche Beeinträchtigungen durch die Baustelle informiert und um Verständnis gebeten haben und dass die Arbeiten mit der entsprechenden Rücksichtnahme auf die Nachbarschaft ausgeführt werden.“ Eine Nummer gegen Baustellen-Kummer ist unter Telefon 05 51 / 4 00 26 21 eingerichtet.

Bis Mitte August soll die Wand stehen, die Baugrube also umschlossen sein. Dann dürfen endlich die Archäologen übernehmen. „Die Stadtarchäologie wird an jeder Innenstadt-Baustelle, bei der es in die Tiefe geht, hinzugezogen, weil sich überall innerhalb des Walls auch Fundstücke der vorherigen Jahrhunderte finden können“, erklärt Johannson. Auch wenn dies „jahrzehntealte Göttinger Praxis“ ist: Bei der Baustelle für das Kunsthaus dürften die Archäologen besonders gespannt darauf sein, was sie zutage fördern.

Im neuen Galeriegebäude des Kunstquartiers (Kuqua) sollen international renommierte Künstler ausstellen. Geplant ist ein attraktives Ausstellungsprogramm von Fotografie und Video, Zeichnung und Druck, Buch- und Plakatkunst. Ziel ist es, zeitgenössische Kunst aus aller Welt in Göttingen zu zeigen. Der weitere Zeitplan: Nachdem die Wand steht und die Baugrube gesichert ist, übernehmen zunächst die Archäologen das Baufeld. Im September beginnen die Erdarbeiten für die fünf Meter tiefe Baugrube, im Oktober der Rohbau. Grundsteinlegung ist für November geplant, das Richtfest für Februar. Eröffnen soll die neue Galerie im Oktober 2018. Die erste Ausstellung im neuen Kunsthaus ist für das Frühjahr 2019 geplant.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Bilder der Woche vom 7. bis 13. Oktober 2017