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Vorgaben für Aufnahme an Gesamtschulen

Landesschulbehörde Vorgaben für Aufnahme an Gesamtschulen

Wenn in zwei Wochen die Fünftklässler an den Gesamtschulen in Göttingen und Bovenden angemeldet werden, gibt es erstmals ein verbindliches Verfahren: Zunächst werden leistungsschwache Kinder aufgenommen, im zweiten Schritt leistungsstarke. Zugleich wird allen Bewerbern ein Platz in dieser Schulform garantiert.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. „Grundsätze zur Aufnahme in den Gesamtschulen“ ist das Papier betitelt, das genau vorgibt, in welcher Reihenfolge Schüler künftig aufgenommen werden und welche Kriterien in einer neuen Verteilerkonferenz greifen. Entstanden ist es „vor dem Hintergrund der besonderen schulischen Situation in Göttingen“. Regie hat dabei die Landesschulbehörde geführt, bestätigte am Donnerstag Behördensprecherin Bianca Schöneich - „auf Initiative des Göttinger Landrates“.

„Die besondere schulische Situation“ hat in den vergangenen Monaten vor allem Eltern verunsichert: In Göttingen gibt nur noch Gymnasien und Gesamtschulen. Es ist umstritten, ob letztgenannte als sogenannte ersetzende Schulen für Haupt- und Realschulen  bei der Anmeldung Bewerber auswählen und auslosen dürfen, um damit auch einen bestimmten Leistungsquerschnitt zu sichern. Bei diesem Verfahren drohten Klagen von Eltern. „Besonders“ ist auch eine Kooperation zwischen Stadt und Landkreis, die unter anderem die Gesamtschule Bovenden einbezieht. Eine Folge des bisherigen Verfahrens: Leistungsschwache Kinder, die an einer Göttinger Gesamtschule keinen Platz bekamen und nicht in Bovenden zur Schule gehen wollten, haben sich für ein Gymnasium entschieden – und sind dort häufig überfordert.

Die jetzigen Verfahrensgrundsätze sollen klar regeln, wie Kinder aufgenommen und verteilt werden, so Schöneich. Zugleich werde sichergestellt, dass alle Kinder, die an eine Gesamtschule wollen, einen Platz bekommen, betonten die Schuldezernenten von Stadt und Landkreis Göttingen, Siegfried Lieske und Marcel Riethig. Denn in dem Papier ist auch festgelegt, dass die Stadt weitere Klassen einrichtet, wenn nicht alle Bewerber unterkommen. Alternativ stehe ihnen der Weg an ein Gymnasium oder an eine Oberschule in der Region offen. 

Die vereinbarten Aufnahmeschritte: Zunächst werden an den Gesamtschulen alle gemeldeten Integrationskinder aufgenommen, dann leistungsschwache Schüler (Hauptschulniveau). Darauf folgen Schüler aus den leistungsstarken Gruppen (Gymnasialniveau), zuletzt Schüler aus dem mittleren Leistungsspektrum. Über Aufnahme und Verteilung entscheidet eine Konferenzrunde, in der alle Gesamtschulen vertreten sind. Vorrangig soll dabei die Wunschschule sein, darüber hinaus greifen Kriterien wie Wohnortnähe und Freundschaften. Die Zuweisung starker Schüler vor dem mittleren Leistungsspektrum solle eine für Gesamtschulkonzepte wesentliche Mischung sicher stellen, so Schöneich.

Sicher sei auch, dass „kein Kind zwangsweise eine bestimmte andere Schule besuchen muss, wenn es das nicht möchte“, ergänzte Lieske. Zugleich appellierte er „eindringlich an Eltern und Kinder, sich nicht auf eine bestimmte Schule festzulegen“. Viel entscheidender sei die Wahl der richtigen Schulform für das Kind“. Damit wirbt Lieske indirekt auch für die, oft falsch eingeschätzte, IGS Bovenden.

Ab 2018 soll es laut Vereinbarung außerdem einen gemeinsamen Anmeldetermin für Gesamtschulen und Gymnasien geben. Bisher gibt es getrennte Termine, was vor allem von den Gymnasien kritisiert wird. us

Überwiegend Lob und Zuspruch

Bei den Schulleitern stoßen die Verfahrensgrundsätze überwiegend auf positive Resonanz. „Es ist ja gar nicht so weit weg vom bisherigen Verfahren und der Erstwunsch bleibt ausschlaggebendes Kriterium“, so der Leiter der Neuen IGS Göttingen in Weende, Lars Humrich. Auch für Wolfgang Vogelsaenger, Leiter der IGS Geismar, „geht das in Ordnung“. Beide kritisieren aber, dass die Gesamtschulen alleine künftig für Integrationskinder zuständig sein sollen. „Das widerspricht dem Landesschulgesetzt“, so Vogelsänger. Nach seiner Ansicht könnten die besonderen Göttinger Probleme am besten durch eine neue Oberschule gelöst werden – am Standort der auslaufenden Heinrich-Heine-Hauptschule.

„Ich glaube, dass es gut ist für alle Schulen und alle Schüler“, kommentierte die Leiterin der IGS Bovenden die Vereinbarung: „Sie schafft vor allem Klarheit über das Verfahren“, so Renate Heyn. Auch für die Leiterin des Theodor-Heuß-Gymnasiums, Ulrike Koller, ist das Verfahren „grundsätzlich positiv für alle“. „Damit gibt es nur noch Zusagen“, ergänzte Wolfgang Schimpf, Leiter des Max-Planck-Gymnasiums – an den Gesamtschulen ebenso wie an den Gymnasien. Zugleich könne es gelingen, an den Gymnasien wieder „geordnete Verhältnisse zu schaffen“ – eine Anspielung auf leistungsschwache Kinder, die in den Vorjahren an Göttinger Gesamtschulen abgeblitzt und dann an ein Gymnasium gegangen waren.

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