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LKA und Polizeidirektion bestätigen Göttinger Gruppe der United Tribuns

Noch keine "übliche Machtdemonstration" LKA und Polizeidirektion bestätigen Göttinger Gruppe der United Tribuns

Jetzt haben auch die Sicherheitsbehörden ein Auftreten der rockerähnlichen Gruppe United Tribuns bestätigt. Es seien in Niedersachsen zwei Ortsgruppen bekannt, teilt das Landeskriminalamt mit, eine in Osnabrück, die andere im Raum Göttingen/Kassel. Die meisten Mitglieder, so die Polizeidirektion, wohnen in Südniedersachsen, auch in der Stadt Göttingen.

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Hochburg der United Tribuns in Rottweil. Dort gelten die "Rockerähnlichen" auch als "Türstehervereinigung"

Quelle: dpa

Göttingen. Allerdings: Die Tribuns, so das Landeskriminalamt (LKA), seien im Raum Göttingen noch nicht "im Sinne einer üblichen Machtdemonstration durch Zurschaustellung ihrer Insignien" in Erscheinung getreten, was  eine zahlenmäßige Erfassung erschwere.

Diese Insignien, betextet mit "United Tribuns forever", zeigen zwei gekreuzte muskelbepackte Oberarme im Clinch. Die Polizeidirektion Göttingen, so Pressesprecherin Margret Reinecke, habe aber im Rahmen der Internetaufklärung festgestellt, dass sich einige Personen in Pullovern mit Logos der Tribuns Göttingen darstellen.

Außerdem sei bei einer Fahrzeugkontrolle eine Kutte, also eine mit Aufnähern und Logo bestickte Lederweste, mit entsprechender Aufschrift festgestellt worden. Ein Clubhaus oder einen festen Treffpunkt haben die in Südniedersachsen wohnenden und handelnden Mitglieder der Gruppe nach bisherigen Erkenntnissen nicht. Es gebe auch keine Erkenntnisse, ob die Mitglieder in Clubs oder Discos als Sicherheitskräfte die Türen beherrchen.

Während in dem in Darmstadt (Hessen) laufenden Ermittlungsverfahren gegen zwei Tribuns-Mitglieder wegen räuberischer Erpressung eines Mannes in Rüsselsheim noch die Rede war von einer UT-Gruppe "Kassel/Göttingen", geht die Polizeidirektion davon aus, dass der größte Teil der hiesigen Mitglieder in Südniedersachsen, auch in der Stadt Göttingen gemeldet sind.

Im Bereich Kassel gebe es nur einen kleineren Teil Mitglieder der Ortsgruppe. Die rockerähnliche Gruppe, die wiederum von Motorrad-Rockern wie den Hells Angels gar nicht als Rocker anerkannt sind, nimmt keine Rücksicht auf Grenzen der Bundesländer. Bisher gehen die Ermittlungsbehörden von rund 40 regionalen Gruppen mit mehr als 1800 Mitgliedern aus.

Gegründet wurde die Organisation erst 2004 in Baden-Württemberg durch einen ehemaligen Boxer, deshalb sind traditionell viele Boxer und andere Kampfsportler sowie Bodybuilder Mitglied. Es habe inzwischen eine europaweite Expansion der Gruppe gegeben, teilt das Landeskriminalamt mit und ergänzt: Die Polizei werde auch "bei den rockerähnlichen Gruppierungen konsequent gegen strafrechtlich relevantes Verhalten vorgehen und durch niederschwelliges Einschreiten die von ihnen ausgehende Gefahr bekämpfen".

Verwirrstück um Belastungszeugen

Hells-Angels-Prozess in Kassel stockt, weil Verteidigern Einblick in Akte gegen Zeugen fehlt

Kassel/Adelebsen/Göttingen. Es ist ein bedeutender Prozess, weil die Anklage den Grund liefert, das Hells-Angels-Charter Göttingen zu verbieten. Es ist auch ein verwirrender Prozess, weil den Verteidigern Einblick in für sie wichtige Akten verwehrt wird. Seit sieben Monaten stockt das Verfahren. Im Zentrum steht die zwielichtige Rolle des Belastungszeugen.

Glaubt man der Anklage, hat der 49 Jahre alte Präsident der Göttinger Hells Angels im September 2014 im hessischen Wahlshausen einen damals 60 Jahre alten Mann um 100000 Euro zu erpressen versucht. Er und drei Mittäter, der 51 Jahre alte Bruder des Präsidenten sowie zwei 27 und 28 Jahre alte Probemitglieder (so genannte Prospects) der Hells Angels sollen den nötigen Druck aufgebaut haben. Bei einer fingierten Geldübergabe schlug die Polizei in Bodenfelde zu.

Dass es alles Mitglieder der missliebigen Rockervereinigung mit Sitz in Adelebsen waren, dass sogar deren Präsident Rädelsführer gewesen sein soll, lieferte dem Niedersächsischen Innenministerium den Grund, im Oktober das Charter Göttingen der Rockergruppe zu verbieten. Bei einer Razzia in Adelebsen wurden Vereinsvermögen und ein privates Motorrad sichergestellt.

Doch womit wurde der 60-Jährige erpresst? Damit, dass die Rocker ihm Kinderpornografie unterschieben und ihn der Polizei verpfeifen wollten, behauptet der. Inzwischen ist aber längst klar, dass der zwielichtige Belastungszeuge tatsächlich auf dem bei ihm sichergestellten Laptop Filme und Fotos vom Missbrauch kleiner Kinder hatte.

Als am 22. Januar vor dem Amtsgericht Kassel der Prozess gegen die Göttinger Brüder und ihre Helfer begann, verlangten die Verteidiger Einsicht in den Inhalt des sichergestellten Laptops sowie in die Ermittlungsakte wegen Kinderpornografie-Besitzes gegen den Zeugen. Dahinter steht die Möglichkeit, dass es zu den die Hells Angels belastenden Aussagen nur deshalb gekommen sein könnte, weil der Zeuge sich im eigenen Strafverfahren davon einen Vorteil versprach.

Damals, im Januar, gab es keine Akteneinsicht. Vieles lag noch nicht einmal der Richterin vor. Der Prozess wurde ausgesetzt. Bis heute, so die Göttinger Strafverteidiger Mirko Oestreich, Patrick Riebe und Matthias Wuttke unisono, kenne man weder den Inhalt des Laptops noch habe die Verteidigung Einsicht in die Akte des Belastungszeugen.

Wolf Winter, Präsident des Amtsgerichts Kassel, sagt das anders: Es seien inzwischen die Akten übersandt, die CD, die den Inhalt des Computers spiegelt, werde noch nachgereicht. Am 20. Oktober sei Verhandlungstermin. Drei Sitzungstage seien anberaumt.

Einblick in die Kinderporno-Ermittlungen hält die Richterin aber offenbar nach wie vor nicht für nötig. "Ein Pädophiler als Hauptbelastungszeuge", sagt Wuttke, "der auch schon Brandanschläge auf sein Haus durch die Hells Angels behauptet haben soll", ergänzt Oestreich, "da müssen wir umfassende Akteneinsicht haben", meint Riebe. Keiner der drei Anwälte kann sicher sagen, ob überhaupt je wegen der Kinderpornos ermittelt wurde oder ob der Zeuge geschont wurde.

Unterdessen ist in Lüneburg seit 12. November 2014 die Klage der Hells Angels gegen ihr Vereinsverbot beim Oberverwaltungsgericht anhängig. Noch dieses Jahr soll verhandelt werden. Ob dann die OVG-Richter volle Akteneinsicht bekommen?

ck

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