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Thekenthema Baustillstand

B27 bei Göttingen Thekenthema Baustillstand

Pendler aus dem östlichen Landkreis wundern und ärgern sich: Seit zehn Tagen ist die B 27 zwischen Hoffmannshof und Weender Krankenhaus in Richtung Göttingen-Weende gesperrt, aber von Bauarbeiten ist nichts zu sehen. Die Straßenbaubehörde hat der beauftragten Baufirma jetzt Dampf gemacht.

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Vera Rohrschantz vor der gesperrten B27

Quelle: aib

Weende. Zwar seien die vorbereitenden Arbeiten zur Errichtung einer Lärmschutzwand östlich der Straße Am Papenberg“ erledigt worden, sagt Reinhard Wege von der Niedersächsischen Straßenbaubehörde in Bad Gandersheim. Auch die Gründung der Bohrpfähle für die Befestigung der Lärmschutzwand sei vorbereitet, aber: „Seitdem ruht die Baustelle“, ärgert sich Wege. Die Folge: „Am Mittwoch habe ich der Baufirma einen bösen Brief geschrieben. Hoffentlich bewirkt das etwas.“ Unter anderem habe er mit den vereinbarten Vertragsstrafen gedroht, wenn das Projekt nicht rechtzeitig bis zum vorgesehenen Fertigstellungstermin am 25. August abgeschlossen ist.

Unterdessen ärgern sich die Pendler aus dem östlichen Landkreis bis hin nach Duderstadt: Morgens müssen sie den zu Zeiten des Berufsverkehrs hochbelasteten Umweg vom Hoffmannshof über den Faßberg nehmen, abends auf der Rückfahrt können sie jeden Tag sehen, dass sich an der Baustelle nichts tut. In ihrer Kneipe, sagt Vera Rohrschantz, Chefin der Herberhäuser Dorfschänke, sei der Stillstand an der Baustelle am Weender Ortsausgang mittlerweile Thema von Thekengesprächen. Ohnehin seien die Bewohner aus der ländlichen Umgebung Göttingens in diesem Sommer schon von reichlich Bastellen und Straßensperrungen genervt, „und jetzt auch noch das hier“.

Dass viele Autofahrer verstimmt sind, kann Wege verstehen. Eines der Probleme sei, dass sich die beauftragten Bauunternehmen verschiedener Subunternehmen bedienen. Im Fall der B 27 in Weende seien dies vier. Während die Firmen, die für die Verkehrsführung an der Baustelle, Umleitung und Vorbereitung für das Einsetzen der Bohrpfähle zuständig seien, zügig gearbeitet hätten, hake es jetzt bei der Firma, die vom Generalunternehmer mit der eigentlichen Tiefgründung beauftragt worden sei.

Ein Einzellfall sei das Problem an der B 27 nicht, sagt Wege: „Wir haben es immer mehr mit Leuten zu tun, die zu viele Aufträge annehmen, und dann damit nicht hinterherkommen.“ Für das Projekt Lärmschutzwand werde die Zeit langsam eng: „Der Fertigstellungstermin am 25. August ist nicht allzu großzügig bemessen. Die müssen sich jetzt wirklich ranhalten. Für jeden Tag, der darüber hinausgeht, wird eine Vertragsstrafe fällig.“ Aber jetzt schon „machen wir jeden Druck, den wir machen können“.

Wege hofft darauf, dass spätestens ab Montag die Bohrpfähle, die Träger für die eigentliche Lärmschutzwand, gesetzt werden können. Die Setzmaschine dafür könnte bereits am Freitag an der baustelle eintreffen. Wege weiter: „Wir werden das genau im Blick behalten.“

Schon der Beginn der Arbeiten an der Lärmschutzwand hatte sich um zwei Wochen verzögert. Auch hier war der Grund die mangelnden Verfügbarkeiten bei ausführenden Firmen. Errichtet werden soll ein etwa 250 Meter langer und drei Meter hoher Lärmschutz an der Südseite der B 27 östlich der Einfahrt der Straße am Papenberg, um die Bewohner der Häuser an der Straße Am Ebelhof vor Verkehrslärm zu bewahren. Wie andere Lärmschutzwände entlang der B 27 in Weende wird die neue Schutzwand aus Holz gefertigt. Das Ganze soll etwa 350.000 Euro kosten.

Kommentar: Gestörtes Gleichgewicht

Dank der guten Konjunktur verfügen derzeit auch die Kommunen über reichlich Steuermittel und können viele Bauprojekte anschieben, für die in der Vergangenheit nicht genug Geld da war. Auch deshalb sitzen in diesem Jahr die Baufirmen am längeren Hebel und können der öffentlichen Hand die Preise vielleicht nicht diktieren, wohl aber deutlich nach oben drücken. Bei Ausschreibungen liegen zurzeit die günstigsten Angebote teilweise 20 bis 40 Prozent über den Kostenschätzungen der Verwaltungen, hat beispielsweise der Landkreis Göttingen beobachtet. Und Rosdorfs Bürgermeister Sören Steinberg (SPD) kann über ähnliche Erfahrungen berichten.

Wie also stellt man das gestörte Gleichgewicht wieder her? Leicht ist das nicht, weil sich die Baufirmen angesichts der hohen kommunalen Nachfrage die Auftraggeber aussuchen können. Höhere Vertragsstrafen bei Nichteinhaltung der Fertigstellungstermine wären ein Mittel. Ein weiteres könnte sein, den bürokratischen Aufwand für öffentliche Projekte zu reduzieren undd interessierten Baufirmen einen Bürokratie-Service zur Seite zu stellen, um den Bürokratie-Nachteil gegenüber privaten Auftraggebern wenigstens zum Teil auszugleichen. Und die Auftragsflut zur Jahresmitte, wenn die Haushalte der Kommunen genehmigt worden sind, könnte zumindest etwas entzerrt werden – beispielsweise durch bessere Absprachen mit der Kommunalaufsicht.

Was davon könnte wirklich helfen, damit öffentliche Bauvorhaben flüssiger ablaufen können? Schwer zu sagen. Aber wenn man nichts versucht, bessert sich wohl auch nichts -zu Lasten nicht nur der Kommunen, sondern auch der Bürger.

Von Matthias Heinzel

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