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Landgericht Göttingen: Psychotischer Messerstecher muss in die Psychiatrie

Leuchtendes Dreieck Landgericht Göttingen: Psychotischer Messerstecher muss in die Psychiatrie

Weil er einen 29 Jahre alten Mann aus Nörten-Hardenberg in dessen Wohnung mit einem Jagdmesser beinahe getötet hat, muss ein 19-Jähriger nicht ins Gefängnis.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Nörten-Hardenberg/Göttingen. Weil er wegen einer schweren psychischen Erkrankung zur Tatzeit schuldunfähig war, wird er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Das hat das Landgericht Göttingen am Dienstag entschieden.

Angeklagt war der zur Tatzeit 18-jährige Mann wegen Versuchten Totschlags und Gefährlicher Körperverletzung. Am 2. Weihnachtstag vorigen Jahres hatte er in der Wohnung seiner Freundin und deren Mutter den Lebensgefährten der Mutter niedergestochen. Nur durch viel Glück und dank einer Notoperation überlebte der Mann.

In den Tagen vor der Tat hatte der 18-Jährige reichlich Cannabis und Amphetamine konsumiert – nicht unüblich für den Drogenabhängigen, in der Menge jedoch wohl mehr als zuvor. Die Folge: eine deutliche Verstärkung des wahnhaften Gedankensystems, in das er sich hineinphantasiert hatte, und in dem der 29-Jährige als Negativ-Figur eingebunden war. Das spätere Opfer, so war der 18-Jährige überzeugt, sei eine Art Vampir, der ihm nachts Substanzen injiziere und ihn ebenso wie seine Freundin missbrauche.

Als Beleg für die Richtigkeit dieser Vorstellungen halluzinierte er Stimmen und Zeichen überall – rote Tücher im Schrank, Kreuze an der Decke, leuchtende Dreiecke auf Fußböden. Ein solches Dreieck habe er auch am Abend der Tat auf dem Küchenfußboden wahrgenommen, ergab die Beweisaufnahme vor Gericht. Dazu habe ihm eine Stimme in seinem Kopf befohlen, den 29-Jährigen „abzustechen“.

Die Diagnose des psychiatrischen Sachverständigen: eine schizoid ausgeprägte Psychose. Die habe es ihm unmöglich gemacht, das Schuldhafte seines Handelns zu erkennen.

Dem folgte das Landgericht am Dienstag uneingeschränkt. An der Notwendigkeit, den Mann in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen, gebe es „nicht den geringsten Zweifel“, führte Richter Michael Kalde zur Begründung aus. Auch deshalb, weil die Gefahr anderer im Wahn begangener Taten weiterhin hoch sei.

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